Marco W.: «Sie wollte das auch»
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Marco W.: «Sie wollte das auch»

Der 17-jährige Marco W. gab zum ersten Mal zu, dass es zum sexuellen Kontakt mit dem 13-jährigen Mädchen gekommen sei. Doch der ging gründlich in die Hose.

Seit fast elf Wochen sitzt der 17-Jährige Marco W. in einem türkischen Knast – beschuldigt, eine 13-jährige Britin missbraucht zu haben. Jetzt hat sich der Deutsche zum ersten Mal in einem Gespräch mit der türkischen Tageszeitung «Hürriyet» zu den Vorwürfen geäussert.

Er habe das Mädchen umarmt, sie habe ihm die Unterhose ausgezogen: «Sie hat mich geküsst, angefasst, da bin ich zu früh gekommen», sagte Marco W. Die Vagina des Mädchens habe er nicht berührt. Allerdings meint er: «Wenn ich nicht gekommen wäre, hätte ich mit ihr geschlafen. Sie wollte das auch.»

Die 13-Jährige habe Marco W. gesagt, sie sei 15 Jahre alt: «Als ich später erfuhr, dass sie 13 ist, habe ich einen Schock bekommen», erklärte der Junge.

Türken sehen den Fall anders

Die türkischen Ermittler beurteilten die Vorgänge ganz anders: Nach ausgiebigem Alkoholkonsum sei Marco W. zudringlich geworden, das britische Mädchen habe dann um Hilfe gerufen. Die Mutter habe die Polizei gerufen, die Marco W. sofort festnahm. Auch die Anklageschrift lautet auf «sexueller Missbrauch von Kindern in einem schweren Fall und eine Gewalttat». Die Anklage berufe sich auf die Aussage des Mädchens und Gutachter, berichtet der Fernsehsender N24.

Marco W. drohen acht Jahre Haft

Der 17-Jährige könnte mit bis zu acht Jahren Haft bestraft werden. Der türkische Anwalt für Ausländerangelegenheiten in Antalya, Bilal Kalayci hat nach eigenen Angaben Marco W. im Gefängnis besucht und beschreibt dessen Gesundheitszustand als «ganz gut». Unangenehm sei aber, dass Marco W. seine Zelle mit vielen erwachsenen Häftlingen teilen müsse.

Für den Jungen sei es wichtig, dass das Mädchen in der am 6. Juli angesetzten Verhandlung persönlich aussagt. Ansonsten müsste die 13- Jährige über ein Rechtshilfeabkommen in England vernommen werden. «Das dauert nach meinen Kenntnissen sechs Monate. Wenn das Mädchen mit seinen Eltern hierher kommt und seine Aussage macht, dann wird das Verfahren kürzer sein», betont Kalayci.

Britische Eltern sollten Anzeige zurückziehen

Faruk Sen, Leiter des Zentrums für Türkeistudien in Essen, sieht nur eine Möglichkeit, Marco W. aus dem Gefängnis in der Türkei zu holen: «Das deutsche und das englische Generalkonsulat sollten auf die Eltern des 13-jährigen Mädchens einwirken, damit sie die Anzeige zurückziehen», sagt Sen gegenüber «rp online».

Da die Mutter des britischen Mädchens Anzeige erstattet habe, nachdem der 17-jährige Deutsche und ihre Tochter intimen Kontakt hatten, könne die türkische Justiz nicht anders handeln. «Da kann auch (der deutsche Aussenminister) Herr Steinmeier nichts erwirken.» Die Rechtslage in der Türkei sei, wie sie sei.

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