Drei Männern wird in St. Gallen Sex mit einer minderjährigen Frau vorgeworfen
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Kreisgericht St. GallenMann soll 15-Jährige vergewaltigt und sie zu Gruppensex gedrängt haben

Drei Männer standen am Montag vor Gericht. Ihnen wurde vorgeworfen, sexuelle Handlungen mit einer minderjährigen Frau durchgeführt zu haben.

von
Leo Butie
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Drei Männer aus Nordmazedonien und dem Kosovo standen am Montag vor Gericht.

Drei Männer aus Nordmazedonien und dem Kosovo standen am Montag vor Gericht.

20Min/leo
Ihnen wurden unter anderem sexuelle Handlungen mit einem Kind vorgeworfen. 

Ihnen wurden unter anderem sexuelle Handlungen mit einem Kind vorgeworfen.

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Das Urteil steht noch aus und wird am Mittwoch erwartet. 

Das Urteil steht noch aus und wird am Mittwoch erwartet.

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Darum gehts

  • Drei Männer mussten sich des Vorwurfs der sexuellen Handlung mit einem Kind vor dem Kreisgericht in St. Gallen verantworten.

  • Ihnen wurde vorgeworfen, allesamt am gleichen Nachmittag mit dem 15-jährigen Opfer geschlafen zu haben.

  • Es wurden diverse andere Delikte ebenfalls zur Anklage gebracht.

  • Gemäss der Anwältin des Opfers habe man bei ihr den Eindruck erweckt, dass dies normal sei.

  • Das Urteil wird am Mittwoch erwartet.

Für diverse Delikte mussten sich zwei Nordmazedonier und ein Kosovare mit Schweizer Wohnsitz vor dem Kreisgericht St. Gallen verantworten. Eine Tat verband die drei Herren miteinander, nämlich sexuelle Handlungen mit einem Kind. In der Anklageschrift wird den Männern vorgeworfen, am gleichen Nachmittag mit einem damals 15-jährigen Mädchen geschlafen zu haben. Insgesamt sieben Männer hatten angeblich an diesem Nachmittag im Herbst 2019 in einem gemieteten Raum in St. Gallen mit dem minderjährigen Opfer Geschlechtsverkehr.

Zu den Sexualdelikten gesellten sich bei den Männern diverse andere Straftaten wie der gewerbsmässige Betrug, das Aufheulen eines PS-starken Autos, der unerlaubte Besitz einer Waffe sowie der Besitz und die Verbreitung von Videos mit harter Pornografie und Gewalt. Von der Staatsanwaltschaft wurden nebst Freiheits- und Geldstrafen auch Landesverweise gefordert.

Von Freund vergewaltigt

Mit einem der Männer, der damals 19 Jahre alt war, führte das minderjährige Opfer eine Beziehung. Dabei soll es gemäss Aussagen auch zweimal in einem Hotelzimmer zur Vergewaltigung der 15-Jährigen gekommen sein. Wiederholt habe er ihr auch Alkohol und Drogen beschafft und ihr Videos mit Gruppensex gezeigt, um bei ihr den Eindruck zu erwecken, dass dies normal sei.

Laut der Privatklägerschaft, der Verteidigung der damals 15-Jährigen, entstand zwischen dem Beschuldigten und dem Opfer eine Abhängigkeitsbeziehung. So gab der Beschuldigte dem Opfer die nötige Nähe und Vertrautheit, die ihm im strengen Elternhaus fehlte. Dieses Verhältnis habe er schamlos ausgenützt, um das Mädchen zum Gruppensex zu überzeugen. «Sie wollte ihm gefallen und nicht verlieren», sagt die Vertreterin des Opfers vor Gericht. Als es im Oktober 2019 zum Gruppensex kam, war das Opfer nicht in der Lage, sich zu wehren. «Als einzige Frau hatte sie in dieser Situation keine Chance», so ihre Anwältin.

Die zwei weiteren Männer bestritten bei der Befragung am Montag vor dem Kreisgericht St. Gallen, überhaupt am Gruppensex teilgenommen zu haben. Der zweite war für eine kurze Zeit anwesend, doch habe vorzeitig den Raum verlassen. Bei ihm blieb es beim Vorwurf der sexuellen Handlung mit einem Kind.

Der Dritte behauptete, zu diesem Zeitpunkt bei der Arbeit gewesen zu sein. Bei ihm wurden aber bei der Durchleuchtung seines Mobiltelefons diverse Videos mit harter Pornografie sowie brutalen Gewaltdarstellungen gefunden, die er via Whatsapp-Gruppenchats erhielt. Er konnte es sich nicht erklären, wie diese auf seinem Handy gespeichert werden konnten.

Verteidigung fordert Freisprüche

Die Verteidigerin des ehemaligen Freundes forderte einen Freispruch von den sexuellen Handlungen mit einem Kind, der Vergewaltigung, der Beschaffung von Betäubungsmitteln sowie vom gewerbsmässigen Betrug. Hingegen soll er wegen des Führens eines Fahrzeugs ohne Fahrausweis sowie Vergehen gegen das Waffengesetz schuldig gesprochen werden. Der Beschuldigte sei von der sexuellen Handlung mit Kindern freizusprechen, da er davon ausgegangen sei, dass sie bereits 16 war. Zudem sei er nicht im Raum gewesen, als es zum Gruppensex kam. Weiter war der Sex immer einvernehmlich, weshalb auch der Vorwurf der Vergewaltigung nichtig sei.

Der Verteidiger des zweiten Mannes machte geltend, dass sein Mandant am fraglichen Nachmittag nicht nachweislich vor Ort war. Mehrere Befragte konnten nicht mit Sicherheit seine Anwesenheit bestätigen. Zum Vorwurf der illegalen Videos auf dem Handy, sagte der Verteidiger, der Mann habe die Videos ungefragt zugestellt bekommen und es könne nicht bewiesen werden, dass er diese Videos überhaupt angesehen hat.

Weiter war laut dem Verteidiger die Auswertung des Mobiltelefons nicht verhältnismässig. Er forderte für den Besitz der Videos sowie für die sexuelle Handlung mit einem Kind einen Freispruch. Für die Vergehen gegen das Strassenverkehrsgesetz sowie die unnötigen Lärmerzeugung mit einem Jeep solle er einen Schuldspruch erhalten.

Opfer diskreditiert

Alle Verteidiger zweifelten indes die Aussagen des Opfers an und es wurde teils die These aufgestellt, dass das Opfer sich mit der Anklage an den Beschuldigten rächen möchte. Das Opfer habe in den Befragungen widersprüchliche Aussagen gemacht und immer neue Vorwürfe ans Licht gebracht. Auch habe das Mädchen vor der Abgabe seines Mobiltelefons zwecks Auswertungen mehrere Chatverläufe gelöscht.

Das Urteil wird voraussichtlich am Mittwoch eröffnet.

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