Aktualisiert 18.05.2008 16:14

Martignoni bleibt Bürgermeister von Bellinzona

Brenno Martignoni bleibt für vier weitere Jahre Stadtpräsident des Tessiner Hauptortes Bellinzona. Der 46-jährige Anwalt erhielt bei der Stichwahl nur gerade 46 Stimmen mehr als sein Widersacher Bixio Caprara (FDP).

Martignoni kam auf insgesamt 2334 Stimmen, Caprara auf 2288. Die Stimmbeteiligung lag bei 47,6 Prozent, wie die Gemeindekanzlei von Bellinzona am Sonntag bekannt gab.

Martignonis Rechnung ging damit auf. Bei den kommunalen Wahlen hatte er bloss das zweitbeste Ergebnis hinter Caprara erzielt. Um das prestigeträchtige Amt des Stadtpräsidenten weiterhin ausüben zu können, strengte er die Stichwahl an, die er nun gewann.

Seine politischen Widersacher rief er nach der Wahl auf, das Kriegsbeil zu begraben. Es sei an der Zeit, die Polemiken zu beenden und zum Wohle Bellinzonas mit einem «konstruktiven Geist» zu arbeiten, sagte er am Sonntag.

Im Streit von der FDP getrennt

Der Appell galt in erster Linie der FDP. Mit seiner ehemaligen Partei führte Martignoni in den letzten vier Jahren eine Art Privatfehde.

Das Zerwürfnis begann nach den kommunalen Wahlen von 2004, als Martignoni für die FDP mit dem zweitbesten Ergebnis hinter Caprara in die Stadtregierung gewählt wurde.

Anschliessend widersetzte er sich der Stallorder, trat zu einer Stichwahl um das Amt des ersten Bürgers an und distanzierte Caprara um 25 Stimmen.

Das Tischtuch war spätestens dann zerschnitten, als Martignoni Filzvorwürfe gegen Gianluigi Della Santa erhob, das dritte FDP-Mitglied in der Exekutive. Dieser Zwist endete in einem Rechtsstreit, und Martignoni trat aus der FDP aus.

Für die SVP im Kantonsparlament

Auf der Liste der SVP schaffte er im Frühjahr 2007 den Sprung ins Kantonsparlament. Bei den kommunalen Wahlen vom vergangenen April trat er aber nicht für die SVP an, sondern mit einer eigenen Liste, genannt il Noce (der Nussbaum).

Mit dieser Bewegung grub Martignoni vor allem der FDP das Wasser ab. Er selbst wurde mit dem zweitbesten Ergebnis hinter Caprara wiedergewählt, und sieben seiner Noce-Mitstreiter zogen in den Gemeinderat ein.

Letzte Chance verpasst

Die letzte Chance, um Martignoni in die Schranken zu weisen, sah die FDP in der Stichwahl. Der Aufruf, Martignonis vierjährige Herrschaft zu beenden, brachte jedoch nicht den erhofften Erfolg.

Für die FDP bedeutet die Wiederwahl Martignonis eine peinliche Schlappe. Denn in den anderen urbanen Zentren des Kantons - Lugano, Chiasso und Locarno - wurden ihre Vertreter ohne viel Aufhebens zu den Stadtpräsidenten bestimmt.

Das Amt des «Sindaco» fällt in der Regel derjenigen Person zu, die bei den kommunalen Wahlen die meisten Stimmen erzielt. Zu einer Stichwahl kam es an diesem Sonntag ausser in Bellinzona noch in einem Dutzend kleineren Gemeinden. (sda)

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