26.09.2020 19:10

Besser zurückhaltend naschenMann stirbt, weil er zu viel Lakritz gegessen hat

Seine Vorliebe für Bärendreck wurde ihm zum Verhängnis. Nachdem ein Amerikaner wochenlang täglich mehrere 100 Gramm davon genascht hatte, streikte sein Herz.

von
Fee Anabelle Riebeling
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Vorsicht bei Lakritz: Dieses sollte man mit Bedacht essen. 

Vorsicht bei Lakritz: Dieses sollte man mit Bedacht essen.

Getty Images/iStockphoto
Andernfalls kann das Naschen tödliche Folgen haben – wie im Fall eines Mannes aus Massachusetts. 

Andernfalls kann das Naschen tödliche Folgen haben – wie im Fall eines Mannes aus Massachusetts.

Screenshot NEJM 2020
Der Mann, von dem nur bekannt ist, dass er als Bauarbeiter arbeitete, war in den Wochen vor seinem plötzlichen Tod von den roten Fruchtschnecken auf die Lakritzschnecken umgestiegen. 

Der Mann, von dem nur bekannt ist, dass er als Bauarbeiter arbeitete, war in den Wochen vor seinem plötzlichen Tod von den roten Fruchtschnecken auf die Lakritzschnecken umgestiegen.

Getty Images/iStockphoto

Darum gehts

  • Ein Amerikaner ist verstorben, weil er zu viel Bärendreck gegessen hat.
  • Bereits 50 bis 100 Gramm davon können den Blutdruck deutlich ansteigen lassen und das Herz aus dem Takt bringen.
  • Grund dafür ist der Inhaltsstoff Glycyrrhizinsäure, der zu lebensgefährlichen Kaliumabfällen im Körper führen kann.

Der Herzstillstand kam plötzlich: Der Amerikaner aus dem US-Bundesstaat Massachusetts befand sich gerade in einem Fast-Food-Restaurant, als er plötzlich keine Luft mehr bekam und zusammenbrach. Trotz sofort eingeleiteter Wiederbelebungsmassnahmen verstarb der 54-Jährige, der sich zu Lebzeiten als gesund bezeichnet hatte, am nächsten Tag.

Und das war er auch, wie sich bei der Untersuchung des Leichnams im Massachusetts General Hospital herausstellte. Es war seine Schwäche für Bärendreck, die sein Herz hatte zu schlagen aufhören liess. So berichten es die verantwortlichen Mediziner im «New England Journal of Medicine». Erst Wochen zuvor hatte der Mann, so berichtet es TheGuardian.com, von fruchtigen Weingummi-Schnecken auf Lakritz-Schnecken gewechselt.

Mit Bedacht naschen

Wie sich herausstellte, hatte der Verstorbene in den Wochen und Monaten vor seinem Tod täglich anderthalb Packungen Lakritz gegessen – und damit zu viel. Denn bereits der Konsum von 50 bis 100 Gramm täglich kann zu Bluthochdruck und Herzrhythmusstörungen führen.

Schuld daran ist die in Lakritze enthaltene Glycyrrhizinsäure. Nimmt man von dieser zu viel zu sich, kommt es im Körper zu einem gefährlichen Kaliumabfall. Da das Element massgeblich an der Zellerregung und der Signalweiterleitung beteiligt ist, führt ein solcher Mangel unter anderem zu Herzrhythmusstörungen – oder wie im Fall des Amerikaners zu einem Herzstillstand mit Kammerflimmern.

Vorsicht nicht nur bei Süssigkeiten

Gemäss der US-Gesundheitsbehörde CDC sind Menschen ab 40 besonders gefährdet, bei einem zu hohen Lakritz-Konsum gesundheitliche Probleme zu bekommen. Dabei sollte berücksichtigt werden, dass nicht nur offenkundige Lakritz-Produkte Glycyrrhizinsäure enthalten, sondern auch Lakritz-Tees, -Schnäpse, Geleebonbons und einige Kautabak-Sorten. «Sogar einige Biere – etwa aus Belgien – enthalten diese Verbindung», sagt Robert Eckel, Kardiologe an der University of Colorado und ehemaliger Präsident der American Heart Association gegenüber TheGuardian.com.

Krampfanfälle und Gehirnschwellung

Doch das ist nicht die einzige Nebenwirkung der so harmlos wirkenden Leckerei, wie der Fall eines damals 10-jährigen Jungen aus Italien zeigte. Auch ihn brachte sein Faible für Lakritz im Jahr 2015 ins Spital. Seinem Herz hatten die 20 Stück pro Tag noch nicht geschadet. Doch hatte ihm das Naschen heftige Krampfanfälle, starke Kopfschmerzen, ein angeschwollenes Gehirn, hohen Blutdruck und deutlich erhöhte Werte des Stresshormons Kortisol beschert.

Auch daran war der von zu viel Glycyrrhizinsäure ausgelöste Kaliummangel Schuld. Der Körper benötigt den Stoff nämlich auch, um die Muskel- und Nervenfunktionen zu kontrollieren. Sinkt die Kaliumkonzentration stark, sind Muskelkrämpfe und Wassereinlagerungen die Folge. Weil die Säure gleichzeitig den Abbau von Kortisol verhindert, gerät der Körper in Stress und der Kortisolspiegel steigt.

Der 10-Jährige hatte Glück: Nachdem er vom Bärendreck abliess, verschwanden alle seine Beschwerden.

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60 Kommentare
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Unglaublich

27.09.2020, 16:19

Hingegen bei Lebkuchen-Schololade geht 1Kg am Tag mit Apetit

Sven Svensson

27.09.2020, 11:04

also verkürze ich meine Lebenszeit täglich, hoffe kann noch ruhig schlafen ;-) Erst gibt's aber noch ein paar Lakritz

VeganeKatze

27.09.2020, 10:44

In der Naturheilkunde ist bekannt, dass man Süssholzwurzel nur 14 Tage hintereinander konsumieren darf, dann 14 Tage Pause machen muss.