Marocaine-Hampi goes Business
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Marocaine-Hampi goes Business

Der Schweizer Rentner «Hampi» sorgt mit seinem Rauch-Protest in Deutschland für landesweite Schlagzeilen. Ein umtriebiger Domain-Reseller, Boulevard-Medien aus beiden Ländern, die Tabak- und die Hotelier-Lobby versuchen «Hampi» seither zu vermarkten. Er weiss allerdings nichts davon.

Der 66-jährige Hanspeter «Hampi» Müller ist Schweizer und wohnt in Kreuzlingen. Aber die Grenze soll den unbedarften Bürger Hampi nicht daran hindern, zur Gallionsfigur der deutschen Wirte und Hoteliers im Kampf gegen eine restriktive Raucherpolitik zu werden.

Was war geschehen? Am 8. Oktober rauchte Hampi Müller ennet der Grenze im deutschen Konstanz im «Täuble» eine seiner geliebten Marocaine. Gleichzeitig überprüften zivile Fahnder der Gewerbeaufsicht das Lokal auf Rauchfreiheit. Hampi rauchte trotz Verbot weiter und weigerte sich hernach, seine Personalien anzugeben. «Ich bin dann aber überlistet worden. Einer packte meinen Arm und im gleichen Moment klaute mir ein zweiter Fahnder das Portemonnaie aus dem Tschoopen», sagt Hampi heute gegenüber 20minuten.ch.

Polizei fackelt nicht lange

Was danach geschah, macht Hampi zum medienwirksamen Exempel des armen, von den Gesundheitsbehörden gegängelten Rauchers. Die Polizisten brachten ihn zum Grenzübergang Kreuzlingen, erfragten bei den Schweizer Zöllnern die Adresse des renitenten Rauchers und nahmen dem Schweizer gegen Aushändigung einer Quittung 72 Euro und 26 Cent aus dem Portemonnaie. Hampi hatte danach keine Lust mehr, in Deutschland zu bleiben und ging nach Hause, in die Schweiz. «Verlangt hatte dies jedoch niemand», erklärt er.

Dennoch machten die Boulevard-Titel hier wie dort einen Ausschaffungsfall aus Hampi. «Bild» titelte «Schweizer rauchte in deutscher

Gaststätte – abgeschoben!» und der «Blick» doppelte nach: «Aus Deutschland ausgewiesen, weil er rauchte». «Das stimmt ja gar nicht. Ich gehe immer noch nach Konstanz ins Täuble. Kein Problem», sagt Hampi.

Hampi und British American Tobacco

Dort ist er mehr als willkommen. Täuble-Wirt Georg Hermanutz sammelte Geld, um Hampis Ordnungswidrigkeiten-Busse zu bezahlen und medienwirksam auf die Bestimmungen des Nichtrauchergesetzes aufmerksam zu machen. Dieses verlangt, dass Raucher in Gaststätten in einen separaten Raum müssen. Einen solchen gibt es im Täuble nicht, dafür fast ausschliesslich rauchende Stammgäste. Deshalb hat Hermanutz für Hampi, der kaum lesen kann, Widerspruch gegen den Bussbescheid des Konstanzer Bürgeramtes eingelegt. Und gezeichnet mit: «Hampi, der Raucher-Wilhelm-Tell aus der Schweizer Nachbarstadt Kreuzlingen». Verbreitet wird Hampis Geschichte von einem Konstanzer PR-Unternehmen, das in seinen Texten auch Links zu British American Tobacco (BAT) setzt.

Hampi und der Konstanzer Protest

Doch nicht nur auf BAT wird verwiesen. Auch den Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) lanciert die PR-Agentur im Zusammenhang mit dem Fall Hampi. Am 15. November legt der DEHOGA beim Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe Widerspruch gegen das Nichtrauchergesetz ein. Interessant: Der Geschäftsführer des DEHOGA ist der Konstanzer Wolfgang Daub. Dieser lässt sich von der PR-Agentur zum Fall Hampi zitieren: «Gleich dem Konstanzer Protest muss es heissen, die Wirte entscheiden über Raucher und Nichtraucher.» Der Konstanzer Raucher-Protest hat bereits eine eigene Internetseite.

Domain-Vogel ist mit an Bord

Diese ist registriert auf Thomas Vogel. Vogel ist auf eigene Faust auf den Konstanzer-Protestzug augesprungen. Er ist einschlägig bekannt dafür, Medienereignisse frühzeitig zu erkennen, zu forcieren und gleichzeitig Internetforen zum Thema anzubieten. Diese verkauft er mit Gewinn weiter, nachdem die Medienberichte genügend Besucher auf seine Seiten gespült haben. Hampi muss sich also vorsehen, nicht plötzlich in einem Atemzug mit murat-kurnaz.de und kampusch.de und katemiddleton.eu genannt zu werden.

Maurice Thiriet, 20minuten.ch

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