Kritik und Spott - Martullo-Blocher nennt E-Auto-Pläne der EU einen «Riesenfehler»
Publiziert

Kritik und SpottMartullo-Blocher nennt E-Auto-Pläne der EU einen «Riesenfehler»

Die EU will neue Verbrenner verbieten. Die Pläne kritisiert Magdalena Martullo-Blocher scharf. Dabei spottet sie über ihre eigenen Firmenkunden und deren Ferienpläne.

von
Dominic Benz
1 / 17
Von den Plänen der EU, Verbrenner ab 2035 nicht mehr zuzulassen, hält Magdalena Martullo-Blocher nichts. 

Von den Plänen der EU, Verbrenner ab 2035 nicht mehr zuzulassen, hält Magdalena Martullo-Blocher nichts.

Reuters
Das sei ein «Riesenfehler», sagt die Chefin der Ems-Chemie zum «Handelsblatt». «Ich verstehe nicht, warum sich die deutsche Autoindustrie nicht stärker gegen so drastische Vorgaben wehrt.»

Das sei ein «Riesenfehler», sagt die Chefin der Ems-Chemie zum «Handelsblatt». «Ich verstehe nicht, warum sich die deutsche Autoindustrie nicht stärker gegen so drastische Vorgaben wehrt.»

Reuters
Die deutlichen Worte der 51-Jährigen erstaunen insofern, als dass zu den wichtigen Kunden der Ems-Chemie  deutsche Autohersteller gehören.

Die deutlichen Worte der 51-Jährigen erstaunen insofern, als dass zu den wichtigen Kunden der Ems-Chemie deutsche Autohersteller gehören.

Tamedia

Darum gehts

  • Die EU will auf den Strassen mehr E-Autos sehen.

  • Laut Magdalena Martullo-Blocher schaden solche Auflagen der Autoindustrie.

  • Sie kritisiert die Autobauer, die sich nicht wehren und mit der EU zusammenarbeiten.

Die grössten Absatzmärkte von Autos wollen den CO2-Ausstoss drastisch senken. Daher sollen Elektroautos künftig die klassischen Verbrenner ersetzen – auch in Europa. So sprach sich die EU kürzlich für ein Verkaufsverbot von Neuwagen mit Verbrennungsmotoren aus. Ein solches soll ab 2035 gelten.

Scharfe Kritik gibts nun von Magdalena Martullo-Blocher. Sie hält den Plan der EU für einen «Riesenfehler». Zum deutschen «Handelsblatt» (Artikel zahlungspflichtig) sagt die Chefin der Ems-Chemie: «Ich verstehe nicht, warum sich die deutsche Autoindustrie nicht stärker gegen so drastische Vorgaben wehrt.»

Warnung vor politischem Abseits

Die deutlichen Worte der 51-Jährigen erstaunen insofern, als dass zu den wichtigen Kunden der Ems-Chemie deutsche Autohersteller gehören. Für VW produziert der Schweizer Konzern etwa Kunststoffe, damit die Akkus in den E-Autos nicht überhitzen. Doch im Gespräch mit der Zeitung stellt Martullo-Blocher klar: «Politisch war ich immer gegen die Elektromobilität, weil der Strom dafür wieder fossil produziert wird.»

Dass nun so viele Autobauer derart aufs Gas bei den E-Autos drücken, kann die Unternehmerin und SVP-Nationalrätin nicht nachvollziehen. «Die deutsche Autoindustrie reitet sich politisch, indem sie sich nicht wehrt oder mit der EU-Kommission zusammenarbeitet, völlig ins Abseits», sagt sie.

Auch sei die Elektromobilität ohne Verbote und Auflagen noch nicht wettbewerbsfähig. Wenn die EU der Industrie nun strikte Vorgaben macht und die Hersteller zum Wechsel auf E-Autos zwingt, schadet die EU laut Martullo-Blocher der Industrie.

Spott wegen Ferien

Die Unternehmerin und Politikerin spottet zudem über ihre eigenen Firmenkunden, wenn die Autobauer Betriebsferien trotz steigender Nachfrage machen. «Vor allem in Deutschland geht man von Corona in den Urlaub», sagt sie zur Zeitung. Der Anspruch in der deutschen Autoindustrie, die Produktion hochzufahren, sei nicht gross.

Auch wenn die Autobauer zu den Kunden der Ems-Chemie gehören – Martullo-Blocher kann sich Kritik mit Blick auf die Zahlen ihres Unternehmens erlauben. Im ersten Halbjahr kletterte der Umsatz um gut 38 Prozent auf knapp 1.2 Milliarden Franken. Der Gewinn stieg um über 40 Prozent auf rund 320 Millionen Franken. In der Geschichte des 85-jährigen Konzerns sind das neue Rekordwerte.

In 16 Ländern vertreten

Die Ems-Gruppe ist in den Geschäftsbereichen Hochleistungspolymere und Spezialchemikalien weltweit tätig. