Für ein gesünderes Image: Mars speckt seine Kalorien-Bomben ab
Aktualisiert

Für ein gesünderes ImageMars speckt seine Kalorien-Bomben ab

Der US-Nahrungsmittelgigant Mars schafft die Mega-Schokoriegel ab. Mit seiner Gesundheitsoffensive ist der US-Konzern nicht alleine. Der Ruf des Dickmachers schadet dem Geschäft.

von
Sandro Spaeth
Der Mars Riegel ist mit seinen 228 Kalorien gut in Form. Snickers muss wohl abspecken.

Der Mars Riegel ist mit seinen 228 Kalorien gut in Form. Snickers muss wohl abspecken.

Die XXL-Ausgaben von Mars, Twix, Snickers oder Bounty sind bald Geschichte. Der US-Nahrungsmittelgigant Mars will sich ein gesünderes Image verpassen und verbannt die Übergrössen aus den Regalen. Bis Ende des kommenden Jahres will der 30-Milliarden-Umsatz-Konzern die Produktion von Riegeln mit über 250 Kalorien einstellen.

Die herkömmliche Schweizer Mars-Packung ist von der 250-Kalorien-Guillotine nicht betroffen: Der 51 Gramm schwere Riegel hat 228 Kalorien. Abspecken muss wohl aber das Snickers: Die normale Grösse wiegt 57 Gramm und hat 287 Kalorien. Einen «Trick» wendet der US-Konzern aber beim Twix an. Zwar schlägt eine Packung mit 286 Kalorien zu Buche, beinhaltet aber zwei Riegel, die einzeln nur je 143 Kalorien haben. Droht nun auch dem Snickers die Zweiteilung?

Von 20 Minuten Online darauf angesprochen, weiss man bei Mars Schweiz am Freitagvormittag zunächst nichts über die Gesundheitsoffensive des US-Mutterhauses. Später lässt die Medienstelle ausrichten: «Mars engagiert sich auf breiter Basis für Gesundheit und Ernährung». Dazu gehörten der Verzicht auf die Vermarktung der Schokoladenprodukte direkt an Kinder unter zwölf Jahren sowie Bemühungen für angemessene Portionen und Kalorien.

Salate, Vegi und Nährwerttabellen

Mars ist bei weitem nicht der einzige US-Konzern, der sich dem Gesundheitstrend beugt. Seit Jahren probiert McDonald's das «Fett-Image» abzustreifen. 2007 hatte der britische Thronfolger Prinz Charles zum Rundumschlag gegen den US-Fastfoodriesen ausgeholt und gefordert, man müsse McDonald's verbieten. Und zwar weltweit, um die Gesundheit der Kinder zu verbessern.

Mittlerweile führt die Fastfoodkette sieben verschieden Salate und Vegi-Burger im Sortiment. Zudem betont der Fastfoodriese, dass seine Speisen frei von Transfetten sind. Die Packungen von Burger, Pommes und Co. «verziert » die Fastfoodkette mit Nährwerttabellen. «Die Basis einer ausgewogenen Ernährung ist das Wissen darüber, was man isst», schreibt McDonald's auf der Website und schiebt den Ball für die vielen Kalorien elegant dem Konsumenten zu.

Brausen wollen gesünder sein

Auch Coca-Cola und Pepsi kämpfen gegen das Etikett «Kalorien-Bombe», denn als Dickmacher verschrien zu sein schadet in einer gesundheitsbewussten Welt dem Geschäft. Der Süssgetränkemarkt ist in den USA seit Jahren rückläufig. Wellness rückt in den Mittelpunkt – man trinkt Wasser, Tee oder Fruchtsäfte. Im Coca-Cola Heimmarkt warnen die Gesundheitsbehörden zudem mit Inseraten vor Süssgetränken: «Trink dich nicht fett», steht auf US-Plakatwänden. Also werben die Getränkegiganten stärker für die kalorienarmen «Diet Coke» und «Diet Pepsi».

Branchenkenner werfen Pepsi aber vor, seine Hauptmarke in den USA wegen der Gesundheitswelle vernachlässigt zu haben. Zwar ist das Volumen aller Getränkemarken, die zum Pepsi-Konzern gehören, 2011 weltweit um 3 Prozent gestiegen, in Nordamerika ging es hingegen um 1 Prozent zurück – im letzten Quartal sogar vier Prozent. Der Marktanteil der Pepsi-Getränke sank in den USA auf 32,8 Prozent, während Coca-Cola auf 34,3 Prozent zulegte.

Werbeschlacht der Giganten

Der Pepsi-Konzern will diesen sinkenden Marktanteil nicht hinnehmen und hat letzte Woche angekündigt, allein in diesem Jahr bis zu 600 Millionen US-Dollar mehr für Werbung und Marketing auszugeben. Angeblich will aber auch Erzrivale Coca-Cola seinen Werbeetat ausbauen. Das britische «Marketingmagazine» berichtet von zusätzlichen 400 Millionen Dollar, verteilt über die nächsten vier Jahre. Ein beträchtlicher Teil der Werbsummen dürften in die gesunden Produkte fliessen.

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