Rorschach SG: Mann will trotz Kritik wieder verkleidet «Mohrenköpfe» verkaufen
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Rorschach SGMann will trotz Kritik wieder verkleidet «Mohrenköpfe» verkaufen

Ein kostümierter, schwarz angemalter Mann hat in Rorschach «Mohrenköpfe» verkauft. Dafür erntet er Kritik. Der 58-Jährige spricht von einer «rein geschäftlichen Promotion».

von
Jil Rietmann
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Ein schwarz angemalter Mann hat am Donnerstag in Rorschach SG «Mohrenköpfe» verkauft.

Ein schwarz angemalter Mann hat am Donnerstag in Rorschach SG «Mohrenköpfe» verkauft.

Leser-Reporter
Er stand auf dem Privatboden der Firma Gutmann Plattenbeläge.

Er stand auf dem Privatboden der Firma Gutmann Plattenbeläge.

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Diese bewilligte ihm zwar einen Verkaufsstand, wusste aber nicht, was er genau vorhatte.

Diese bewilligte ihm zwar einen Verkaufsstand, wusste aber nicht, was er genau vorhatte.

Leser-Reporter

Darum gehts

  • Am Donnerstag hat sich ein Mann schwarz angemalt und in Rorschach «Mohrenköpfe» verkauft.
  • Der Mann spricht von einer «rein geschäftlichen Promotion» und will die Aktion wiederholen.
  • Die Aktion fand auf einem privaten Grundstück der Firma Gutmann Plattenbeläge statt.
  • Der Besitzer hat dem Mann zwar eine Bewilligung erstattet, wusste jedoch nicht, was dieser genau vorhatte.
  • Die Firma fühlt sich von dem Mann hintergangen.
  • Der Mann werde vor dem Geschäft keine «Mohrenköpfe» mehr verkaufen.


Am Donnerstag ist einem Leser-Reporter aus Rorschach ein kostümierter Mann aufgefallen, der an einem Stand «Mohrenköpfe» von Dubler verkauft hat. Der Kantonspolizei St. Gallen war die Aktion bekannt. Sie hatte deswegen mehrere Meldungen erhalten. Sprecher Florian Schneider sagte: «Wir sind ausgerückt, haben die Personalien des Mannes aufgenommen, den Fall dokumentiert und die Stadt Rorschach informiert.» Die Staatsanwaltschaft habe empfohlen, nichts weiter zu unternehmen. Schneider erklärt, dass die Aktion auf privatem Grundstück stattgefunden und der Mann eine Bewilligung gehabt habe.

Marcel Aeple, der Stadtschreiber von Rorschach, sagte zu 20 Minuten: «Wir haben nichts davon gewusst. Als ich davon gehört habe, hielt ich es im ersten Moment für einen Scherz.» Ausserdem finde er die Aktion gerade in der jetzigen Debatte unangebracht. Er stellte klar: «Rorschach ist kein Boden für Rassismus.» Da sich der Mann auf privatem Boden befunden habe, konnte man nichts machen.

«Ich bin kein Rassist»

Der kostümierte Mann ist anderer Meinung. Wie «Blick» berichtet, handelt es sich um einen 58-jährigen Wurststand-Betreiber. Laut dem Bericht hat er seinen Stand mit Bratwürsten und «Mohrenköpfen» am Folgetag im Zürcherischen Schwerzenbach aufgestellt – allerdings trat er diesmal ungeschminkt und ohne Perücke auf. «Was ich gemacht habe, war eine rein geschäftliche Promotion», sagt er zur Zeitung. Es stimme schon, dass er politisch eher rechts eingestellt sei. Aber er sei bestimmt kein Rassist. Er kann die Empörung nicht verstehen. «Man muss nicht aus allem ein Drama machen.» Die Aktion will er wiederholen.

Der Platz, auf dem der Mann seine «Mohrenköpfe» verkaufte, gehört der Firma Gutmann Plattenbeläge. Die Firma muss sich nun seit Donnerstag mit Reaktionen verschiedenster Leute herumschlagen. Es werde kritisiert, dass derart provoziert werden müsse. Andere reden von einer «Hammeraktion».

Alles begann mit Würsten

Der Inhaber der Firma Gutmann Plattenbeläge, Gerd Gutmann, habe diese Aktion alles andere als humorvoll aufgenommen. Er bestätigt dem «St. Galler Tagblatt», dass der Verkäufer über eine Bewilligung verfügt habe, an seinem Standort «Mohrenköpfe» zu verkaufen. Was er genau vorgehabt habe, nämlich sich als Schwarzer anzumalen, wurde ihm verschwiegen. «Vor einigen Wochen trat der Mann an uns heran mit dem Anliegen, einmal pro Woche Würste vor unserem Unternehmen zu verkaufen», erzählt Gutmann. Er erteilte dem Mann die Bewilligung für den Wurstverkauf, der dann auch einige Male stattfand.

