«Kann authentisch wiehern»: Mann will sich als Pferd versichern lassen

Aktualisiert

«Kann authentisch wiehern»Mann will sich als Pferd versichern lassen

Ein Mann hat bei der Pferdeversicherungs-Genossenschaft Wigoltingen TG einen Antrag für sich selbst eingereicht – wegen der stetig steigenden Krankenkassenprämien.

von
vro
Er wiehere authentisch und gleiche auch äusserlich einem Pferd, argumentierte der Antragsteller.

Er wiehere authentisch und gleiche auch äusserlich einem Pferd, argumentierte der Antragsteller.

Die Geschichte sorgte an der Jahresversammlung der Pferdeversicherungs-Genossenschaft Wigoltingen bei den 55 Teilnehmern für einiges Schmunzeln. Wie Geschäftsführerin Sandra Seiler nämlich erklärte, ging 2012 eine ganz spezielle Versicherungsanfrage ein. Sie stammte von Stallbewohner G. Chummer aus Steffisburg, wird Seiler in der «Thurgauer Zeitung» zitiert.

Im Brief bat er um Unterstützung. «Meine Versicherung ist leider schon wieder ein paar Fränkli gestiegen, und langsam aber sicher wird mir das zu blöd. Nun habe ich auf Ihrer Webseite gelesen, dass Sie Pferde aller Gattungen gegen Unfälle und Tod versichern. Aus diesem Grund möchte ich Sie jetzt fragen, ob es wohl möglich wäre, dass ich mich bei Ihnen versichern lasse», schrieb der Antragsteller.

«Optisch eine gewisse Ähnlichkeit»

Dazu lieferte er gleich mehrere Argumente, weshalb es rechtens sei, ihn zu versichern. «Mir ist schon klar, dass ich vermutlich streng zoologisch gesehen nicht zu einer Rössli-Gattung gehöre, aber ich kann ganz laut und authentisch wiehern, und auch rein optisch ist eine gewisse Ähnlichkeit mit Pferden nicht zu leugnen», so der Mann. «In Erwartung Ihrer fachkundigen Antwort. Es grüsst Sie zweimal laut wiehernd: Gottfried Chummer, Brucheggweg 18, Steffisburg.»

Seiler hielt das Ganze eher für ein Experiment, wie sie der Zeitung sagt: «Damals dachte ich an ein Schulprojekt.» Doch die Geschäftsführerin bewies Humor und schrieb zurück: «Grundsätzlich nehmen wir tatsächlich Pferde aller Gattungen in unserer Versicherung auf. Sie benötigen dazu ein Gesundheitszeugnis eines anerkannten Tierarztes», soe die Antwort an den Antragsteller. Um Täuschungen zu vermeiden riet sie, «auf allen Vieren beim Tierarzt anzutraben.»

Aller Aufwand für ein Buch

Daraufhin hörte sie nichts mehr von Gottfried Chummer – bis vor Kurzem. Wie sich herausstellte, handelt es sich um ein Pseudonym, hinter dem sich der Autor Günter Friedrich Struchen verbirgt. Eine Pferdeversicherung sei nicht sein oberstes Ziel gewesen, wie die «Thurgauer Zeitung» schreibt.

Struchen habe verschiedenste Leute kontaktiert und wolle die amüsantesten Briefwechsel in einem Buch veröffentlichen. Deshalb hat auch Seiler jetzt eine Anfrage für die Publikationsbewilligung bekommen. Die Geschäftsführerin freut sich: Jetzt habe die Pferdeversicherungs-Genossenschaft Wigoltingen die Hürde in die Literatur geschafft.

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