Zuger Polizei: Marcel Schlatter – ein Polizeisprecher mit Humor
Aktualisiert

Zuger PolizeiMarcel Schlatter – ein Polizeisprecher mit Humor

Mitteilungen der Polizei sind meist nüchtern und klar verfasst. Wenn in der Zeitung dennoch witzige Polizeimeldungen zu lesen sind, kommen sie oft aus Zug.

von
Daniela Gigor
Marcel Schlatter, Sprecher der Zuger Strafverfolgungsbehörden.

Marcel Schlatter, Sprecher der Zuger Strafverfolgungsbehörden.

Kürzlich meldete die Zuger Polizei, dass eine schwarze Ziege eingefangen wurde, «die sich in Baar durch die Nacht meckerte».

Weil sich die schwarze Zwerg-Geiss nicht ausweisen konnte, sei sie auf den Hauptposten in Zug gebracht worden. «Auf das Anlegen von Handschellen konnte glücklicherweise verzichtet werden, die Dame zeigte sich äusserst kooperativ. Eine Leine erfüllte ihren Zweck vollends», teilte Marcel Schlatter, Mediensprecher der Zuger Strafverfolgungsbehörden, mit.

Ausgesetzte Bratwurst

Geht es bei der Zuger Polizei um eher kuriose Ereignisse, hat Schlatter auch in der Vergangenheit schon öfter Humor bewiesen. Etwa im Juli 2012: Da vermeldete Schlatter, in Hünenberg sei eine zwei Meter grosse «braun gebrannte» Bratwurst aus Kunststoff gestohlen worden. «Die nicht zum Verzehr geeignete Wurst diente als Werbeobjekt und stand auf dem Vorplatz einer Metzgerei an der Chamerstrasse.»

Ein paar Tage später wurde die Wurst in einem Waldstück bei Cham gefunden und Schlatter formulierte mit spitzer Feder: «Die unbekannte Täterschaft muss das Kunststoffteil in den vergangenen Tagen im Wald ausgesetzt haben. Ein Grillplatz befand sich jedenfalls nicht in der Nähe des Fundorts.»

Ein Schaf auf Reisen

Im Oktober 2012 war zu lesen, dass «ein Schaf am Wochenende Reissaus genommen und auf die Autobahn eingespurt» sei. Nach einem nicht ganz einfachen Polizeieinsatz konnte das Tier in Sicherheit gebracht werden. «Wie sich zeigte, war das Tier in Rotkreuz ausgebüxt und dort via Autobahneinfahrt auf die Nationalstrasse in Richtung Süden gelaufen. Ob es wegen der prognostizierten Regentage Reissaus nehmen und in wärmere Gefilde verreisen wollte, ist nicht überliefert», schrieb Schlatter.

Pöschtler zwischen Polizei und Medien

«Wir verfassen viele Meldungen über ernste und traurige Themen, da denke ich, dass auch die Polizei zwischendurch einmal Humor haben darf», sagt Schlatter. Alle drei geschilderten Fällen sind gut ausgegangen. Für solche Meldungen müsse es auch einen Platz geben. Schlatter: «Es braucht auch Meldungen mit Happy-Ends, weil es genügend Leid im Alltag gibt.»

Das Verfassen von Polizeimeldungen benötigt laut Schlatter viel Fingerspitzengefühl: «Hinter jeder Meldung, die wir veröffentlichen, steht auch ein Schicksal und Betroffene des Geschehens.» Er sei der «Pöschtler» zwischen der Polizei und den Medien.

Schlatter kam im Dezember 2006 als knapp 24-Jähriger zur Zuger Polizei: Gestartet ist er mit einem Dreimonatsvertrag, weil die damalige Sprecherin Mutterschaftsurlaub hatte. Schlatter: «Dann hatte sie entschieden, dass sie nicht mehr zur Polizei zurückkehrt und das war mein Glück.» Seinen beruflichen Werdegang begann er mit einer kaufmännischen Ausbildung. Danach studierte Schlatter in Winterthur Journalismus und Kommunikation. Seine Freizeit teilt Schlatter am liebsten mit seiner einjährigen Dalmatiner-Hündin.

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