Schreiben vom CEO: Manor drängt Lieferanten zu Zahlung von 10’000 Franken
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Schreiben vom CEOManor drängt Lieferanten zu Zahlung von 10’000 Franken

Die Corona-Krise kostete die Warenhauskette viel Geld. Darum bittet Manor nun seine Lieferanten zur Kasse. Die Betroffenen haben kein Verständnis dafür.

von
Barbara Scherer
Dominic Benz
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Manor bittet seine Lieferanten wegen der Corona-Krise zur Kasse.

Manor bittet seine Lieferanten wegen der Corona-Krise zur Kasse.

KEYSTONE
Mit diesem Schreiben fordert Manor die Lieferanten auf, 10’000 Franken zu zahlen.

Mit diesem Schreiben fordert Manor die Lieferanten auf, 10’000 Franken zu zahlen.

zVg
Das Schreiben kommt von Manor-CEO Jérôme Gilg und liegt 20 Minuten vor.

Das Schreiben kommt von Manor-CEO Jérôme Gilg und liegt 20 Minuten vor.

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Darum gehts

  • Manor hat Lieferanten in einem Schreiben zu finanzieller Unterstützung aufgefordert.
  • Denn die Corona-Krise hat hohe Kosten verursacht, daran sollen sich Lieferanten beteiligen.
  • 10’000 Franken verlangt die Warenhauskette.
  • Für einen betroffenen Lieferanten geht das gar nicht.

Um gestärkt aus der Corona-Krise zu kommen, will Manor seinen Onlineshop optimieren. Um dieses Potenzial voll ausschöpfen zu können, bittet die Warenhauskette ihre Lieferanten in einem Schreiben um finanzielle Unterstützung: «Wie bereits erwähnt, erwarten wir, dass Sie als Partner einen kleinen Beitrag von 10’000 Franken leisten», heisst es weiter. Das Schreiben kommt von Manor-CEO Jérôme Gilg und liegt 20 Minuten vor.

Das Vorgehen von Manor geht für einen langjährigen Lieferanten im Modebereich gar nicht: «Das hört sich nach einer Drohung an und bringt das Fass zum Überlaufen», sagt eine Sprecherin zu 20 Minuten. Als kleiner Lieferant könne sich das Unternehmen diese Summe nicht leisten: «Wir verdienen etwa so viel durch die Zusammenarbeit mit Manor. Das wäre ein Nullsummenspiel.»

Manor setzt Druck auf

Der Lieferant empfindet den Wortlaut des Schreibens von Manor als drohend. So heisst es etwa weiter: «Wir werden Ihre Bereitschaft, als echter Partner Ihren Beitrag zu leisten, genau beobachten.»

Die Warenhauskette soll seine Lieferanten bereits im Vorfeld schon öfter unter Druck gesetzt haben: «Manor hat uns bereits im Vorfeld aufgefordert, wegen der Corona-Krise unsere Ware gratis zurückzunehmen», sagt die Sprecherin des Lieferanten.

Nachdem sich der Lieferant geweigert hatte, verkündete Manor, keine Neuwaren anzunehmen. «Wir ziehen es nun in Betracht, nicht mehr mit Manor zu arbeiten.» Der Lieferant geht davon aus, dass Manor ihn auslistet, wenn er sich weigert, die Zahlung zu tätigen.

Wer Manor unterstützt, wird bevorzugt

Manor bestätigt gegenüber 20 Minuten, dass das Schreiben von der Warenhauskette verschickt wurde. Es handle sich dabei um die Zusammenfassung der kürzlich durchgeführten virtuellen Lieferantenkonferenz. «Die Bitte um eine Beteiligung erging an die Non-Food-Lieferanten, mit denen wir teilweise langjährige Partnerschaften unterhalten», erklärt Fabian Hildbrand, Sprecher bei Manor.

Die meisten Partner hätten sich bereit erklärt, sich finanziell an den hohen Ausgaben für die Sicherheitsmassnahmen sowie für die nicht verkaufbare Ware zu beteiligen. «Wir zählen hier auf die Bereitschaft zu solidarischer Unterstützung», sagt Hildbrand.

Gezwungen werde niemand, es gebe auch keine Sanktionen durch Manor. Man werde aber in Zukunft sicher diejenigen bevorzugen, die Manor in dieser Krise unterstützt haben.

«Das ist unverschämt»

Für Detailhandelsexperte Ralph Beyeler von Moneyland ist klar: «Das Vorgehen von Manor ist unverschämt.» Es sei nachvollziehbar, dass man das Schreiben als Drohung empfinde. «Zwischen den Zeilen heisst es: Wer nicht zahlt, kann nicht mehr liefern.» Doch offenbar sind solche Aufforderungen in der Branche keine Seltenheit. Auch unabhängig von der Corona-Krise versuchten laut Beyeler viele Händler, von ihren Lieferanten mehr Geld etwa über höhere Gebühren zu verlangen. «Händler finden immer einen Grund, um die Lieferanten zur Kasse zu bitten.»

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