Milde Strafen: Marihuana-Grossisten kommen um Knast herum
Aktualisiert

Milde StrafenMarihuana-Grossisten kommen um Knast herum

Zwei Baselbieter, die über Jahre Hanfplantagen betrieben und Cannabis für zwei Millionen Franken vertickten, kommen mit bedingten Freiheitsstrafen davon.

von
Lukas Hausendorf

Die Ermittlungen gegen Marco S.* und seinen Geschäftspartner David G.* dauerten Jahre und produzierten einen mehrere Tausend Seiten umfassenden Aktenberg. Im Zeitraum zwischen 2003 und 2007 haben die beiden ein kleines Cannabis-Imperium aufgebaut. Sie betrieben ein gutes Dutzend Indoor-Plantagen oder waren an ihnen beteiligt. Mit den Ernten erzielten sie einen Umsatz von zwei Millionen Franken. So hoch ist auf jeden Fall der Betrag, den das Baselbieter Strafgericht als erwiesen betrachtet. Es dürfte aber wesentlich mehr gewesen sein, was aufgrund der unsauberen Buchführung der Marihuana-Grossisten nicht nachzuweisen war.

Nicht nachgewiesen werden konnte den beiden auch der Import von hochpotentem Cannabis aus Holland im Wert von weit über einer Million Euro. Auch in anderen Anklagepunkten konnten die beiden Freisprüche erwirken. Die am Freitag gesprochenen Urteile des Baselbieter Strafgerichts blieben daher weit unter den Anträgen der Staatsanwaltschaft, die mehrjährige unbedingte Haftstrafen gefordert hatte.

Marco S. (38), der quasi der Kopf des Gespanns war, wurde zu einer teilbedingten Haftstrafe von drei Jahren verurteilt. Die neun Monate, die er absitzen müsste, hat er aber schon in der Untersuchungshaft verbüsst. Sein Partner David G. (34) müsste 18 Monate hinter Gitter. Diese hatte er ebenfalls schon in der Untersuchungshaft verbüsst. Als freier Mann konnte er das Gericht am Freitag aber nicht verlassen. Er sitzt zurzeit noch in Untersuchungshaft wegen eines anderen Verfahrens, in dem es ebenfalls um Cannabis-Handel geht.

Kiffer-Karriere endete im Ruin

Obwohl die zwei zur Blütezeit ihrer Geschäfte die vermutlich grössten Player im regionalen Cannabismarkt waren, wurden sie davon nicht reich. Von Geschäftsführung hatten sie wenig Ahnung und mit einem Deal wurde gleich der nächste finanziert. Nachdem alles aufgeflogen war, blieb ein Schuldenberg. S., der sich im Engadin eine neue Existenz aufgebaut hat, wird noch einige Zeit brauchen, bis er die ausstehenden Steuerforderungen, AHV-Beiträge und Darlehen abgestottert hat.

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