29.06.2020 07:40

Werbestopp

Mark Zuckerberg verliert wegen Firmen-Boykott 7 Milliarden Dollar

Aus Protest gegen den Umgang von Facebook mit Hasskommentaren und abwertenden Inhalten in seinen Diensten haben sich Dutzende Unternehmen einem Aufruf zum Werbeboykott angeschlossen. Mark Zuckerberg blutet finanziell.

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Mit dem Aufruf von #StopHateForProfit zum Werbeboykott soll Facebook an einer empfindlichen Stelle getroffen werden – das Unternehmen macht fast seinen ganzen Umsatz mit Werbeerlösen.

Mit dem Aufruf von #StopHateForProfit zum Werbeboykott soll Facebook an einer empfindlichen Stelle getroffen werden – das Unternehmen macht fast seinen ganzen Umsatz mit Werbeerlösen.

Reuters
Firmen wie Honda, Hershey oder Ben and Jerry’s haben sich der Initiative angeschlossen.

Firmen wie Honda, Hershey oder Ben and Jerry’s haben sich der Initiative angeschlossen.

Reuters
Die Aktien von Facebook und auch Twitter gerieten am Freitag mit dem sich ausweitenden Boykott stark unter Druck. Facebook verlor gut 8 Prozent, was der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge einem Wertverlust von 56 Milliarden Dollar entsprach.

Die Aktien von Facebook und auch Twitter gerieten am Freitag mit dem sich ausweitenden Boykott stark unter Druck. Facebook verlor gut 8 Prozent, was der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge einem Wertverlust von 56 Milliarden Dollar entsprach.

Keystone

Darum gehts

  • Gut 90 Firmen haben sich der Initiative #StopHateForProfit angeschlossen.
  • Sie wollen ihre Werbung auf Facebook in den USA erst einmal stoppen.
  • Facebook-Chef Zuckerberg will künftig stärker gegen Hassnachrichten und Falschmeldungen vorgehen, doch nicht alle glauben ihm.

Die von Bürgerrechtsorganisationen Mitte Juni ins Leben gerufene Initiative #StopHateForProfit führte auf ihrer Webseite am Sonntag in einer Liste gut 90 Unternehmen, die ihre Werbung auf Facebook in den USA erst einmal stoppen.

Einige wollen diese Massnahme auch auf die Facebook-Tochter Instagram sowie auf Twitter ausweiten. Facebook will nun stärker gegen Hassnachrichten und Falschmeldungen vorgehen, wie sein Chef Mark Zuckerberg betonte.

Unilever, Honda und ein bisschen Coca Cola

Als grosse Namen kamen seit Freitag unter anderem der Konsumgüterriese Unilever und der Autobauer Honda dazu. Der Getränkeriese Coca Cola kündigte ebenfalls an, für mindestens 30 Tage auf allen sozialen Plattformen weltweit seine Werbung auszusetzen. Er schliesse sich aber nicht dem Boykott an, betonten Sprecher in diversen US-Medien.

«Es gibt keinen Platz für Rassismus in der Welt und keinen in den Sozialen Medien», sagte Konzernchef James Quincey in einer Mitteilung. Während der Werbepause will Coca Cola nun seine Werbestrategien überprüfen und festlegen, ob Änderungen nötig sind. «Wir erwarten auch mehr Verantwortlichkeit und mehr Transparenz von unseren Social-Media-Partnern», betonte er.

Hershey, einer der weltweit führenden Schokoladenproduzenten, bestätigte der Zeitung «USA Today» am Freitag, sich dem Boykottaufruf anzuschliessen und im Juli keine Anzeigen zu schalten. Zudem wolle das Unternehmen seine Ausgaben für Facebook und die Tochter Instagram für den Rest des Jahres um ein Drittel kürzen.

Zuckerberg verliert privat 7 Milliarden

Die US-Protestwelle gegen Rassismus und Polizeigewalt im Zuge des Todes des Afroamerikaners George Floyd hatte die Kritik an Facebook wieder aufflammen lassen, zu nachlässig mit kontroversen Beiträgen umzugehen. Dazu trug auch Konzernchef Zuckerberg wesentlich bei, der sich weigerte, gegen umstrittene Aussagen von US-Präsident Donald Trump einzuschreiten. Dafür gab es sogar Kritik von eigenen Mitarbeitern. Mit dem Aufruf von #StopHateForProfit zum Werbeboykott soll der Konzern an einer empfindlichen Stelle getroffen werden – Facebook macht fast seinen ganzen Umsatz mit Werbeerlösen.

