Rücktritt vom Rücktritt: Mario Schmitt sorgt für Knatsch innerhalb der SVP
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Rücktritt vom RücktrittMario Schmitt sorgt für Knatsch innerhalb der SVP

Nach einem umstrittenen Facebook-Post hatte der Wiler SVP-Mann Mario Schmitt seinen Rücktritt erklärt – zur Freude der Kantonalpartei. Nun ist der Rücktritt vom Tisch.

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taw
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Der umstrittene Wiler SVP-Mann sorgte ...

Der umstrittene Wiler SVP-Mann sorgte ...

Timo Züst/Wiler Nachrichten
... Anfang September mit einem Facebook-Post für Schlagzeilen.

... Anfang September mit einem Facebook-Post für Schlagzeilen.

Screenshot Facebook

Die Meldung vom Rücktritt Mario Schmitts aus dem Stadtparlament kam letzten Freitag ziemlich überraschend. Schmitt hatte parteiintern informiert, er habe vor, nächste Woche aus dem Parlament zurückzutreten. Durch eine Indiskretion fand die Meldung den Weg an die Öffentlichkeit.

Am Dienstag nun die Kehrtwende: Schmitt tritt doch nicht zurück. In einer Medienmitteilung nimmt der 41-Jährige dazu Stellung: Ihm sei bewusst geworden, dass er sich als bestgewähltes SVP-Mitglied seiner Partei und seinen Wählern gegenüber eine Verpflichtung eingegangen sei, «der ich mich nicht einziehen darf», wie er mitteilte.

«Das interessiert mich nicht»

Seit der Rücktritts-Meldung sind bei Schmitt zahlreiche Reaktionen eingegangen. «Viele haben mich gebeten, ich solle doch im Amt bleiben», sagt Schmitt. Hinzu komme die Unterstützung der Ortspartei. «Die Wiler SVP ist immer hinter mir gestanden. Die Fraktion hat mich am Montag einstimmig als Fraktionspräsident bestätigt», so Schmitt.

Der Vorstand der SVP Wil hat sich zwar öffentlich vom islamfeindlichen Kommentar, den Schmitt auf Facebook postete, distanziert, ein Rücktritt war aber nie Thema. Bereits vor einer Woche hatte ihm der Präsident der SVP Wil, Klaus Rüdiger, öffentlich Rückendeckung gegeben, wie die «Wiler Nachrichten» schreiben. «Der Rücktritt von Mario Schmitt war für uns nie ein Thema», so Rüdiger. An der Kompetenz Schmitts habe man nie gezweifelt.

Ganz anders sieht die Sache bei der kantonalen SVP aus. Herbert Huser, Präsident der St. Galler SVP erklärt in einem Interview mit «TVO» sein Unverständnis über den zurückgenommenen Rücktritt. «Ich bin davon ausgegangen, dass er seinen Rücktritt auch wirklich wahr macht», sagt Huser. Huser hätte einen Rücktritt begrüsst, immerhin hätten Schmitts Äusserungen für einen Imageschaden der SVP gesorgt.

Für Schmitt sind diese Aussagen bedenklich: «Herbert Huser kennt mich gar nicht und weiss auch nicht, was hier in Wil abgeht.» Es sei schade, dass man nicht vorher das Gespräch mit der Ortspartei gesucht hat. Aber eigentlich interessiere ihn ohnehin nicht, was die SVP St. Gallen über ihn denkt.

Alles begann mit einem Facebook-Post

In die Schlagzeilen geriet Schmitt Anfang September diesen Jahres. Der Politiker verlinkte auf seiner Facebook-Seite eine «Blick»-Meldung über die Enthauptung eines US-Journalisten durch die Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Sein Kommentar dazu: «mir kommt gleich das Kotzen... wann wird diese Religion endlich ausgerottet?!?».

Die Wiler SP-Fraktion stuft den Eintrag als rassistisch und religionsfeindlich ein und reichte eine Resolution ein. Die St.Galler Cabi-Anlaufstelle gegen Rassismus erstattete Strafanzeige gegen Schmitt. Noch ist unklar, ob die Staatsanwaltschaft eine Untersuchung einleiten wird.

Schmitt gelobt Besserung

Auch wenn Schmitt inzwischen zugibt, seine Wortwahl sei wohl etwas scharf ausgefallen, steht er nach wie vor zu seiner Aussage. Zudem sei sein Post nicht rassistisch gewesen, er übe nur Kritik an einer Religion und Religion sei keine Rasse.

In Zukunft will sich Schmitt was Themen, die nicht die Stadt Wil betreffen, etwas zurückhalten. «Ich bleibe, was die Politik angeht, wohl für viele ein Enfant terrible, aber ich werde nicht mehr unbedingt meine Meinung zum Weltgeschehen auf Facebook posten», so Schmitt. Dass er von der ganzen Sache ein Imageschaden davongetragen hat, glaubt er nicht und es habe auch keinen Einfluss auf seine politische Arbeit.

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