Aktualisiert 08.03.2013 15:01

Beamten verletztMann warf Kinder vom Dach

Ein Spanier liess Anfang 2012 seine Kinder vom Dach fallen und verletzte zwei Beamte. Am Bezirksgericht Zürich waren sich jedoch alle Parteien einig, dass der Mann nicht länger in Haft bleiben soll.

von
Attila Szenogrady

Es war am 5. Januar 2012, als ein heute 38-jähriger Randständiger aus Zürich beim Güterbahnhof Polizei und Medien in Atem hielt. Nachdem er im Dachgeschoss des Gebäudes randaliert und einen Laptop aus dem Fenster geworfen hatte, floh er kurz nach 19 Uhr mit seinen beiden Söhnen im Alter von neun und sieben Jahren vor der alarmierten Polizei auf das rutschige Schrägdach. Der arbeitslose und völlig berauschte Spanier stand unter dem Einfluss vom Amphetamin. Obwohl er an jenem Tag sein Besuchsrecht für seine beiden Kinder wahrnehmen sollte.

Beim Versuch, seine Kinder zu schützen, brachte der Mann sie in grosse Gefahr. So rutschte er mit ihnen bis zur Dachkante, wo er die Kleinen nacheinander an den Armen vom Dach hob und aus rund vier Metern Höhe auf einen Vordachplatz fallen liess. Die Söhne hatten Glück und kamen mit dem Schrecken davon. Im Gegensatz zu zwei mutigen Polizeibeamten, die mit Hilfe eines Tasers und eines Pfeffersprays den aggressiven Vater überwältigen wollten.

Denn einen der Ordnungshüter bewarf der Täter mit einem Vierkantholz und verletzte ihn an den Rippen. Den anderen attackierte er mit einer Eisenstange, wobei der Polizist eine Rissquetschwunde an der Stirn erlitt. Erst danach konnte der Vater durch weitere Polizeibeamte überwältigt werden. Seither sitzt er im Gefängnis.

Diverse weitere Delikte

Die Ermittlungen ergaben, dass der Obdachlose bereits vorher diverse weitere Delikte in Zürich verübt hatte. So nächtigte er jeweils auf dem Areal des Güterbahnhofs in einem Kellerverlies und schlug sich mit Diebstählen sowie Einbrüchen durch. Wenig vorbildlich verhielt er sich auch gegenüber seinen beiden Söhnen. Er nahm sie mit, um illegal zwei Baubaracken und einen Bagger zu besprayen. Der Sachschaden betrug über 6000 Franken. Bei einem anderen Vorfall fuhr er auf der Bahnhofstrasse mit einem gestohlenen Fahrrad in eine Passantin und verletzte sie.

Am Donnerstag stand der im Sachverhalt weitgehend geständige Vater vor dem Bezirksgericht Zürich, dabei hinterliess er nicht den besten Eindruck. Auf die richterliche Frage, weshalb er so viel Amphetamin geschluckt habe, antwortete er, dies sei seit Menschengedenken normal. So würden selbst die Elefanten Drogen nehmen.

Haft schon abgesessen

Die Staatsanwaltschaft lastete ihm mehrfache Aussetzung seiner Kinder, mehrfache Gewalt und Drohung gegen Beamte, Körperverletzung sowie diverse weitere Gesetzesverstösse an. Allerdings hielt ihm der Ankläger wegen des erheblichen Drogenkonsums mit einer beinahe tödlichen Dosis für die Tatzeit eine mittelschwer verminderte Schuldfähigkeit zugute. Was zu einem milden Antrag von 30 Monaten Freiheitsstrafe teilbedingt führte. 14 Monate davon sollte er verbüssen. Diese hat er allerdings bereits abgesessen.

Die Verteidigung ging bei den Hauptdelikten vom 5. Januar von einer völligen Schuldunfähigkeit aus. So habe sich der ohnehin psychisch angeschlagene Vater infolge einer Amphetamin-Vergiftung in einer seelischen Ausnahme-Situation befunden. Ein Polizeibeamter habe als Zeuge angegeben, dass der Täter etwas von Dämonen gefaselt und völlig verwirrt gewirkt habe, plädierte die Anwältin. Deswegen sei eine Freiheitsstrafe von acht Monaten angemessen.

Das Gericht kam am Donnerstag noch zu keinem Urteil. Der Entscheid soll am Freitag eröffnet werden. Allerdings ordnete es bereits die Haftentlassung und damit die Überweisung des Beschuldigten an das Migrationsamt an. Der Beschuldigte hatte versichert, dass er nach dem Urteil sogleich nach Spanien zurückkehren und dort künftig ein drogenfreies Leben führen wolle.

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