Tötungsdelikt Wasterkingen: Mann vor Gericht, weil er Ehefrau vor Augen des Sohnes erstach
Aktualisiert

Tötungsdelikt WasterkingenMann vor Gericht, weil er Ehefrau vor Augen des Sohnes erstach

Ein Montenegriner ist geständig, seine Ehefrau mit dem Messer getötet zu haben. Er will aber einen Freispruch. Die Vorinstanz hatte ihn zu elf Jahren Gefängnis verurteilt.

von
Stefan Hohler
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Die 45-jährige Mutter R. T. wurde mit einem Messer getötet.

Die 45-jährige Mutter R. T. wurde mit einem Messer getötet.

Ihr Ehemann steht nun wegen des Tötungsdelikts vor Gericht. Er ist geständig, will aber einen Freispruch.

Ihr Ehemann steht nun wegen des Tötungsdelikts vor Gericht. Er ist geständig, will aber einen Freispruch.

Das Bezirksgericht Bülach hatte ihn zu elf Jahren Gefängnis und zehn Jahren Landesverweis verurteilt.

Das Bezirksgericht Bülach hatte ihn zu elf Jahren Gefängnis und zehn Jahren Landesverweis verurteilt.

Keystone

Als eine «Tragödie, die kaum zu überbieten ist», bezeichnete die Staatsanwältin die Tat am Prozess vor dem Bezirksgericht Bülach im Februar 2019. Der zwölfjährige Sohn hatte mitansehen müssen, wie der Vater seiner Mutter das Küchenmesser mitten ins Herz stiess. Der Knabe und zwei seiner drei Geschwister alarmierten die Sanität und begannen unter telefonischer Anleitung des Disponenten von Schutz & Rettung mit der Reanimation. Doch die 45-jährige Mutter erlag noch in der Wohnung ihren Verletzungen. Die Tat vom 17. Oktober 2017 in der Unterländer Gemeinde Wasterkingen war der traurige Schlusspunkt eines jahrelangen Beziehungsstreits zwischen einem Ehepaar aus Montenegro.

Darum gehts

  • Das Obergericht Zürich muss das Tötungsdelikt von Wasterkingen 2017 beurteilen.
  • Ein Montenegriner, der seine Frau erstochen hat, will einen Freispruch. Sein Verteidiger macht eine Schuldunfähigkeit wegen Epilepsie geltend.
  • Das Bezirksgericht Bülach hatte den Mann 2019 zu elf Jahren Gefängnis und zehn Jahren Landesverweis verurteilt.

Der geständige Beschuldigte hatte am Prozess gesagt, dass er an jenem Abend unter Stress gestanden sei und seine Medikamente einzunehmen vergessen habe. Als seine Frau ihn angeschrien habe, hätte er die Kontrolle verloren und das Messer genommen, warum, könne er nicht erklären. Der Mann litt unter epileptischen Anfällen und Depressionen und erhielt eine Invalidenrente. Die Familie lebte von dieser Rente und von der Sozialhilfe. Die IV-Rente wurde aber 2014 sistiert, nachdem die IV einen Sozialdetektiv auf den Mann angesetzt hatte.

Das Bezirksgericht Bülach verurteilte den heute 53-jährigen Ex-Berufsoffizier der serbischen Armee wegen vorsätzlicher Tötung zu einer Freiheitsstrafe von elf Jahren. Zudem soll der Montenegriner für zehn Jahre des Landes verwiesen werden. Die Staatsanwältin hatte eine Freiheitsstrafe von 15 Jahren und einen ebenso langen Landesverweis verlangt.

«Mein Mandant ist schuldunfähig»

Für Überraschung sorgte der Antrag des Verteidigers: ein Freispruch. Sein Mandant leide an Epilepsie und sei aufgrund eines Gehirntumors bereits fünfmal am Kopf operiert worden. «Mein Mandant stand zum Tatzeitpunkt unter grosser seelischer Belastung und ist deshalb schuldunfähig.» Der Verteidiger verwies auf das psychiatrische Gutachten, das seinem Mandanten eine mittelgradige oder gar schwere Einschränkung der Schuldfähigkeit bescheinige.

Laut dem Bezirksgericht Bülach hatte der Ehemann seine Frau aber zielgerichtet erstochen. Der Beschuldigte sei nur mittelgradig vermindert schuldfähig. Gegen das Urteil erhoben beide Parteien Beschwerde, so dass sich am Dienstag das Obergericht Zürich mit dem Tötungsdelikt befassen muss.

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