WM in Katar 2022: Marketingstrategie oder Tradition? Das sagen Experten zum Messi-Gewand

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WM in Katar 2022Marketingstrategie oder Tradition? Das sagen Experten zum Messi-Gewand

Bei der WM-Siegerehrung in Katar wurde Messi in ein traditionelles arabisches Gewand gehüllt. Zwei Experten ordnen ein.

von
Gabriela Graber

Hier ist der Moment zu sehen, wie Messi das Gewand angezogen bekommt. 

SRF

Darum gehts

  • Nach dem WM-Sieg gegen Frankreich wurde Argentinien-Captain Lionel Messi der Pokal überreicht. Dabei bekam er auch ein Gewand angezogen. 

  • Experten erklären, was das bedeuten könnte. 

Eine Aktion der Organisatoren sorgte für Verwunderung und Kritik: Nach dem Finalsieg gegen Frankreich wurde Argentinien-Captain Lionel Messi in ein traditionelles arabisches Gewand gehüllt. Zwei Experten ordnen ein. 

Was ist ein Bisht? 

Laut Islamwissenschaftler Reinhard Schulze handelt es sich beim Bisht um ein traditionelles Kleidungsstück, das im arabischen Raum gern getragen wird. In gewissen Regionen werde es Personen umgelegt, die man besonders ehren möchte. «Diese Tradition gibt es in vielen nahöstlichen Kulturen und lässt sich nicht ausschliesslich auf die islamische Welt beschränken», sagt Schulze. «Das Gewand wird normalerweise aus Wolle, oft aus Kamelwolle, hergestellt und vor allem zu besonderen Anlässen getragen, insbesondere in den arabischen Ländern der Golfregion», erklärt Ali Sonay vom Institut für Studien zum Nahen Osten und zu muslimischen Gesellschaften der Universität Bern. «Am Sonntag hatte Katar gleich zwei Ereignisse zu feiern: einerseits den Nationalfeiertag, andererseits das WM-Finale. Dass Messi als Weltmeister das Gewand umgehängt bekommt, kann in diesem Kontext verstanden werden.» 

Was für ein Zeichen wollte Katar damit setzen? 

«Katar wollte kein Zeichen damit setzen», sagt Schulze. Es sei Tradition, dass ein Gast auf diese Weise geehrt wird. «Messi als Weltmeister ist dabei ein besonders geachteter Gast. Die Katarerinnen und Katarer hätten sich gewundert, wenn ihm der Mantel nicht umgehängt worden wäre», so Schulze. Für Sonay könnte es auch eine Art Marketingstrategie sein: «Das ist natürlich reine Spekulation. Aber es könnte sich um Werbung für das Land als Touristendestination handeln. Dafür macht man sich eine sehr berühmte Person wie Messi zunutze und will auf diese Weise aufzeigen, dass Messi offen für Katar ist, indem er beispielsweise den Umhang akzeptiert.»

Was wäre passiert, wenn Messi den Umhang abgelehnt hätte?

«Der Gastgeber hätte eine Abweisung als unhöflich und beleidigend empfunden», sagt Schulze. «Wenn Messi abgelehnt hätte, wäre die Zeremonie zwar normal weitergegangen, aber es hätte Messi  höchstwahrscheinlich einige Sympathien gekostet – insbesondere in der Golfregion und in Katar», so Sonay.

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Um dieses Kleidungsstück geht es. 

Um dieses Kleidungsstück geht es. 

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Eine Aktion der Organisatoren sorgte für Verwunderung und Kritik: Nach dem Finalsieg gegen Frankreich wurde Argentinien-Captain Lionel Messi in ein traditionelles arabisches Gewand gehüllt.

Eine Aktion der Organisatoren sorgte für Verwunderung und Kritik: Nach dem Finalsieg gegen Frankreich wurde Argentinien-Captain Lionel Messi in ein traditionelles arabisches Gewand gehüllt.

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