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Transfer überreifMark Streit ist kein Verlierer, aber ...

Mark Streit (35) steht mit seinen New York Islanders wieder einmal vor einer fast unlösbaren Aufgabe. Die Playoff-Hoffnungen schwinden bereits in der Startphase der Saison.

von
Klaus Zaugg
New York

Fünfmal hintereinander haben die Islanders die Playoffs verpasst. Mark Streit sagt gegenüber 20 Minuten Online, die Mannschaft sei jetzt talentierter und besser. «Aber es gelingt uns nicht, das Talent umzusetzen. Wir verlieren Spiele, die wir aufgrund der Torchancen gewinnen müssten.» Die letzte Niederlage, die dritte in Serie, ein 1:4 im Madison Square Garden gegen die Rangers, ist besonders bitter. Auch für Mark Streit. Bereits nach 89 Sekunden fällt das 0:1 und Streit ist mitschuldig. Nach 15 Minuten bedeutet das 0:2 (wieder steht Streit auf dem Eis) bereits die Entscheidung. Dabei dominierten die Islanders mit 28:24 Torschüssen.

Inzwischen hat Mark Streit mit -5 die schwächste Plus/Minus-Bilanz seines Teams. Durch die Niederlage gegen die Rangers sind die Islanders nach zehn Partien aus den Playoffrängen gefallen.

Negativspirale droht

Der Schweizer ahnt, dass die Weichen für die ganze Saison bereits jetzt gestellt werden. «Wir müssen unbedingt verhindern, dass wir in eine Negativspirale geraten. Die nächsten Partien sind deshalb sehr wichtig für uns.» Am Samstag kommt Buffalo, am Montag Carolina und am Donnerstag steht bereits das nächste Gastspiel im Madison Square Garden gegen die Rangers auf dem Programm. Wenn es nicht gelingt, die Niederlagenserie zu beenden, wenn eine vierte, fünfte oder gar sechste Pleite folgen sollten – dann ist die Saison bereits gelaufen. Dann haben sich die Spieler, die Trainer und die ganze Organisation schon wieder ans Verlieren gewöhnt. Die Islanders spielen in einer Division mit den Rangers, New Jersey, Pittsburgh und Philadelphia. Mark Streit sagt: «Wir spielen in der stärksten Division. Das soll keine Ausrede sein. Aber es ist, wie es ist.»

John Tavares führt die teaminterne Skorerliste mit fünf Toren und sieben Assists nach zehn Partien an. Er erzielte den Ehrentreffer gegen die Rangers. Aber auch er steht im Minus (-3). Mark Streit war beim 1:4 im Madison Square Garden weit von seiner Bestform entfernt. Zweikampfintensität war in der NHL noch nie seine Sache. Er ist kein «Defenseman». Er ist ein «Offenseman», der mit seinen Rushes Spiele entscheidet, der seinen Stürmern Assists macht und das Powerplay orchestriert. Mit fünf Punkten (3 Tore/2 Assists) nach zehn Spielen liegt er zwar einigermassen auf Kurs und dürfte zum fünften Mal hintereinander eine NHL-Saison mit mehr als einem halben Punkt pro Spiel beenden.

Streit braucht Skorerpunkte

Mark Streits defensive Schwäche ist nicht das Problem. Er hat seinen 4,10 Millionen-Vertrag bei den Islanders nicht bekommen, weil er Tore verhindern kann. Sondern weil er die Offensive befeuert. Aber er ist zurzeit nicht der charismatische, dominierende Spielmacher an der blauen Linie, der das Eis «besitzt», alle Aufmerksamkeit auf sich zieht, das Spiel kontrolliert und steuert. Er ist einfach ein ganz gewöhnlicher, defensiv unzuverlässiger Verteidiger ohne Ausstrahlung. Er muss diesen Eindruck korrigieren. Denn Mark Streits Marktwert hängt in der NHL fast ausschliesslich von seiner Offensivproduktion ab. Mit einer guten Plus/Minus-Bilanz kann er nichts gewinnen. Als Captain trägt er Verantwortung für die Mannschaft. Aber wenn er in der NHL weiterhin eine wichtige Rolle spielen will, muss er vor allem an sich, an seine Skorerpunkte denken.

Mark Streit ist der Leitwolf einer Mannschaft, die kurz davor steht, schon wieder ein Verliererteam zu werden. Er spürt diese Verantwortung, er wehrt sich gegen den offensichtlich drohenden Negativtrend. Denn Mark Streit ist noch kein Verlierer. Aber wenn es so weiter geht, wird er einer.

Zeit für den Transfer ist überreif

Die Islanders bieten dem ehemaligen SCB-Junior in der aktuellen Verfassung kaum mehr eine Perspektive. Hier droht er seine Spielfreude, sein Charisma zu verlieren. Die Zeit ist überreif für einen Transfer. Sein Vertrag läuft Ende Saison aus, längst haben die Spekulationen begonnen, wohin er wechseln könnte (20 Minuten Online berichtete). Auf einen Wechsel vor Vertragsablauf (also vor Saisonende) hat er keinen Einfluss. Das ist alleine Sache von General Manager Garth Snow, ob er mit seinem Captain noch vor Transferschluss ein Tauschgeschäft machen will oder nicht. Ende Saison verliert er Streit so oder so ohne Gegenwert.

Als Powerplay-Stratege und «Offenseman» könnte Mark Streit in einem Spitzenteam einen zweiten Frühling erleben und, je nach Konstelation, das letzte noch fehlende Stück zu einem Stanley-Cup-Sieger-Puzzle werden. So trist die Gegenwart im Schneegestöber von Long Island in diesen Tagen sein mag – ein Happy End der Saison bei einem anderen Team ist durchaus denkbar.

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