Invasive Tierart - Marderhunde können Wirte für Sars-CoV-2 sein und das Virus übertragen
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Invasive TierartMarderhunde können Wirte für Sars-CoV-2 sein und das Virus übertragen

In unseren Breitengraden sind Marderhunde aus verschiedenen Gründen nicht gern gesehen. Forschende liefern nun einen weiteren: Sie können dem Menschen gefährlich werden.

von
Fee Anabelle Riebeling
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Wie ist das Coronavirus Sars-CoV-2 zu den Menschen gekommen? Diese Frage ist immer noch nicht abschliessend geklärt.

Wie ist das Coronavirus Sars-CoV-2 zu den Menschen gekommen? Diese Frage ist immer noch nicht abschliessend geklärt.

Wikimedia Commons/NIH Image Gallery/PD
Experten der WHO erachten es als am wahrscheinlichsten, dass Sars-CoV-2 von einem Tier auf den Menschen übertragen wurde. Sie gehen davon aus, dass es sich um Fledermäuse handelte. 

Experten der WHO erachten es als am wahrscheinlichsten, dass Sars-CoV-2 von einem Tier auf den Menschen übertragen wurde. Sie gehen davon aus, dass es sich um Fledermäuse handelte.

REUTERS
Dass das Virus aus einem Labor entwichen sein könnte, finden die Forscher «extrem unwahrscheinlich».

Dass das Virus aus einem Labor entwichen sein könnte, finden die Forscher «extrem unwahrscheinlich».

Waltraud Grubitzsch/dpa-Zentralbild/dpa

Darum gehts

  • Wissenschaftliche Experimente zeigten bereits, dass Marderhunde für das Coronavirus Sars-CoV-2 empfänglich sind.

  • Nun zeigen Forschende aus Frankfurt, dass sie tatsächlich ideale Wirte für das Virus sind und es übertragen können.

  • Auch in der Schweiz wurde die ursprünglich aus Asien stammende Tierart bereits nachgewiesen.

Marderhunde sehen putzig aus, sind es aber nicht wirklich: Die ursprünglich aus Asien stammenden Tiere gelten in Europa als invasive Art und kommen damit hier heimischen Tieren in die Quere: als Futterkonkurrenten aber auch als Fressfeinde. Zudem übertragen die Pelztiere «zahlreiche Krankheiten, die für Menschen sowie ihre Haus- und Nutztiere gefährlich sind», etwa «Tollwut, Staupe und den Fuchsbandwurm», so Sven Klimpel.

Gemeinsam mit anderen Forscherinnen und Forschern hat der Professor für Parasitologie und Infektionsbiologie an der Goethe-Universität Frankfurt die Liste der Krankheiten, die Marderhunde übertragen können, verlängert. Sie haben Beweise dafür gefunden, dass sie das Coronavirus Sars-CoV-2 übertragen können. Davon berichtet das Team im Fachjournal «Frontiers in Genetics».

Eindeutige Hinweise

Klimpel und seine Kolleginnen und Kollegen haben in der Studie das gesamte Genom der Tierart sequenziert. Das untersuchte Erbgut stammte aus Blut- und Gewebeproben der Tiere.

Ergebnis: «Im Genom des Marderhundes haben wir die Gene für zwei Membranproteine gefunden, an die Sars-CoV-2 andocken kann», erklärt Molekularökologo Markus Pfenninger vom Loewe-Zentrum für Translationale Biodiversitätsgenomik am Senckenberg Biodiversität und Klimaforschungszentrum in Frankfurt. Diese bildeten die genetische Grundlage dafür, «dass sich Marderhunde mit dem Coronavirus infizieren und es übertragen können.» Eines dieser Marderhund-Membranproteine bindet demnach mit grösserer Affinität an das Spike-Protein des Coronavirus als es bei verwandten Arten wie Füchsen oder Wölfen oder auch Fledermäusen und asiatischen Schuppentiere der Fall ist.

Marderhunde

Marderhunde (Nyctereutes procyonoides) gehören zur Familie der Hunde und sind eng mit den Füchsen verwandt. Äusserlich ähneln die Allesfresser den Waschbären, mit denen sie aber nicht näher verwandt sind. Eingeführt als Jagd- und Pelztiere haben sich Marderhunde im 20. Jahrhundert europaweit verbreitet. In der Schweiz erfolgte der erste Nachweis im September 1997 bei Leuggern im Kanton Aargau. Seither wurden insgesamt zehn Nachweise von Marderhunden in der Schweiz gemeldet, unter anderen in den Kantonen Aargau, Graubünden, Jura und Uri. Dabei handelte es sich meistens um junge Männchen, die aus Deutschland oder Österreich eingewandert sind. Hinweise darauf, dass sich die Tiere in der Schweiz vermehren, gibt es bislang nicht.

Bislang standen vor allem Fledermäuse und Schuppentiere als potenzielle direkte Überträger von Sars-CoV-2 auf den Menschen im Fokus. «Von welchem tierischen Wirt das Coronavirus letztendlich auf den Menschen übertragen wurde, ist immer noch ungeklärt», so Klimpel. «Unsere Studie zeigt jedoch, dass der Marderhund als geeigneter Reservoirwirt für das Coronavirus fungieren kann.» Wissenschaftliche Experimenten hatten bereits gezeigt, dass neben Frettchen und Weisswedelhirschen auch Marderhunde für das Virus empfänglich sind.

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