Gossau SG: Mann wegen Doppelmord vor Gericht
Aktualisiert

Gossau SGMann wegen Doppelmord vor Gericht

Der 55-jährige Mann, der 2005 in Gossau SG seine um 28 Jahre jüngere Ex-Freundin und deren Kollegin erschossen hatte, stand heute vor dem Kantonsgericht St. Gallen. Das Urteil im Berufungsprozess wird morgen veröffentlicht.

Das Kreisgericht Untertoggenburg-Gossau hatte den aus Serbien stammenden Schweizer im Sommer 2007 des mehrfachen Mordes schuldig gesprochen und zu einer Freiheitsstrafe von 18 Jahren verurteilt. Dem Antrag der Staatsanwaltschaft auf eine Verwahrung folgte das Kreisgericht nicht, stattdessen ordnete es eine Psychotherapie an.

Gegen dieses Urteil legte der Mann Berufung ein. Sein Verteidiger forderte vor dem Kantonsgericht eine Verurteilung wegen vorsätzlicher Tötung. Sein Mandant habe die beiden Frauen im Affekt erschossen. Eine Freiheitsstrafe von sieben Jahren sei angemessen.

Verteidiger: Gutachten ignoriert

Der Verteidiger stützte sich bei seiner Begründung auf mehrere medizinische und psychiatrische Gutachten, die dem Angeklagten eine psychische Störung attestierten. Der Mann war deswegen auch mehrere Male stationär in psychiatrischer Behandlung. Das Kreisgericht habe bei seiner Urteilsfindung all diese Gutachten ignoriert, sagte er.

Der Untersuchungsrichter, der die Staatsanwaltschaft vor dem Kantonsgericht vertrat, sagte, der Angeklagte habe die Tat «kaltblütig geplant», deswegen sei er wegen Mordes zu verurteilen. Der Mann habe schlicht nicht verkraftet, dass ihn seine um 28 Jahre jüngere Ex-Freundin wegen eines jüngeren Mannes verlassen hatte.

Revolver nachgeladen

Er habe aufgrund einer SMS ganz genau gewusst, dass die Frau bei ihm vorbeischauen würde, um ihm geschuldetes Geld zu bringen. Als sie dann am 12. Oktober 2005 zusammen mit einer Kollegin bei ihm aufkreuzte, habe er den Plan umgesetzt. Im Affekt hätte der Täter nicht den Revolver nachgeladen, so der Untersuchungsrichter.

Nach der Tat meldete sich der Mann bei der Polizei. Am Tatort fand die Polizei im Treppenhaus die Leiche der 20-jährigen Kollegin der Ex-Freundin. Sie war mit einem Schuss in den Oberkörper getötet worden. In der Küche lag die Leiche der 24-jährigen Ex-Freundin; sie war mit mehreren Schüssen aus der Nähe niedergestreckt worden.

Täter fühlte sich provoziert

Der Angeklagte sagte vor Gericht, er könne sich nicht mehr an alles erinnern. Er habe Angst gehabt, seine Ex-Freundin habe etwas mit der Mafia zu tun. Die beiden Frauen hätten ihn provoziert. An den genauen Tathergang könne er sich nicht mehr erinnern, sagte er.

Der Mann hatte die Tatwaffe, einen Revolver, und die Munition kurz vor dem 12. Oktober 2005 erworben - auf legalem Weg. Der psychisch Gestörte war im Besitz eines Waffenerwerbsscheins. (sda)

Deine Meinung