Juan Martín del Potro: Marathon-Mann statt Sportinvalide

Aktualisiert

Juan Martín del PotroMarathon-Mann statt Sportinvalide

Basel ist bereits sein viertes Turnier im Oktober: Juan Martín del Potro mobilisiert seine letzten Reserven und steht im Halbfinal.

von
Kai Müller
Basel
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Noch ist sein Tank nicht leer: Juan Martín del Potro steht an den Swiss Indoors im Halbfinal.

Noch ist sein Tank nicht leer: Juan Martín del Potro steht an den Swiss Indoors im Halbfinal.

Keystone/Georgios Kefalas
Im Viertelfinal schlug der Argentinier den Spanier Roberto Bautista Agut 6:2, 2:6, 6:4.

Im Viertelfinal schlug der Argentinier den Spanier Roberto Bautista Agut 6:2, 2:6, 6:4.

Keystone/Alexandra wey
Basel ist bereits das vierte Turnier im Okotober für den 29-Jährigen.

Basel ist bereits das vierte Turnier im Okotober für den 29-Jährigen.

Keystone/Georgios Kefalas

Er schleppt sich von Match zu Match. Sein Körper stösst an seine Grenzen, doch er streikt nicht. «Ich bin wirklich müde, aber ich spiele gutes Tennis und gewinne», sagt Juan Martín del Potro. Das gute Tennis hat gereicht, um an den Swiss Indoors auch Roberto Bautista Agut (ATP 21) zu bezwingen. 6:2, 2:6, 6:4 hiess es nach gut zwei Stunden. «Ich lebe immer noch», sagt der Turniersieger von 2012 und 2013 danach, ehe er die Körperstellen aufzählt, die er spürt: Rücken, Hüfte, Knie, Handgelenk.

Der Argentinier ist momentan das, was er lange nicht sein konnte: ein Vielspieler. Basel ist bereits das vierte Turnier in diesem Monat nach Peking, Shanghai und Stockholm, wo er vergangene Woche den Titel holte. Ein solches Pensum hat der US-Open-Sieger von 2009 gemäss eigener Aussage seit drei, vier Jahren nicht mehr absolviert. «Ich habe zuletzt zwar zu viele Partien bestritten, aber ich gehe keine Risiken ein. Die Gesundheit geht vor», sagt del Potro, der im Halbfinal am Samstagnachmittag auf Titelverteidiger Marin Cilic (ATP 4) trifft.

Saisonziele erreicht

Nach vier Operationen an beiden Handgelenken – einmal rechts, dreimal links – schien lange undenkbar, dass der 29-Jährige überhaupt je wieder schmerzfrei würde spielen können. Er musste gar froh sein, nicht zum Sportinvaliden geworden zu sein. Doch die ständigen Rückschläge machten ihm schwer zu schaffen. Zwischenzeitlich hatten sich Rücktrittsgedanken in seinem Kopf eingenistet, das Loch, in das er gefallen war, war tief und dunkel. Doch seine Nächsten hielten del Potro davon ab, endgültig mit dem Tennis abzuschliessen, stattdessen kämpfte er sich ein weiteres Mal zurück.

Als er im Februar 2016 in Delray Beach, Florida nach elfmonatiger Pause sein Comeback auf der Tour gab, war er die Nummer 1042 der Welt. Inzwischen steht del Potro auf Position 19, womit er seine beiden grössten Saisonziele erreicht hat: gesund zu bleiben und in die Top 20 zurückzukehren.

Reichts noch für London?

Dank der vielen Verletzungen anderer Spitzenspieler bietet sich ihm gar noch die Chance, sich für die ATP-Finals (12. bis 19. November) zu qualifizieren. Im Race to London belegt er momentan Rang 14. Wer am Ende die letzten beiden Plätze ergattert, wird sich kommende Woche in Paris-Bercy entscheiden. Ob del Potro in der französischen Hauptstadt tatsächlich an den Start gehen wird, muss sich weisen. Er hätte dringend eine Pause nötig.

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