Aktualisiert 31.10.2011 22:52

Unbezahlte ÜberstundenMarcel Koller der Vielreiser

Österreichs neuer Nationaltrainer Marcel Koller tritt zwar erst morgen offiziell sein Amt an. Doch der Zürcher ist schon seit Wochen im Nachbarland am Wirbeln.

von
Andy Huber
Marcel Koller fühlt sich in Wien wohl: Österreichs neuer Nationaltrainer posiert im Stadtpark. (Keystone)

Marcel Koller fühlt sich in Wien wohl: Österreichs neuer Nationaltrainer posiert im Stadtpark. (Keystone)

Andere Vertreter seiner Spezies hätten die Badelatschen ein­gepackt und sich irgendwo an den Strand gelegt. Nicht so der Ex-GC-Trainer, der sich seit seiner Präsentation am 4. Oktober akribisch auf seinen neuen Job vorbereitet. Kaum ein Tag, an dem der neue Teamchef nicht irgendwelche Partien sieht, kaum ein Tag, an dem er kein persönliches Gespräch mit Trainern oder Aktiven führt. Und dies obwohl er eigentlich erst ab heute auf der Lohnliste beim ÖFB steht, also quasi unbezahlte Überstunden macht.

Am letzten Mittwoch beispielweise reiste Koller nach Deutschland, um sich mit seinen Bremen-Söldnern Marko Arnautovic, Sebastian Prödl und Trainer Thomas Schaaf zu treffen. «Es waren konstruktive Gespräche. Ich spüre grosse Bereitschaft und Unterstützung der bisher besuchten ­Vereine», betont Koller, der in Wien inzwischen eine Wohnung bezogen und dem Burgtheater auch schon einen Besuch abgestattet hat.

Ein wenig mehr Support als bei seiner Präsentation vor knapp einem Monat («Marcel Koller – wer zum Teufel ist das?», titelte der Boulevard) darf Koller dank seiner emsigen Schaffensweise nun auch in Österreich geniessen. Und wer ihn in unserem Nachbarland immer noch nicht kennt, kann auf www.marcelkoller.ch oder auf seiner Facebook-Seite fast jeden seiner Schritte verfolgen. Diese offensive Medien-Strategie hat ein klares Ziel: Die Fans sollen wissen, wer er wirklich ist. Dies gefällt nicht all seinen Kollegen. So spottete Ried-Trainer Paul Gludovatz zuletzt: «Bei uns stehen die Spieler im Mittelpunkt und nicht ein Facebook-Trainer.» Damit muss Koller leben. Zumindest bis zu seiner Feuertaufe als Teamchef der Österreicher am 15. November in der Ukraine.

Koller hat auf Facebook übrigens schon über 7000 Freunde gefunden – die Gludovatz-Seite kommt auf knapp 300 Personen.

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