Aktualisiert 07.11.2013 20:42

Höflicher Gauner

Mann versuchte, Bank schriftlich zu «überfallen»

Mit einem Zettel bewaffnet wollte ein 35-Jähriger die Basler Kantonalbank um einige Tausend Franken zu erleichtern. Da er nicht drohte, ist die Tat kein Überfall, sagt ein Jurist.

von
lha

Der «Bankraub» sollte wohl so unauffällig wie möglich über die Bühne gehen. Ganz brav stand ein Schweizer am Mittwoch kurz vor Schalterschluss in der Filiale Spiegelgasse der Basler Kantonalbank mit anderen Kunden in der Schlange. Als er an der Reihe war, überreichte er dem Angestellten wortlos ein Schreiben. Darin forderte er, dass ihm mehrere Tausend Franken ausgehändigt werden. Dann wartete er. Ging ein paar Schritte nach links und rechts. Und dann war auch schon die Polizei da und führte den glücklosen Bankräuber ab.

«Das war kein konventioneller Raub», sagt Kriminalkommissär Peter Gill. Der Räuber war nämlich gänzlich unbewaffnet und auch nicht vermummt – laut Gill enthielt das Schreiben nicht einmal eine Drohung. Trotzdem spricht die Basler Staatsanwaltschaft von einem Raubversuch. Auch wenn Gill eingesteht, dass das Vorgehen des 35-Jährigen «atypisch» war: «Es sind noch einige Fragen offen», sagt er.

«Täter soll schweigen»

«Wäre ich sein Verteidiger, würde ich ihm vorerst raten, gar keine Aussage zu machen», sagt der Basler Strafverteidiger Christian von Wartburg. Er zweifelt, ob dem Täter überhaupt ein Raubversuch angelastet werden kann. Dazu müsste nämlich der Tatbestand der Gewalt gegen eine Person oder mindestens der Androhung einer Gefahr für Leib und Leben erfüllt sein. Das Gewalt- oder Drohungsmoment fehle hier aber gänzlich. «Bereits in der blossen schriftlichen Aufforderung eine stillschweigende Drohung zu sehen, ginge wohl zu weit» so von Wartburg.

«Zu überlegen wäre, ob dem Bankbesucher ein versuchter Betrug vorgehalten werden muss», sagt der erfahrene Strafverteidiger. Wer nämlich in der Absicht, sich zu bereichern, bei einem Schalterbeamten arglistig den Irrtum hervorrufe, dass er bedroht wird, könnte sich eines versuchten Betruges strafbar gemacht haben. «Obwohl objektiv keine Bedrohung feststellbar ist und anders als beim Mitnehmen einer Spielzeugpistole auch überhaupt nicht gedroht wird.»

Mysteriöse Warnung

Möglicherweise hat sich der erfolglose Bankräuber diese Verteidigungsstrategie aber schon zunichtegemacht. Laut Kriminalkommissär Peter Gill ging am Mittwoch bei der «Basler Zeitung» eine E-Mail ein, in der angedeutet wurde, dass nächstens eine Bank überfallen werden könnte. «Wir schliessen nicht aus, dass es sich beim Verfasser dieses Schreibens und dem Räuber um die gleiche Person handelt.» Träfe das zu, wäre von Wartburgs Verteidigungsargumentation zunichte.

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