Allein bei Coca Cola habe der Werbeetat in den USA 2019 geschätzte 22 Millionen Dollar ausgemacht, berichtete die «New York Times» mit Verweis auf Daten des Branchenanalysten Pathmatics. Bei Unilever seien es rund 42 Millionen Dollar gewesen.

Die Aktien von Facebook und auch Twitter gerieten am Freitag mit dem sich ausweitenden Boykott stark unter Druck. Facebook verlor gut 8 Prozent, was der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge einem Wertverlust von 56 Milliarden Dollar entsprach. Zuckerberg habe damit 7 Milliarden Dollar seines Privatvermögens eingebüsst.

Jetzt sind Hinweise angekündigt

Wohl unter dem wachsenden Druck kündigte Zuckerberg am Freitag in einem Livestream an, künftig stärker gegen Hassnachrichten vorzugehen, Falschmeldungen unmittelbar vor der US-Präsidentenwahl zu löschen sowie die Standards für Werbung zu erhöhen. «Ich stehe gegen Hass und alles, was zu Gewalt anstachelt», sagte Zuckerberg am Firmensitz in Palo Alto, in dem er die geplanten Massnahmen seines Unternehmens ankündigte.

Ausserdem sollen auch in der Werbung abwertende und hasserfüllte Botschaften bezüglich ethnischer Zugehörigkeit, Religion oder sexueller Vorlieben blockiert werden, wie Zuckerberg weiter sagte. Zudem sollen einige Facebook-Inhalte, die eigentlich gegen die Richtlinien des sozialen Netzwerks verstossen, aber zum Beispiel aufgrund eines prominenten Absenders nachrichtenrelevant sind, künftig mit Hinweisen flankiert werden.

Zweifel an den Beteuerungen

Doch einige Unternehmen äusserten Medienberichten zufolge anschliessend Zweifel daran. «Wir glauben nicht, dass Facebook gewalttätige und spalterische Reden auf seinen Plattformen effizient verwalten wird», schrieb Hershey in einer von der US-Zeitung «USA Today» zitierten Erklärung. «Trotz wiederholter Zusicherungen von Facebook, Massnahmen zu ergreifen, haben wir keine bedeutsamen Veränderungen gesehen.»

Honda teilte mit, im Juli keine Anzeigen mehr bei Facebook und Instagram zu platzieren, um ein Zeichen gegen «Hass und Rassismus» zu setzen. Unilever will sogar das gesamte restliche Jahr auf bezahlte Werbung verzichten – nicht nur bei Facebook, sondern auch bei Twitter. Der Kurznachrichtendienst, auf dem Trump mit Vorliebe seine häufig umstrittenen Botschaften veröffentlicht, steht ebenfalls schon länger in der Kritik. Der niederländisch-britische Konzern will sein US-Werbebudget nicht kürzen, sondern auf andere Unternehmen umverteilen.

Zuvor hatten sich bereits etliche andere Unternehmen, darunter der US-Mobilfunk-Gigant Verizon und die bekannten Outdoor-Marken The North Face und Patagonia der Initiative #StopHateForProfit angeschlossen. Unilever – dessen Eiscreme-Marke Ben & Jerry's ebenfalls schon mit dabei war – geht nun aber noch einen Schritt weiter – denn eigentlich ging es bei der Aktion zunächst nur um einen Werbe-Boykott im Juli.

(SDA)

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60 Kommentare
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SuSu

30.06.2020, 16:51

Hat er eigentlich ein "Toupet" oder weshalb sieht sein Haaransatz immer so komisch aus?

Reynolds

30.06.2020, 16:19

Im Profil kommt seine Nase in voller Grösse & Pracht zum Ausdruck.

Pete G.

29.06.2020, 11:39

Bitte versteht doch endlich einmal, dass ein Wertverlust bei Aktien nur ein BUCHWERT ist! Zuckerberg hat keinen einzigen Cent verloren, wenn er seine Aktien nicht gerade im dümmten Moment verkauft hat - denn NUR bei einem Verkauf wird der Verlust effektiv materialisiert!