Vor einer Woche kam der Verkäufer mit einem neuen Anliegen. «Er fragte dann, ob er auch Dubler-‹Mohrenköpfe› verkaufen könne.» Anscheinend lief der Bratwurstverkauf nicht besonders gut. Auch an dieser Idee hatte Gerd Gutmann nichts auszusetzen. Die Diskussionen, die es in den letzten Tagen rund um den Namen «Mohrenkopf» gab sowie um das Unternehmen, das den Namen nicht ändern will, seien völlig an Gutmann vorbeigegangen. Auch als der Mann von «Mohrenköpfen» sprach, dachte er sich nicht viel dabei.

Aktion wäre nicht erlaubt worden

Eines wolle Gutmann aber klarstellen: «Davon, dass sich der Mann für den Verkauf als Schwarzer verkleiden wollte, war nie die Rede. Wenn ich davon gewusst hätte, hätte ich diese Aktion niemals bewilligt.» Auch die Polizei hat von dem Verkäufer Wind gekriegt. «Sie fragten mich, ob der Mann eine Bewilligung für seinen Stand habe», erzählt Gutmann. Er habe das bestätigt, und die Polizei sei wieder gegangen. Der Firmenchef habe den Mann auch gar nicht bemerkt, denn er sei durch einen anderen Eingang gekommen. Als er dann Fotos in Onlinemedien gesehen hat, wurde ihm klar, was vor seinem Geschäft gerade passierte.

Dass seine Firma nun schweizweit in den Medien steht, gefalle ihm nicht. «Solche Publicity brauchen wir nicht!», sagt er. Er habe sogar schon E-Mails erhalten, in denen er als «Saurassist» bezeichnet oder seinem Unternehmen der Konkurs gewünscht worden sei. Es gäbe allerdings auch die andere Seite. Da heisse es, es sei lächerlich, ihn als Rassisten zu bezeichnen. Andere habe die Aktion sogar zum Lachen gebracht.

Einfach nur dumm

Im direkten Kontakt empfand Gerd Gutmann den Mann als sehr freundlich. Er denke auch nicht, dass er seine «Mohrenkopf»-Aktion rassistisch gemeint hat. Weil momentan jedoch die ganzen Diskussionen um die DublerMohrenköpfe» stattfinden, sei diese Aktion einfach nur dumm gewesen. Dass der Mann ihm nicht im Vorfeld gesagt habe, was er genau vorhabe, nerve ihn am meisten. Gutmann sagt: «Ich fühle mich hintergangen.» Der Mann werde vor seinem Geschäft keine «Mohrenköpfe» oder weiteres mehr verkaufen. «Wir sind keine Rassisten», sagt Gutmann. Dass unter seinen dreizehn Mitarbeitern auch ein dunkelhäutiger Lehrling sei, bestätige diese Aussage.

Was ist Blackfacing?

Wenn sich Weisse als Schwarze schminken, nennt man das Blackfacing. Es ist eine rassistische Praxis, die bereits im 18./19. Jahrhundert in den USA populär wurde und aus der Theater- und Unterhaltungsszene kommt. Weisse Künstler malen sich ihr Gesicht schwarz an, um schwarze Menschen zu spielen. Dick gemalte Lippen und ein debiler Blick sollten das Stereotyp eines fröhlichen, naiven und dummen schwarzen Sklaven darstellen. Es diente dazu, die Bevölkerung zu belustigen.

Wieso Blackfacing falsch ist

Die rassistische Realität und die Sklaverei wurden dabei unter den Teppich gekehrt. Die Unterdrückung schwarzer Menschen wurde so ins Theater transportiert und weiter verfestigt. Schwarze Menschen erfahren aufgrund ihrer Hautfarbe heute noch Ungleichbehandlung, werden ausgegrenzt oder angefeindet, wie zum Beispiel an Schulen oder auf dem Arbeitsmarkt. Alltagsrassismus bleibt meistens unentdeckt oder wird nicht zur Anzeige gebracht. Oftmals steckt hinter Blackfacing kein böser Hintergedanke, jedoch existiert Rassismus bis heute, deswegen muss man Traditionen, Kultur und Sprache in ihrer Entstehung überprüfen. Quelle: hessenschau.de.

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