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Marco W.: Panik vor Türkei-Reise

Der monatelang in der Türkei inhaftierte Schüler Marco W. fliegt nicht zum nächsten Verhandlungstermin gegen ihn nach Antalya.

Der 18-Jährige aus dem niedersächsischen Uelzen werde nicht persönlich an der Verhandlung wegen Verdachts des sexuellen Missbrauchs am kommenden Dienstag teilnehmen, sagte sein Anwalt Michael Nagel am Donnerstag in Hannover.

Marco W. sei seit Januar in psychologischer Behandlung. Eine Prozessteilnahme sei «aus ärztlicher Sicht nicht angeraten», sagte Nagel. Die Belastung einer Reise in die Türkei sei für den 18-jährigen Niedersachsen derzeit «unzumutbar», betonte der Anwalt. Das werde mit einem ärztlichen Attest belegt werden. Ausserdem habe das Gericht Marcos Erscheinen nicht angeordnet. Seine Anwesenheit in der Türkei sei daher «nicht zwingend erforderlich».

Dem Gericht in Antalya liege nämlich ein angefordertes psychologisches Gutachten über Charlotte noch nicht vor, erklärte Nagel. Deshalb werde der Beginn der Hauptverhandlung wahrscheinlich vertagt werden. «Wenn das Gutachten vorläge, hätte es sein können, dass wir uns anders entscheiden», betonte Nagel hinsichtlich Marcos Erscheinen vor Gericht. Marco werde sich «selbstverständlich weiter dem Verfahren stellen», sagte der Anwalt.

Der Schüler soll in der Türkei im vergangenen Jahr die damals 13-jährige Britin Charlotte in einem Hotelzimmer im türkischen Badeort Side sexuell missbraucht haben. Er war danach acht Monate in Untersuchungshaft. Marco war im Dezember nach langem juristischen Ringen freigelassen worden und nach Deutschland zurückgekehrt; der Prozess soll am 1. April fortgesetzt werden. Der junge Mann hatte die Vorwürfe immer zurückgewiesen. Nach der Rückkehr in seine Heimatstadt Uelzen hatte er ein Praktikum in einem Elektronikmarkt begonnen. (dapd)

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