Biel: Mann soll sich Autofahren in Therapie abgewöhnen
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BielMann soll sich Autofahren in Therapie abgewöhnen

Ein Mann war in Biel jeweils ohne Fahrausweis unterwegs und hat so über ein Dutzend Strassenverkehrsdelikte begangen. Jetzt muss er in eine psychiatrische Einrichtung.

Die Therapie sei ein Versuch wert, dem Mann zu zeigen, dass es im Leben noch andere Freuden geben könne als das Autofahren.

Die Therapie sei ein Versuch wert, dem Mann zu zeigen, dass es im Leben noch andere Freuden geben könne als das Autofahren.

Der Mann, der seit Jahrzehnten immer wieder ohne Führerausweis am Steuer erwischt wird, erhält eine letzte Chance zur Besserung. Das Regionalgericht in Biel ordnete am Dienstag eine stationäre Massnahme an.

Das Gericht verurteilte den 43-jährigen Schweizer zu einer Freiheitsstrafe von 21 Monaten, weil er bei der letzten Spritztour vor der Polizei geflüchtet war und bei der anschliessenden Verfolgungsjagd zahlreiche Verkehrsregeln verletzt hatte.

Die Strafe wird aber zugunsten einer Therapie in einer geeigneten Institution aufgeschoben - zum Beispiel im Psychiatriezentrum Münsingen oder in einem Heim für Menschen mit psychischen und sozialen Problemen.

Intelligenzschwacher Mann muss sich andere Freuden suchen

Das Gericht entsprach damit den übereinstimmenden Anträgen des Verteidigers und des Staatsanwalts. Beide hatten am Montag betont, aufgrund des psychiatrischen Gutachtens habe der intelligenzschwache Mann eine letzte Chance zugute.

Sehr grosse Erfolgsaussichten habe eine Therapie zwar offenbar nicht, sagte Gerichtspräsidentin Elisabeth Ochsner unter Berufung auf den psychiatrischen Gutachter. Aber es sei ein Versuch wert, dem Mann zu zeigen, dass es im Leben noch andere Freuden geben könne als das Autofahren.

Der Mann hat nunmehr 14 Verurteilungen auf dem Kerbholz. Strassenverkehrsdelikte sind sein einziges Laster. Zurzeit befindet er sich im vorzeitigen Strafvollzug.

Strafe schon fast abgesessen

Bereits Ende Januar hat er die 21 Monate abgesessen. Viel Zeit, um einen Platz in einer geeigneten Einrichtung zu finden, bleibt also nicht.

Mit den 21 Monaten blieb das Gericht deutlich unter den Anträgen von Verteidigung und Staatsanwaltschaft, die 36 beziehungsweise 40 Monate gefordert hatten. Die Strafe möge mild erscheinen, räumte Gerichtspräsidentin Ochsner bei der Urteilsbegründung ein.

Der Mann habe aber mit seinem sehr tiefen Intelligenzquotienten eine schwer verminderte Schuldfähigkeit. Dies habe ja der psychiatrische Gutachter vor Gericht bekräftigt. Ein normal intelligenter Mensch mit voller Schuldfähigkeit hätte laut Ochsner 84 Monate bekommen, also sieben Jahre.

Verurteilt wurde der Mann wegen Gefährdung des Lebens, Sachbeschädigung, Fälschung von Ausweisen, Diebstahl und diverser Verstösse gegen das Strassenverkehrsgesetz. Freigesprochen wurde er vom Vorwurf der Gewalt gegen Beamte, denn nach Auffassung des Gerichts leistete er bei der Festnahme nur passiven Widerstand. (sda)

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