Luzerner Kriminalgericht : Mann schlug Ehefrau Schädel ein – verurteilt
Aktualisiert

Luzerner Kriminalgericht Mann schlug Ehefrau Schädel ein – verurteilt

2001 fanden Spaziergänger bei Kriens die Leiche einer Frau. Jetzt wurde der Täter in Luzern verurteilt. Bestraft wird er nicht, weil er bereits für einen anderen Mord hinter Gittern sitzt.

von
dia
Der Richter hielt das Verschulden des Mannes für «sehr schwer»: Das Kriminalgericht in Luzern.

Der Richter hielt das Verschulden des Mannes für «sehr schwer»: Das Kriminalgericht in Luzern.

Ein 50-jähriger Pole ist vom Luzerner Kriminalgericht wegen der Tötung seiner Frau 2001 für schuldig befunden worden. Eine Strafe fällte das Gericht nicht. Der Mann verbüsst bereits in England eine lebenslängliche Haftstrafe wegen Mordes an seiner ex-Freundin 2009.

Der in England wegen Mordes vorbestrafte Mann machte sich in der Schweiz der vorsätzlichen Tötung schuldig, wie aus in dem am Donnerstag publizierten Urteil des Luzerner Kriminalgerichts heisst. Es sieht es nach einem Indizienprozess als erwiesen an, dass der Mann seine Frau nach einer gemeinsamen Autoreise aus der Heimat Polen im Verlauf des 10. oder 11. Januars 2001 irgendwo in der Schweiz umgebracht hat.

Identifizierung nach acht Jahren

Ein Spaziergänger fand die Leiche eine Woche später mit zertrümmertem Schädel in einer Wiese im Gebiet Himmelrich bei Kriens LU. Bis auf einen Kassenzettel waren ihre Taschen geleert. An den Kleidungsstücken fanden die Ermittler DNS-Spuren des Beschuldigten. Identifiziert wurde die Frau erst acht Jahre später anhand von Fingerabdrücken in einer Datenbank.

Unmittelbar nach der Tat stiess der Verurteilte mit dem Auto in Zollikerberg ZH mit einem anderen Wagen frontal zusammen, weil er alleine vor einer Polizeikontrolle flüchtete. Fünf Tage später sprang der Verletzte aus einem Fenster des Zürcher Unispitals. Danach wurde er festgenommen und nach Polen ausgeschafft.

Keine höhere Strafe möglich

Die Luzerner Staatsanwaltschaft zog den Mann als möglichen Täter erst in Betracht, nachdem dieser 2009 in einer Wohnung in Taunton GB seine ex-Freundin während eines Streits im Drogen- und Alkoholrausch geschlagen und erdrosselt hatte.

Das Luzerner Kriminalgericht sah aus rechtlichen Gründen von einer Zusatzstrafe ab, weil der Verurteilte bereits für den Mord in England zu einer lebenslänglichen respektive mindestens dreizehnjährigen Freiheitsstrafe verurteilt worden war. Eine schwerere Strafe sei im Schweizer Recht nicht vorgesehen, heisst es in der Kurzbegründung des Kriminalgerichts.

Weil der Mann die Tötung seiner Ehefrau begangen hatte, bevor er für weitere Delikte zur Rechenschaft gezogen wurde, darf das Gericht den Mann laut Gesetz nicht schwerer bestrafen, als wenn alle Taten gleichzeitig beurteilt worden wären. Laut Urteil liegt in dem Fall eine retrospektive Konkurrenz vor.

Gericht: Verschulden «sehr schwer»

Das Gericht hält das Verschulden des Mannes für «sehr schwer». Es würde für die Tat in der Schweiz eine Freiheitsstrafe in der Grössenordnung von 15 Jahren für angemessen halten. Die Staatsanwältin hatte als Zusatzstrafe fünf Jahre Haft gefordert, der Beschuldigte einen Freispruch.

Neben 71'000 Franken Verfahrenskosten muss der Mann gemäss Urteil für 10'000 Franken Genugtuung für die Schwester der Getöteten aufkommen.

Unruhe im Gericht

Der Pole beteuerte vor dem Luzerner Kriminalgericht am 9. September seine Unschuld. Er erklärte, seine Frau sei nach einem Streit wegen Alkohol und zu schnellen Fahrens davongelaufen und habe gesagt, sie gehe - wenn nötig per Autostopp - zurück nach Hause. Danach habe er nichts mehr von ihr gehört.

Die Verhandlung, die von einer Dolmetscherin übersetzt wurde, war turbulent. Der Beschuldigte unterbrach andere Redner oder sprach nicht zur Sache. Schliesslich wurde er vom vorsitzenden Richter nach Warnungen für die Dauer der Plädoyers aus dem Saal verwiesen.

Die Staatsanwältin erklärte, das obstruktive Verhalten des Beschuldigten habe bei den Behörden grossen Aufwand und Kosten verursacht. Sie verlangte darum, dass der Mann rasch nach England zurückgeschafft werden soll. (dia/sda)

Deine Meinung