«Dubai als Bonus» - Marketing-Firma lockt Insta-Nutzer mit vermeintlichem Luxus-Lifestyle
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«Dubai als Bonus»Marketing-Firma lockt Insta-Nutzer mit vermeintlichem Luxus-Lifestyle

Die Network-Marketing-Firma «IM Academy» lockt mit dem vermeintlichen Luxus-Lifestyle. Auch in der Schweiz werden Mitarbeiter für die US-Firma rekrutiert.

von
Dominique Rais
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Traumdestinationen, schnelle Autos und ein dickes Portemonnaie: Mit solchen Bildern werben verschiedene Exponenten der Firma «IM Academy». 

Traumdestinationen, schnelle Autos und ein dickes Portemonnaie: Mit solchen Bildern werben verschiedene Exponenten der Firma «IM Academy».

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Laut dem Solothurner D.R. mache die Firma aber Kasse auf Kosten der Kunden. «Ich kenne Leute, die haben so schon mehrere Tausend Franken verloren.»

Laut dem Solothurner D.R. mache die Firma aber Kasse auf Kosten der Kunden. «Ich kenne Leute, die haben so schon mehrere Tausend Franken verloren.»

20min/Marco Zangger

Darum gehts

  • Die Network-Marketing-Firma «IM Academy» wirbt auf Social Media mit einem luxuriösen Lifestyle.

  • Laut dem Solothurner D.R. mache die Firma aber Kasse auf Kosten der Kunden. «Ich kenne Leute, die haben so schon mehrere Tausend Franken verloren.»

  • Jan Munderloh wirbt für die Firma und weist die Vorwürfe, dass es sich um ein Schneeballsystem handelt, von sich.

Fette Autos, teure Klamotten und exklusive Ferien: Die Firma «IM Academy» wirbt auf Social Media mit einem Luxus-Lifestyle. Wer mitmacht, wird reich – so macht es zumindest der Anschein. Einer der Jung-Unternehmer, der hierzulande für die umstrittene Firma wirbt, ist der in Luzern wohnhafte Deutsche Jan Munderloh (25). Der Ex-Bankangestellte, der seit kurzem seine eigene Firma «Retired Young Consult GmbH» mit Sitz in Küssnacht am Rigi SZ gegründet hat, arbeitet seit fünf Jahren für die «IM Academy». Dieses ist auch ein Bestandteil seines neu gegründeten Unternehmens.

Das Geschäftsmodell der Firma: Sie bietet Kunden den Zugang zu einer Lernplattform an, um ihnen mittels dieser Kenntnisse im Bereich Dividendenmarkt zu vermitteln. Kostenpunkt: 200 Franken monatlich. Die Neulinge sollen dann wiederum neue Kunden akquirieren.

Ferien in Dubai als Bonus

20-Minuten-Leser D. R.* (22) ist über die dreiste Masche der Network-Marketing-Firma «IM Academy» empört. Aus seinem Umfeld seien bereits rund zehn Leute für die Firma tätig – vom Elektroinstallateur über den Polymechaniker bis hin zum Kommunikationsstudenten. Der Solothurner Sales Manager R. zeigt sich gegenüber 20 Minuten besorgt: «Sie werben junge Leute – vor allem junge Männer – an, die nicht so erfahren sind. Meine Freunde treten da weiterhin bei und buttern wie blöd Geld rein.»

Laut R. mache die Firma Gewinne auf Kosten der Kunden: «Ich kenne Leute, die haben so schon mehrere Tausend Franken verloren.» Viele würden ihre Verluste aber klein reden - aus Scham. Und nicht nur das: «Einige brechen sogar ihr Studium oder ihre Lehre ab, weil sie von ihren Coaches manipuliert werden», sagt R. Er selbst sei auch schon angeworben worden, habe aber abgelehnt. «Ich finde das ganze System total suspekt und unmoralisch. Einem Kollegen wurde gesagt, dass er als Bonus eine Woche Ferien in Dubai bekommt, wenn er 100 Leute reinholt.»

«Wer das schnelle Geld will, ist hier falsch»

Die Masche mit der Mitarbeiter-Motivation scheint dennoch zu klappen. Denn laut Munderloh zählt «IM Academy» derzeit 400’000 Kunden bei einem Umsatz von einer halben Milliarde Dollar im letzten Jahr. «Viele Menschen verbinden die ‹IM Academy› mit einem Schneeballsystem», sagt Munderloh zu 20 Minuten. Dem aber sei nicht so. Munderloh ist überzeugt: «Viele Menschen starten bei Network-Marketing-Firmen mit den falschen Erwartungen. Wer das schnelle Geld will, ist hier falsch.» Dennoch: Er selbst gibt an, indes im sechsstelligen Bereich zu verdienen.

Eine Anfrage von 20 Minuten bei «IM Academy» blieb bislang unbeantwortet.

*Name der Redaktion bekannt.

Pyramidensystem oder Network-Marketing?

Gemäss Wettbewerbsrecht-Anwalt Klaus Neff basiert ein Schneeballsystem «darauf, bestehende Teilnehmer dazu zu bringen, neue Teilnehmer anzuwerben, wobei die Gewinne der bestehenden Teilnehmer durch die Kapitalleistungen der neuen Teilnehmer finanziert werden». Ein solches Pyramidensystem sei in der Regel als Betrug und/oder Veruntreuung zu würdigen, sagt Neff zu 20 Minuten, da die Renditeversprechungen an neue Teilnehmer nicht eingehalten werden können.

«Beim Network-Marketing werden hingegen Kunden veranlasst, das Produkt selbst zu vertreiben und ihrerseits weitere Kunden anzuwerben, die wiederum als Vertriebspartner aktiv sind.» Sofern der Vertrieb von Produkten oder Dienstleistungen im Vordergrund stehe, und nicht die Anwerbung neuer Mitarbeiter, ist ein solches System, so Klaus Neff, in der Regel rechtlich nicht zu beanstanden.

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