Strafgericht BS – «Wenn du anderen gehören willst, töte ich dich»

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Strafgericht BS«Wenn du anderen gehören willst, töte ich dich»

Mit roher Gewalt attackierte ein gewalttätiger Mann wiederholt seine Freundin und verletzte sie schwer. Mehrere Male dachte er, sie sei tot und entfernte sich dann vom Tatort. Jetzt steht er vor Gericht.

von
Jeanne Dutoit
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Am Montag wird am Strafgericht Basel-Stadt ein Prozess von schwerer häuslicher Gewalt verhandelt. 

Am Montag wird am Strafgericht Basel-Stadt ein Prozess von schwerer häuslicher Gewalt verhandelt. 

JSD Basel-Stadt
Eine Frau soll laut der Anklage über Monate hinweg Opfer von Gewaltattacken ihres Partners geworden sein (Symbolbild).

Eine Frau soll laut der Anklage über Monate hinweg Opfer von Gewaltattacken ihres Partners geworden sein (Symbolbild).

Getty Images/iStockphoto
Um ihr Leben zu retten, flüchtete sie während eines Angriffs auf den Balkon und liess sich auf den darunterliegenden Balkon fallen. 

Um ihr Leben zu retten, flüchtete sie während eines Angriffs auf den Balkon und liess sich auf den darunterliegenden Balkon fallen. 

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Darum gehts

  • In Basel muss sich am Montag ein Mann vor dem Strafgericht verantworten, der eine Frau über Monate hinweg brutal verprügelt und gewürgt haben soll. Viele der Attacken fanden innerhalb ihrer Beziehung statt.

  • Laut Anklage soll der Beschuldigte sie in einem Hotelzimmer gefilmt haben und sie einem «Verhör» unterzogen haben. Die Fragerei unterbrach er jeweils bei Antworten, die ihm nicht passten, um seine Gewalt-Exzesse an ihr auszuleben.

  • Mehrfach dachte er, sie sei tot und entfernte sich von ihrem leblosen Körper. 

Die Anklageschrift offenbart die brutalen Attacken, die die Frau über Monate hinweg ertragen musste. Mehrfach ging der Beschuldigte davon aus, dass seine Freundin nicht mehr lebte und liess den reglosen Körper der Frau zurück.

Die Basler Staatsanwaltschaft hat den Mann wegen einer Vielzahl an Delikten angeklagt: darunter mehrfache versuchte vorsätzliche Tötung, versuchte schwere Körperverletzung und mehrfache Gefährdung des Lebens. Am Montag beginnt der dreitägige Prozess gegen den Beschuldigten am Strafgericht Basel-Stadt.

Er schlug ihr Stehlampe an Kopf, bis diese zerbrach

Nachdem der heute 42-Jährige seiner Partnerin im Frühling 2021 mit einem Faustschlag die Nase gebrochen hatte, teilte sie ihm mit, dass sie ihn verlassen wolle. Daraufhin tickte er aus. «Wenn du nicht mit mir bist, dann gehörst du niemandem. Dann töte ich dich, wenn du anderen gehören willst», drohte er ihr, wie der Anklage zu entnehmen ist. Er würgte sein Opfer, bis es sich in Lebensgefahr befand, «was er wusste und wollte», so die Staatsanwaltschaft. Mit einer Stehlampe schlug er gegen ihren Kopf, dass der gläserne Lampenschirm zerbrach.

Hast du oder hat jemand, den du kennst, ein Trauma erlitten?

Hier findest du Hilfe:

Pro Mente Sana, Tel. 0848 800 858

Angehörige.ch, Beratung und Anlaufstellen

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Weil sie wusste, dass er sie am Verlassen durch die Wohnungstür hindern würde, flüchtete sie sich in Todesangst auf den Balkon im vierten Stock. «Dort rechnete sie sich die grösseren Chancen aus, der Situation lebend zu entkommen. Sie kletterte über die Brüstung und sprang schliesslich auf den drei Meter unter ihr liegenden Balkon», so die Staatsanwaltschaft.

Als er reglose Partnerin sah, soll er gelächelt haben

Eine Zeugin vom gegenüberliegenden Haus beobachtete, wie der Beschuldigte vom Balkon auf den unter ihm liegenden, regungslosen Körper der Frau blickte und lächelte. Dann verliess er die Wohnung.

Nach einem fünftägigen Spitalaufenthalt wurde die Frau in einem Schutzhaus untergebracht. Doch das Martyrium ging weiter.

In einer Videobotschaft drohte er ihr zwei Monate später: «Schlange, du lügnerische Ratte. Ihr werdet sterben.» Die Nachricht löste bei der Frau eine Panikattacke aus. Einen Tag später schluckte sie zu viele Tabletten und wurde schliesslich in eine psychiatrische Klinik gebracht.

In Hotelzimmer gefoltert

Nur einige Tage, nachdem sie aus der Psychiatrie entlassen wurde, soll er sie unter einem Vorwand in ein Hotelzimmer in Basel gelockt haben. Dort startete der Beschuldigte ein Verhör, das er auf Video aufzeichnete. Gab sie ihm eine Antwort, die er hören wollte, setzte er die Fragerei fort. Doch entsprach das Gesagte nicht seinem Sinne, so soll er die Aufnahmen gestoppt haben und «schlug erneut mit grosser Kraft mit seinen Fäusten gegen Kopf und Körper der Frau», so die Anklage.

Während Stunden quälte er so sein Opfer. Stunden, in denen er sie mehrfach würgte, kalt abduschte und mit allerlei Gegenständen auf sein Opfer eingeprügelt haben soll. Darunter auch mit einem porzellanen WC-Deckel, den er in seiner Wut aus der Halterung gerissen habe. Fluchtversuche misslangen der Frau. Immer wieder habe er sie gepackt und zurück aufs Bett geworfen.

Ihren Körper platzierte er vor einer Garageneinfahrt

Am Morgen darauf habe er die blutige Bettwäsche und die Handtücher im Hotelkeller versteckt. Seinem Opfer setzte er eine Sonnenbrille und eine Gesichtsmaske auf, um das von Schlägen entstellte Gesicht zu verbergen. In einem Haus in Muttenz BL, in dem eine Bekannte wohnte, wollte er die Frau verstecken. Im Keller angelangt, verlor sie das Bewusstsein. Der Beschuldigte dachte, dass sie tot sei. Er trug sie nach draussen und lud sie vor einer Garageneinfahrt ab. Dann ergriff er die Flucht.

Nachdem die schwer verletzte Frau aufgefunden wurde, suchte die Polizei Basel-Landschaft mit einer Medienmitteilung damals nach Zeuginnen und Zeugen.

Am 5. August 2021 erstellte die Frau Strafantrag gegen den Beschuldigten. Sie konstituiert sich am Strafverfahren und macht eine Zivilforderung geltend. Wie hoch diese ausfallen soll, ist noch nicht beziffert. Der Beschuldigte befindet sich seit dem Sommer 2021 in Haft. 

Bist du oder ist jemand, den du kennst, von sexualisierter, häuslicher, psychischer oder anderer Gewalt betroffen?

Hier findest du Hilfe:

Polizei nach Kanton

Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz

Lilli.ch, Onlineberatung für Jugendliche

Frauenhäuser in der Schweiz und Liechtenstein

Zwüschehalt, Schutzhäuser für Männer

LGBT+ Helpline, Tel. 0800 133 133

Alter ohne Gewalt, Tel. 0848 00 13 13

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Beratungsstellen für gewaltausübende Personen

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