30.11.2018 04:48

Tatwaffe Range RoverMann wegen Streit um Whiskyglas überfahren?

Eine Frau, die bei einem Streit von einem jungen Mann übel beleidigt worden war, fuhr diesen später mit ihrem Range Rover an und verletzte ihn. Jetzt steht sie vor dem Basler Strafgericht.

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Eine heute 28-Jährige ist am 17. Oktober 2017 im Blumenrain mit einem SUV einem Mann zweimal über das linke Bein gefahren.

Eine heute 28-Jährige ist am 17. Oktober 2017 im Blumenrain mit einem SUV einem Mann zweimal über das linke Bein gefahren.

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Er soll sie zuvor vor dem Eingang zum Parkhaus Storchen aufs Übelste beleidigt haben.

Er soll sie zuvor vor dem Eingang zum Parkhaus Storchen aufs Übelste beleidigt haben.

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Die Frau muss sich seit Donnerstag wegen versuchter schwerer Körperverletzung vor dem Basler Strafgericht verantworten.

Die Frau muss sich seit Donnerstag wegen versuchter schwerer Körperverletzung vor dem Basler Strafgericht verantworten.

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In den frühen Morgenstunden des 15. Oktober 2017 fuhr eine heute 28-jährige türkische Staatsangehörige einem jungen Schweizer Mann im Blumenrain mit einem zwei Tonnen schweren Range Rover zweimal über das linke Bein. Er erlitt dabei eine Reihe von Verletzungen, darunter Riss- und Quetschwunden oberhalb und unterhalb der Kniescheibe sowie je einen knöchernen Bänderausriss am Sprunggelenk und an der Kleinzehe.

Seit Donnerstag muss sich die Frau wegen des Vorfalls vor dem Basler Strafgericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihr versuchte schwere Körperverletzung vor. Der Grund: Sie habe den SUV als Waffe eingesetzt und beträchtliche Verletzungen beim Opfer in Kauf genommen. «Dank Glück und Zufall passierte nicht mehr», so der Staatsanwalt.

Es begann mit Beleidigungen

Doch das Ganze hat eine Vorgeschichte. Die Beschuldigte und der Überfahrene waren sich knapp 40 Minuten vor der beklagten Tat am Eingang des Parkhauses Storchen begegnet. Dort habe die Frau in Begleitung ihrer Schwester den Mann aufgefordert, ein gestohlenes Glas zurück in einen Basler Club zu bringen. Doch dieser weigerte sich und beleidigte die Frau aufs Übelste. Laut Anklageschrift soll er die beiden Frauen als «Schlampen», «Nutten» und «Huren» bezeichnet sowie die Beschuldigte zum Oralsex aufgefordert haben.

Die Staatsanwaltschaft schliesst daraus, dass sich die Frau aus Wut über diese Beleidigungen zu dem gefährlichen Manöver hinreissen liess, welches zu den Verletzungen des Opfers führte. Die 28-Jährige bestreitet nicht, mit einem Rad aufs Trottoir aufgefahren zu sein, um den beiden Männern, die sie und ihre Schwester verbal attackiert hatten, «einen Schreck einzujagen». Sie beteuert jedoch, dass sie ihn nicht verletzten wollte.

Wie kam er unter die Räder?

Es blieb ungeklärt, wie der Mann eigentlich unter dem Auto landete. Er kann sich wegen Konsums von Alkohol (1,7 Promille) und Kokain in jener Nacht nur bruchstückhaft an die Vorkommnisse erinnern. Dennoch war er sich am Donnerstag sicher, das Auto sei direkt auf ihn zugefahren. So soll sie ihn zuerst angefahren haben.

Die Beschuldigte hingegen behauptet, das Opfer sei seitlich auf die Fahrerseite des Autos zugestürmt, habe sie zum Aussteigen aufgefordert und sei dabei gestürzt. Als sie ihn aus dem Blickfeld verlor, habe sie in Panik zurückgesetzt und sei dann weggefahren.

Für die Verteidigung ist klar, dass die Verletzungen nicht beim Auffahren aufs Trottoir entstanden sein können, weil das Opfer sich laut eigenen Aussagen in dessen Mitte befunden habe, das Auto aber nur seitlich mit dem linken Vorderrad aufgefahren war. Der Verteidiger plädierte, dass das Opfer in seiner Aggression erneut die Konfrontation gesucht habe.

War es ein leichtsinniger Unfall?

Verteidigung und Staatsanwaltschaft sind sich einig, dass die Frau keinerlei Verletzungsgedanken gegenüber dem Opfer hatte. Wegen Inkaufnahme gravierender Wunden fordert die Staatsanwaltschaft aber eine Verurteilung wegen versuchter schwerer Körperverletzung und eine bedingte Freiheitsstrafe von 18 Monaten. Die Verteidigung hingegen sieht lediglich den Tatbestand der fahrlässigen Körperverletzung erfüllt und verlangt eine «angemessene bedingte Geldstrafe».

Wegen der Härtefallregelung droht der in der Schweiz geborenen und aufgewachsenen Türkin trotz angeklagtem Katalogdelikt wohl kein Landesverweis. Die Urteilsverkündung wurde für Freitag, 11 Uhr angesetzt.

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