Aktualisiert 06.10.2007 05:39

Marion Jones gesteht unter Tränen

Marion Jones (31) hat ein Dopinggeständnis abgelegt. Die frühere Sprinterin sagte, sie sei in zwei Dopingfälle verwickelt gewesen. Das wird die Amerikanerin vermutlich ihre fünf Olympiadmedaillen kosten. Droht ihr auch Gefängnis?

Bei ihrem Gang zum Gericht wurde Marion Jones von ihrer Mutter und einem Rechtsanwalt begleitet. Der frühere Sprintstar musste sich vor der Anhörung Fingerabdrücke nehmen lassen.

Schon am Freitagmorgen hatte die Zeitung «Washington Post» in einem Artikel auf einen Brief der 31-jährigen Sprinterin an ihre Familie und enge Freunde verwiesen. Jones hat demnach ab 1999 während zwei Jahren das unter den Namen «THG» und «The Clear» bekannte Steroid genommen, das sie von ihrem damaligen Trainer Trevor Graham erhielt. Er habe ihr erklärt, es handle sich um ein Nahrungsergänzungsmittel, sagte Jones. Der Brief war der Zeitung von einer Bekannten von Marion Jones zugespielt worden. Sie sei traurig, die Leute auf diese Weise enttäuscht zu haben, hielt Jones im Schreiben fest.

Sie hätte jedoch misstrauisch werden müssen, als Graham ihr empfohlen habe, den Gebrauch des Nahrungsergänzungsmittels geheim zu halten, fuhr Jones fort. Ausserdem habe sie nach der Einnahme des Präparats eine leistungssteigernde Wirkung gespürt. Weder Jones noch Graham wollten auf Anfrage der «Washington Post» einen Kommentar dazu abgeben.

In der Vergangenheit hatte Jones selbst unter Eid immer bestritten, Steroide oder andere leistungssteigernde Mittel genommen zu haben. Im Jahr 2004 war sie auch in Zusammenhang mit dem Dopingskandal um Victor Conte und dessen BALCO-Labor in San Francisco, das unter anderem mit THG handelte, gebracht worden.

Jones drohen drei Monate Gefängnis und die Aberkennung ihrer fünf Olympiamedaillen. Sie hatte in Sydney über 100 und 200 m sowie mit der 4x400-m-Staffel Gold, im Weitsprung und mit der 4x100-m-Staffel jeweils Bronze gewonnen. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) teilte am Freitag mit, bei einem Geständnis von Jones sei schon bis Ende dieses Jahres damit zu rechnen, dass der Leichtathletin die Medaillen von Sydney aberkannt würden.

Ironischerweise könnte ausgerechnet die Griechin Ekaterina Thanou, seit den Spielen 2004 in Athen selbst mit Dopinggerüchten konfrontiert, nachträglich zur 100-m-Goldmedaillengewinnerin von Sydney erklärt werden. (si)

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