Ems-Chefin verbietet Wort «Krieg» – Martullo befeuert Putin-Knatsch in SVP

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Ems-Chefin verbietet Wort «Krieg» Martullo befeuert Putin-Knatsch in SVP

In der SVP brodelt es. Mitglieder sind mit den Haltungen einzelner Exponenten im Ukraine-Krieg nicht einverstanden.

von
Bettina Zanni
Nicolas Meister
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SVP-Nationalrätin und Ems-Chefin Magdalena Martullo-Blocher verbietet ihren Mitarbeitenden, das Wort «Krieg» zu verwenden. Stattdessen sollten sie von «Ukraine-Konflikt» sprechen.

SVP-Nationalrätin und Ems-Chefin Magdalena Martullo-Blocher verbietet ihren Mitarbeitenden, das Wort «Krieg» zu verwenden. Stattdessen sollten sie von «Ukraine-Konflikt» sprechen.

20min/Celia Nogler
Das sorgt in der SVP für Kritik.

Das sorgt in der SVP für Kritik.

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«Dass auch den Mitarbeitenden in der Schweiz verboten wird, von einem Krieg zu sprechen, ist nicht nachvollziehbar», sagt ein Mitglied der SVP-Fraktion im Nationalrat.

«Dass auch den Mitarbeitenden in der Schweiz verboten wird, von einem Krieg zu sprechen, ist nicht nachvollziehbar», sagt ein Mitglied der SVP-Fraktion im Nationalrat.

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Darum gehts

Als «militärische Operation» bezeichnet der Kreml den Angriffskrieg in der Ukraine. Beschönigende Worte wählt auch SVP-Nationalrätin Magdalena Martullo-Blocher. Die Chefin des Chemiekonzerns Ems verbietet ihren Mitarbeitenden, das Wort «Krieg» zu verwenden. Stattdessen sollten sie intern und extern von «Ukraine-Konflikt» sprechen.

Das sorgt in der SVP für Kritik. Diese Weisung wäre völlig gerechtfertigt, würde sie sich nur an die Mitarbeitenden in Russland richten, sagt ein Mitglied der SVP-Fraktion im Nationalrat, das anonym bleiben möchte. «Dass jedoch auch den Mitarbeitenden in der Schweiz verboten wird, von einem Krieg zu sprechen, ist nicht nachvollziehbar.» Es handle sich hier nicht um einen «Konflikt», sondern um eine grausame Invasion russischer Streitkräfte in die Ukraine.

Weitere SVP-Vertreterinnen und -Vertreter äusserten sich auf Anfrage zurückhaltend. Sie verurteilten beschönigende Worte für den Krieg, wollten Martullos Aktion aber nicht kommentieren.

«Unverständnis auf breiter Basis»

In der Partei brodelt es schon länger. Vor wenigen Tagen sorgte SVP-Nationalrat Andreas Glarner wegen seines Kreml-freundlichen Beitrags in der rechtsnationalen Zeitung «Schweizerzeit» für Schlagzeilen. Seiner Meinung nach sind die EU und die USA «ganz klar schuld an jedem weiteren Opfer des Krieges», kommt der Westen Putins Garantieforderungen nicht nach. 

«Auf breiter Basis reagierten Mitglieder unserer Bezirkspartei mit Unverständnis auf Andreas Glarners Beitrag», sagt der Zürcher SVP-Nationalrat Martin Haab. Sie hätten kritisiert, dass ein Mitglied trotz der ganzen Tragik diese Krise öffentlich relativiere. «Es ist nicht der Zeitpunkt, mit einer solchen Wortwahl an die Öffentlichkeit zu gehen.» Nun müsse die Fraktionsleitung entscheiden, ob sie mit einzelnen SVP-Exponentinnen und -Exponenten das Gespräch für ein moderates Auftreten suchen wolle.

Auch Bruno Walliser bestätigt, dass man das Thema «Putin und Ukraine-Krieg» in der Partei aktuell diskutiere. Eine geschlossene Meinung vertrete die SVP dabei nicht. «Wie bei vielen anderen Themen gibt es auch hier unterschiedliche Meinungen.»

Politologe sieht keine Aufbruchsstimmung

SVP-Präsident Marco Chiesa dementiert die Knatsch-Gerüchte. Die SVP verurteile den Krieg gegen die Ukraine klar. Es sei «komplett haltlos, wenn nicht justiziabel» zu behaupten, Nationalrätin Magdalena Martullo-Blocher und Nationalrat Glarner seien auf Putins Linie.

Politologen beobachten bei der SVP Parallelen zur Pandemie. «Schon in der Covid-Krise fielen einige SVP-Exponenten mit radikalen Haltungen auf», sagt Lukas Golder, Politologe und Co-Leiter des Forschungsinstituts GFS Bern. Im Hinblick auf die eidgenössischen Wahlen 2023 vermittle die Partei aktuell keine Aufbruchsstimmung. «Sie hat in der Ukraine-Krise keine Linie gefunden, um für breite Kreise harte, aber akzeptable Positionen zu vertreten.» Stattdessen verstricke sich die Partei mit extremen Positionen einzelner Aushängeschilder in Widersprüche.

Ukraine-Krieg oder Ukraine-Konflikt?

Beschäftigt dich oder jemanden, den du kennst, der Krieg in der Ukraine?

Hier findest du Hilfe für dich und andere:

Fragen und Antworten zum Krieg in der Ukraine (Staatssekretariat für Migration)

Kriegsangst?, Tipps von Pro Juventute

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Anmeldung und Infos für Gastfamilien:

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