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WM-Serie 1978Mario Kempes, der Vollstrecker

Mario Kempes erzielte im WM-Final 1978 zwei Tore. In Buenos Aires bezwang er mit Argentinien Holland 3:1 nach Verlängerung.

von
Peter Berger

Am 25. Juni 1978 war Mario Kempes plötzlich ein Mann mit vielen Titeln: Weltmeister, Torschützenkönig, «bester Spieler des Turniers», «fairster Spieler des Turniers», «Spieler mit dem meisten Sex-Appeal» und 1978 auch noch Südamerikas Fussballer des Jahres. Kempes hatte beim 3:1-Finalsieg über Holland zwei Tore erzielt und das dritte vorbereitet und Argentinien den ersten WM-Titel beschert.

Der Mann mit seinem langen wehenden Haar war der Frauenschwarm, aber vor allem war er als «El Matador» bekannt. Der Vollstrecker bewies seine Torjäger-Qualitäten an der WM 1978 aber erst nach Startschwierigkeiten. Als er nach der Vorrunde noch ohne Treffer zu Buche stand, forderte ihn Trainer Cesar Menotti auf, Schnauz und Bart zu rasieren. In der Folge präsentierte sich Kempes nicht nur mit anderem Gesicht, sondern auch treffsicher. Drei Doppelpack liess er bis zum Titel der Albiceleste folgen. «Der WM-Titel war genau das, was das schwer geprüfte argentinische Volk nötig hatte. Er brachte Freude in sein Leben», sagte Kempes später über den Triumph und die damals herrschende Militärjunta im Land.

«Bin einer unter vielen»

Die WM 1978 im eigenen Land war der Höhepunkt in Kempes' Laufbahn. Er veranlasste sogar Diego Armando Maradona zu sagen, Kempes sei derjenige gewesen, «der dem argentinischen Fussball zur Weltgeltung verholfen habe. Mario ist sowohl als Mensch als auch als Fussballer eine Ausnahmeerscheinung.» Kempes konnte mit zu viel Lob nie etwas anfangen. «Mein Land hat immer wieder das grosse Glück gehabt, hervorragende Fussballer hervorzubringen. Ich bin nur einer unter vielen», sah er seine Rolle seinem Naturell entsprechend bescheiden.

Seine Karriere war indes tatsächlich von vielen Toren geprägt. Bei Rosario Central hatte er in zwei Saisons 100 Tore erzielt. Danach wechselte er 1976 nach Valencia und wurde auf Anhieb auch in Spanien Torschützenkönig. Der Wechsel nach Europa war nicht gern gesehen. Rosario erteilte ihm die Freigabe erst, nachdem die 40'000 Vereinsmitglieder per Abstimmung ihren Segen für die damalige argentinische Rekordsumme von umgerechnet 550'000 Euro gegeben hatten. Im anderen Fall habe Kempes mit dem sofortigen Karrierenende gedroht. In Europa gewann er mit Valencia diverse Titel (spanischer Pokalsieger, Europapokalsieger der Pokalsieger, Gewinner des Europäischen Supercups). 1981 kehrte er kurz in die Heimat zurück, um seine Chancen für die WM 1982 zu erhöhen. Nach der verkorksten WM 1982 (seiner dritten nach 1974 und 1978) trat er aus dem Nationalteam zurück. Bis 1984 spielte er danach wieder für Valencia. In Österreich liess er während sechs Jahren bei verschiedenen Klubs seine aktive Laufbahn langsam ausklingen. Als Spielertrainer bei Pelita Hyatt in Indonesien beendete er 1996 mit 42 Jahren seine Karriere definitiv.

TV-Kommentator

Seine Trainerlaufbahn verlief weniger erfolgreich. 1999 gewann Kempes mit dem bolivianischen Club The Strongest seinen ersten Meistertitel als Trainer. Nach verschiedenen (kurzen) Stationen (2006 auch als Nationalcoach von Panama) war dann Schluss. Auch privat hatte Kempes nicht nur Glück. Sein Geld verschwand in Anlagegeschäften und bei der Scheidung von seiner spanischen Ehefrau.

Kempes arbeitete danach und bis heute erfolgreich beim Sportsender ESPN und ist dort als Kommentator äusserst populär. Für die WM 2014 sieht er Brasilien als Favoriten. «Als Finalgegner sehe ich Argentinien, Italien oder Deutschland», so der heute 59-Jährige.

WM-Serie

Am 12. Juni beginnt mit dem Eröffnungsspiel in São Paulo die Fussball-WM in Brasilien. In einer Serie wirft 20 Minuten einen Blick auf vergangene Weltmeisterschaften, auf Stars und Helden, auf Geschichten und Anekdoten von damals.

Argentinien 1978

25. Juni 1978: Argentinien – Holland 3:1 n.V. (1:1, 1:0)

Stadion: Estadio Monumental, Buenos Aires

Zuschauer: 77’260

Schiedsrichter: Gonella (Italien)

Tore: 38. Kempes 1:0. 81. Nanninga 1:1. 105. Kempes 2:1. 115. Bertoni 3:1.

Argentinien: Fillol; Olguin, Luis Galvan, Passarella, Tarantini; Ardiles (66. Larrosa), Gallego, Kempes; Bertoni, Luque, Ortiz (75. Houseman). (Trainer: Menotti)

Holland:. Jongbloed; Jansen (72. Suurbier), Krol, Brandts, Poortvliet; W. Van de Kerkhof, Haan, Neeskens; R. Van de Kerkhof, Rep (59. Nanninga), Rensenbrink. (Trainer: Happel)

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