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Die gute NachrichtMarianita darf abtreiben – und leben!

Schwanger vom eigenen Vater und schwerkrank - nur eine Abtreibung kann das Leben von Marianita retten. Doch im erzkatholischen Nicaragua ist das leichter gesagt als getan. Jetzt hatten die Behörden endlich Erbarmen mit der 12-Jährigen.

Um die Debatte zu beenden, die das dramatische Schicksal von Marianita nicht nur in Nicaragua ausgelöst hat, wurde nun ein Schwangerschaftsabbruch bewilligt. Der Eingriff wurde am Donnerstag im Spital Bertha Calderón durchgeführt: Das Kind wurde per Kaiserschnitt zur Welt gebracht – es überlebte jedoch nicht. Marianita sei schlecht ernährt gewesen, und der emotionale Stress, dem sie ausgesetzt war, habe sich negativ auf das Baby übertragen, verlautete aus anonymen Quellen. Marianitas Zustand hingegen sei stabil.

Die Tageszeitung «El Nuevo Diario» berichtet, die Operation sei in den frühen Morgenstunden durchgeführt worden, damit die Medien nichts davon erfahren. «Das Personal wurde gewarnt, keine Informationen über den Fall zu verbreiten. Man drohte jeden zu entlassen, der darüber spricht», berichtet die vertrauliche Quelle.

Frauenorganisationen atmen auf

Obwohl der Schwangerschaftsabbruch von offizieller Seite noch nicht bestätigt wurde, tun diverse Frauenorganisationen ihre Erleichterung kund: «Das ist das Beste, was die Ärzte tun konnten. Denn Marianita hat gelitten, und ihr Leben war in Gefahr», sagte Fátima Millón vom «Frauennetzwerk gegen Gewalt».

Die Leidensgeschichte der 12-jährigen Marianita liest sich wie ein Horror-Roman. Nach jahrelangen sexuellen Übergriffen durch ihren Vater wurde das Mädchen vor sechs Monaten schwanger (20 Minuten Online berichtete). Als ihr Schicksal öffentlich wurde, beging ihr Vater Selbstmord. Ihre Mutter gab ihr die Schuld am Familiendrama und setzte sie aus. Ja, die Mutter weigerte sich sogar, ihre Tochter ins Spital zu bringen, nachdem das Mädcher schwer an einer Lungenentzündung erkrankt war.

Behörden zeigten Einsicht

Endlich in der Hauptstadt Managua angekommen, war die Diagnose schnell erstellt: Wenn Marianitas Schwangerschaft nicht unterbrochen wird, überlebt sie nicht. Doch Abtreibungen sind im erzkatholischen Nicaragua illegal und dürfen nur mit einer speziellen Empfehlung der Behörden durchgeführt werden. Diese zögerten eine Entscheidung jedoch immer wieder heraus und lösten damit eine grosse Debatte in der nicaraguanischen Gesellschaft aus. Diese Diskussionen dürften trotz des glücklichen Ausgangs für die 12-jährige Marianita nicht beendet sein...

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