Aktualisiert 23.09.2011 10:08

Die Facebook-KonferenzMark Zuckerbergs grosse Show

Der Facebook-Chef lässt die Katze aus dem Sack. Oder vielleicht ein ganzes Katzen-Rudel. Derweil ärgert sich nicht nur seine Schwester über die jüngsten Neuerungen.

von
Daniel Schurter

Noch sind die Auswirkungen für die Schweizer Facebook-Nutzer nicht abzuschätzen. Doch es ist klar: Das weltgrösste soziale Online-Netzwerk wird heute Abend einige Neuerungen präsentieren, die früher oder später über den grossen Teich schwappen.

Die Entwicklerkonferenz «f8» geht in San Francisco über die Bühne.

Legales Musik-Sharing?

Das Motto der Konferenz lautet «Read. Watch. Listen». Wie die grossen Tech-Portale in den USA berichten, will sich das soziale Netzwerk neuerfinden und zur lukrativen Multimedia-Plattform weiterentwickeln. Berichten zufolge erhält der «Like»-Button Gesellschaft. «Gefällt mir» war nur der Anfang, nun sollen «Read» (Gelesen), «Listened» (Gehört), «Watched» (Gesehen) und «Want» (Will ich) hinzukommen.

Viele Buttons - ein Ziel. Die Facebook-Nutzer sollen ihren Medienkonsum in ihrem Netzwerk ausbreiten und die Online-Freunde zum Konsumieren animieren. Facebooks Schritt erscheint logisch angesichts der eindrücklichen Nutzerzahl von bald einer Milliarde: Das soziale Netzwerk hat genug Mitglieder, nun will man mehr Geld mit ihnen verdienen. Die Schnittstelle zum Portemonnaie der Nutzer bildet die virtuelle Facebook-Währung «Facebook Credits». Mit diesen Facebook-Dollars soll mehr Umsatz gemacht werden.

Das einfache «Teilen» von Musik, Filmen und TV-Serien werde den Druck auf Facebooks Konkurrenz massiv erhöhen, fasst die «New York Times» die Vorab-Spekulationen zusammen. Die Profil-Seite der Nutzer werde zum Unterhaltungs-Hub ausgebaut.

Und die Schweiz?

Facebook sei in den letzten Wochen mit verschiedenen Medien- und Technologie-Unternehmen einig geworden, heisst es. Noch sind die «Deals» geheim, doch ein Blick auf die Gästeliste der f8 gibt Aufschluss. So sind mehrere Online-Musikdienste vertreten; bekanntere Namen wie Spotify und Rhapsody, und kleinere Anbieter wie Rdio. Sie alle hoffen dank Kooperation mit Facebook auf starkes Wachstum. Das soziale Netzwerk profitiert ebenfalls von den populären Inhalten, indem es die Nutzer stärker an sich bindet und für Online-Werbung interessanter wird.

Können Facebook-Nutzer die Musikinhalte in Zukunft gratis als Stream erhalten oder eine kostenpflichtige Monatsflatrate buchen? Das wird sich heute Abend zeigen. Dumm nur, dass keiner der besagten Online-Musikdienste bislang offiziell in der Schweiz verfügbar ist.

Das Gleiche gilt für das Abspielen von kommerziellen Filmen bei Facebook. So werden kostenpflichtige Video-Streaming-Dienste wie Hulu und Netflix tief(er) in die Facebook-Seiten integriert. Doch sind diese in den USA populären Angebote auch nur dort verfügbar.

Facebook-App fürs iPad?

Laut US-Bloggern wird Zuckerberg zudem die seit langem erwartete Facebook-App für das iPad präsentieren. Ob hingegen auch das «Project Spartan» vorgestellt wird, ist offen. Unter diesem Codenamen hat Facebook in den letzten Monaten eine eigene Plattform für Apps entwickelt. Facebooks eigener App-Store, der auf HTML 5 basieren soll, wäre eine mehr als deutliche Kampfansage an die Adresse von Apple. Die Facebook-Nutzer könnten dann auf einer eigenen mobilen Plattform Programme suchen und kaufen.

Heftige Reaktionen

Facebook ist im Umbruch, das zeigen schon die in den letzten Tagen eingeführten Neuerungen. Wie üblich ohne grosse Ankündigung, hat das soziale Netzwerk einige einschneidende Änderungen vorgenommen. Diese betreffen unter anderem die Freundes-Listen, die Status-Meldungen und eine neue Abonnieren-Funktion, mit der man man analog zu Twitter (auch) fremden Facebook-Nutzern folgen kann.

Auf besonders viel Kritik stossen die Änderungen am «Newsfeed» - also der persönlichen Nachrichtenzentrale der Nutzer. Neu werde jede kleinste Regung der Facebook-Freunde angezeigt, schimpfen Leute. Auch bei Twitter wimmelt es von Reklamationen und bösen Kommentaren (zu finden mit dem Hashtag #NewFacebook).

Die Änderungen betreffen (vorläufig) nur die US-Version von Facebook. Wer über die Kontoeinstellungen die Sprache von Deutsch auf English (US) verändert, kann die neuen Funktionen aber auch hierzulande bereits ausprobieren.

Arielle kritisiert

Nun hat sich auch die jüngere Schwester des Facebook-Chefs zu Wort gemeldet, wie «The Next Web» berichtet. Arielle Zuckerberg beschreibt in ihrem Blog, was sie an den jüngsten Facebook-Neuerungen gut findet - und was nicht. Einen Schlagschatten-Effekte bezeichnet sie als ziemlich sexy. Andere Design-Anpassungen hält sie für «unaufgeräumt». Fazit: Es ist nicht alles Gold, was glänzt. Selbst dann nicht, wenn es vom Promi-Bruder kommt.

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