Urteil: Marke «Madonna» wäre sittenwidrig
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UrteilMarke «Madonna» wäre sittenwidrig

Die Bezeichnung «Madonna» kann laut Bundesverwaltungsgericht nicht ins Schweizer Markenregister eingetragen werden. Gemäss dem Urteil würden die religiösen Gefühle der Katholiken verletzt, wenn der Name der Mutter Gottes als geschütztes Warenzeichen verwendet wird.

Das Eidg. Institut für geistiges Eigentum (IGE) hatte sich 2008 geweigert, die Wortbildmarke «Madonna» einer deutschen Firma ins Schweizer Markenregister einzutragen. Das IGE hatte sich auf den Standpunkt gestellt, dass «Madonna» als Marke sittenwidrig sei.

Zentrale Figur des Christentums

«Madonna» bezeichne die Mutter Gottes und sei bei einer Verwendung als Marke geeignet, die religiösen Gefühle von Personen christlich-katholischen Glaubens zu verletzen. Diesen Entscheid hat nun das Bundesverwaltungsgericht bestätigt. Laut Gericht ist die Madonna eine zentrale Figur des Christentums.

Die Mutter Gottes werde im täglichen Gebet angerufen und die ihr entgegen gebrachte Ehrerbietung manifestiere sich in der Schweiz auch heute noch in der lebendigen Madonnenverehrung. Keine Rolle spiele, dass «Madonna» im Italienischen auch nicht-religiös verwendet werde, etwa beim Ausruf «Madonna, che caldo!».

Von Sängerin nicht verdrängt

Nicht entscheidend sei weiter, dass unter «Madonna» auch die bekannte US-Sängerin zu Berühmtheit gelangt sei. Diese habe in der Unterhaltungsbranche zwar einen nicht zu unterschätzenden Stellenwert. Dennoch könne nicht davon ausgegangen werden, dass die Mutter Gottes vor ihr in den Hintergrund treten würde.

Ohne Bedeutung ist schliesslich, dass «Madonna» im Ausland und dabei sogar in Italien Markenschutz geniesst. Anzumerken bleibt, dass bereits eine Marke «Madonna» im Schweizer Markenregister eingetragen ist. Bei dieser sind allerdings die Wortbestandteile «Ma» und «Donna» in verschiedenen Farben gehalten.

Laut Gericht wird diese Marke vom Konsumenten deshalb nicht als Bezeichnung der Muttergottes, sondern als «meine Frau» verstanden. Der Entscheid kann innert 30 Tagen noch ans Bundesgericht weitergezogen werden.

(Urteil B-2419/2008 vom 12.4.2010) (sda)

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