Aktualisiert 23.01.2008 20:11

Marathonläufer mit Giftpfeil getötet

In Kenia haben sich Polizisten und jugendliche Demonstranten erneut gewaltsame Auseinandersetzungen geliefert. Dies wenige Stunden vor Friedensgesprächen unter dem früheren UNO-Generalsekretär Kofi Annan.

Die Gewalttätigkeiten in einem Slum von Nairobi begleiteten eine Trauerfeier für 28 Opfer von Ausschreitungen nach der umstrittenen Wiederwahl von Präsident Mwai Kibaki. Oppositionsführer Raila Odinga, der sich von Kibaki um seinen Wahlsieg betrogen fühlt, hielt an der Trauerfeier eine Rede.

Er sprach von «einem Krieg zwischen dem kenianischen Volk und einer kleinen Clique sehr blutrünstiger Leute, die sich um jeden Preis an die Macht klammern». Die Polizei hatte für die Gedenkfeier das Versammlungsverbot aufgehoben. Die Kundgebung mit mehreren hundert Teilnehmern verlief zunächst friedlich.

Dann blockierte ein gutes Dutzend Jugendlicher eine Hauptstrasse, warf Steine auf Autos und verprügelte deren Insassen, wenn sie nicht zu ihrem Luo-Stamm gehörten. Daraufhin griff die Polizei ein.

Als die Auseinandersetzung eskalierte, verliessen Odinga und andere führende Mitglieder seines orangen Oppositionsbündnisses (ODM) die Trauerfeier. Nach Polizeiangaben wurden mehrere Menschen bei den Zusammenstössen verletzt.

Strassensperre und Tränengas

Nach der Trauerfeier errichtete eine aufgebrachte Menge eine Strassensperre, woraufhin die Einsatzkräfte erneut Tränengas einsetzten und Schüsse in die Luft abfeuerten. Die Demonstranten legten Brände und beschädigten mehr als 20 Autos durch Steinwürfe, hiess es weiter.

Bereits in der Nacht auf Mittwoch waren in Westkenia erneut sechs Menschen ums Leben gekommen, in Nairobi wurden zwei Menschen getötet. Am Montag wurde laut Polizeiangaben der erfolgreiche Marathon-Läufer Wesley Ngetich im Alter von 34 Jahren durch einen vergifteten Pfeil getötet.

Unterbruch der Demonstrationen

Der frühere UNO-Generalsekretärs Annan ist bemüht, Regierung und Opposition zu Verhandlungen über einen Ausweg aus der Krise zu bewegen. Auf Wunsch Annans sagte die Opposition eine für Donnerstag geplante Protestkundgebungen gegen Präsident Kibaki ab. Dies bedeute allerdings nicht, dass keine neuen Massenveranstaltungen stattfinden könnten, sagte ein ODM-Sprecher.

Die Weltbank und die Afrikanische Entwicklungsbank kündigten ein Aussetzen ihrer Unterstützung für Kenia an, wenn die Krise anhalte. In einer gemeinsamen Erklärung betonten die beiden Institutionen, sie würden die Entwicklungen im Land genau beobachten und gegebenenfalls «notwendige Anpassungen» vornehmen.

Seit der umstrittenen Wiederwahl von Kibaki am 27. Dezember kamen bei Unruhen bislang mindestens 780 Menschen ums Leben, etwa eine Viertel Million Menschen ergriffen die Flucht. (sda)

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