Strafgericht BS: Mann trat seiner schwangeren Frau in den Bauch, wird aber nicht ausgeschafft

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Strafgericht BSMann trat seiner schwangeren Frau in den Bauch, wird aber nicht ausgeschafft

Das Strafgericht Basel-Stadt befasste sich seit vergangener Woche mit einem besonders brutalen Fall von häuslicher Gewalt. Es verurteilte den Beschuldigten unter anderem wegen versuchten strafbaren Schwangerschaftsabbruchs.

von
Steve Last
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Am Montag verurteilte das Strafgericht Basel-Stadt einen 36-Jährigen wegen Gewalttaten gegen seine Ehefrau. Der Mann hatte sie gefesselt und ihr in den Bauch getreten, als sie schwanger war.

Am Montag verurteilte das Strafgericht Basel-Stadt einen 36-Jährigen wegen Gewalttaten gegen seine Ehefrau. Der Mann hatte sie gefesselt und ihr in den Bauch getreten, als sie schwanger war.

Kanton BS
Auf einen Landesverweis verzichtete das Gericht aber. Es erkannte einen Härtefall.

Auf einen Landesverweis verzichtete das Gericht aber. Es erkannte einen Härtefall.

20min/Steve Last
20 Minuten

Darum gehts

  • Ein 36-Jähriger wurde in Basel verurteilt, weil er seiner Frau Gewalt angetan hat.

  • Vor allem soll er sie während ihrer Schwangerschaft gefesselt und ihr in den Bauch getreten haben.

  • Ins Gefängnis muss er aber nicht mehr, weil er den unbedingten Teil seiner Strafe bereits in Untersuchungshaft abgesessen hat.

Ein 36-jähriger Mann ist auf freien Fuss zu setzen, obwohl er am Montag vom Strafgericht Basel-Stadt wegen schwerer Gewalt gegen seine Ehefrau für schuldig befunden wurde. Das Gericht verurteilte ihn unter anderem wegen versuchten strafbaren Schwangerschaftsabbruchs zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten. Dies schreibt die «Basler Zeitung».

Die Staatsanwaltschaft hatte ihm vorgeworfen, seine schwangere Frau gefesselt und ihr in den Bauch getreten zu haben. Als «rücksichtslos und verwerflich» beschrieb das Gericht die Gewalttat laut der BaZ, als «übertraumatisch» für die Frau laut der «bz Basel». Das Kind überlebte zum Glück.

Unbedingten Teil bereits abgesessen

Weil aber nur sechs Monate der verhängten Freiheitsstrafe als unbedingt vollziehbar und die restlichen zwei Jahre auf Bewährung ausgesprochen wurden, dürfte der Mann freikommen. Denn seit ziemlich genau einem halben Jahr sitzt er in Untersuchungshaft, die ihm an die Strafe angerechnet wird. Zudem darf der Syrer in der Schweiz bleiben, weil sich das Gericht gegen einen Landesverweis entschieden hat, wie die BaZ weiter schreibt.

Zwar ist ein strafbarer Schwangerschaftsabbruch auch im Versuch ein Katalogdelikt, bei dem 36-Jährigen sei aber ein Härtefall erkannt worden. Er habe eine gute Beziehung zu seinem Sohn, dessen Geburt er zu verhindern versucht habe. Und eine Ausschaffung nach Syrien sei ohnehin nicht möglich, so die Gerichtspräsidentin gemäss Artikel der bz.

Nötigung und Freiheitsberaubung, aber keine Vergewaltigung

Weiter hat der Mann die Frau bedroht und in einem Zimmer eingesperrt. Dafür gab es eine bedingte Geldstrafe von 60 Tagessätzen à 30 Franken, wie die BaZ schreibt. Er müsse sich während der Probezeit von zwei Jahren einem Lernprogramm zu häuslicher Gewalt unterziehen und dürfe sich der Frau nicht nähern.

Die Staatsanwaltschaft hatte ihm auch mehrfache Vergewaltigung und schwere Körperverletzung vorgeworfen. Dieser Verdacht erhärtete sich vor Gericht aber nicht und es gab Freisprüche, so die BaZ. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Es ist denkbar, dass die Staatsanwaltschaft Einsprache anmeldet. 

Bist du oder ist jemand, den du kennst, von sexualisierter, häuslicher, psychischer oder anderer Gewalt betroffen?

Hier findest du Hilfe:

Polizei nach Kanton

Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz

Lilli.ch, Onlineberatung für Jugendliche

Frauenhäuser in der Schweiz und Liechtenstein

Zwüschehalt, Schutzhäuser für Männer

LGBT+ Helpline, Tel. 0800 133 133

Alter ohne Gewalt, Tel. 0848 00 13 13

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Beratungsstellen für gewaltausübende Personen

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