Kreuzlingen TG: Mann verteilt Nazi-Propaganda

Aktualisiert

Kreuzlingen TGMann verteilt Nazi-Propaganda

Einem Jungsozialisten wurde am Hafen von Kreuzlingen antisemitisches Propagandamaterial ausgehändigt. Er hat Anzeige erstattet.

von
jeb
Diese Flugblätter wurden am Montag (3. April 2017) in Kreuzlingen TG verteilt.

Diese Flugblätter wurden am Montag (3. April 2017) in Kreuzlingen TG verteilt.

Juso TG

«Am Kreuzlinger Hafen wurden am Montagabend kurz nach 21 Uhr von einem Mann antisemitische und faschistische Flugblätter und Broschüren verteilt», teilt die Juso Thurgau in einem Communiqué empört mit. «Auf den Zettel kommt vor allem Nazi General Erich Ludendorff zu Wort», sagt Beat Schenk, Vorstand der Juso Thurgau.

Beim Verteiler handle es sich um einen «Mann älteren Semesters», der in der Manier von schlechten Agentenfilmen auf das Juso-Mitglied zugegangen sei. «Hey, ich habe da etwas Interessantes für euch», sagte er. Danach hätte er in wirrer Art von der jüdischen Weltverschwörung erzählt. «Er sagte, Hitler sei ein englischer Spion gewesen», sagt Juso-Mitglied Luca Fischer aus Kreuzlingen.

Anzeige erstattet

Die Jungsozialisten sind über die Verbreitung von zutiefst menschenverachtendem Gedankengut entsetzt. «Ich habe heute Nachmittag Anzeige erstattet», sagt Fischer.

Bei der Kantonspolizei bestätigt man den Eingang der Anzeige gegen Unbekannt. Die Polizei patrouilliere regelmässig in der Gegend, bislang sei der Mann nicht aufgefallen. «Es haben sich bislang auch keine anderen Personen bei uns gemeldet, die ebenfalls antisemitische Flugblätter erhalten haben», sagt Polizeisprecher Daniel Meili. Die Polizei bittet um Meldung, wenn man jemanden beobachtet, der möglicherweise verbotene Schriften verteilt. «Wenn wir Meldung bekommen, können wir die Inhalte der Flugblätter sowie die Personen überprüfen», so Meili.

Nazi-Funker ist wieder aktiv

Es ist nicht das erste Mal, dass antisemitische Flugblätter in Kreuzlingen auftauchen. Bereits im Dezember 2015 waren in Briefkästen Flyer verteilt worden, auf denen der Holocaust geleugnet wurde.

Die Juso berichtet auch von einem Amateur-Funker, der antisemitisches Gedankengut über Funk verbreitet. «Auch ein 'Nazi-Funker' treibt seit einiger Zeit sein Unwesen in der Region», schreibt die Juso. Auch das ist im Thurgau nichts Neues: Funker «Fuchs» aus Kümmertshausen TG wurde sogar schon wegen seinen Funksprüchen verurteilt.

Immer wieder antisemitische Flugblätter

Ob es sich beim Flugblattverteiler und dem Funker um dieselbe Person, ist nicht bekannt. «Möglicherweise handelt es sich beim Flugblattverteiler um den Funker 'Fuchs'. Das verbreitete Gedankengut ist ähnlich», sagt Schenk.

Laut Jonathan Kreutner vom Israelitischen Gemeindebund (SIG) komme es in der Ostschweiz immer wieder vor, dass antisemitische Flugblätter verteilt würden. «Wir begrüssen es, dass die Juso im aktuellen Fall Anzeige erstattet hat.»

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