Marc Forster: Filmstart aus Angst vor Taliban-Rache verschoben
Aktualisiert

Marc Forster: Filmstart aus Angst vor Taliban-Rache verschoben

Das Wiedererstarken der Taliban-Krieger in Afghanistan fordert erste Opfer - in Hollywood.

Die Bestsellerverfilmung «Kite Runner» des Schweizer Regisseurs Marc Forster kommt aus Sorge um die Sicherheit der aus Afghanistan stammenden kindlichen Hauptdarsteller mit sechs Wochen Verspätung in die amerikanischen Kinos.

Die Filmfirma Paramount Vantage will bis dahin versuchen, die drei etwa zwölf Jahre alten Jungen und ihre Familien aus dem Land zu bringen, berichtete die «New York Times» am Donnerstag. Es gebe Befürchtungen, dass sie wegen ihrer Rolle in einer Vergewaltigungsszene in Afghanistan in Gefahr sein könnten.

«Wir sind übervorsichtig, aber das ist in Ordnung so», sagte Paramount-Rechtsanwältin Karen Magid. «Wir befinden uns auf unklarem Gebiet.» Eltern und Verwandte hatten die Filmfirma beschuldigt, sie nicht vorab über die Gewaltszene informiert und die Jungen unnötig in Gefahr gebracht zu haben.

Forster (»Stranger than Fiction») wies die Vorwürfe zurück. Als man die Kinder vor einem Jahr verpflichtet habe, sei die Lage in Afghanistan noch stabil gewesen: «Man hatte das Gefühl, dass es dort sicher ist. Es gab eine demokratische Entwicklung und Stabilität und einen Neuanfang.»

Bittere Geschichte

«Kite Runner» (»Der Drachenläufer»), der auf einem Roman des aus Afghanistan stammenden US-Schriftstellers Khaled Hosseini aus dem Jahr 2003 basiert, schildert drei Jahrzehnte bittere afghanische Geschichte - vom Einmarsch der Sowjetunion bis zur Herrschaft der Taliban.

Im Mittelpunkt steht die Freundschaft zwischen zwei Jungen, die aus zwei sehr unterschiedlichen gesellschaftlichen und ethnischen Gruppen stammen. Der Film kommt jetzt erst am 14. Dezember in die Kinos. Bis dahin ist das Schuljahr in Kabul zu Ende.

Angebot der Filmfirma

Die Filmfirma wolle die Hauptdarsteller dann mit ihren Betreuern oder Eltern in die Arabischen Emirate bringen und sich dort um Visa, Wohnungen, Schulen und Arbeitsplätze kümmern, hiess es in dem Bericht.

Das Unternehmen sei bereit, die Lebenshaltungskosten für die Jungen zu zahlen, bis sie erwachsen sind. Allerdings müssen die Eltern noch zustimmen.

(sda)

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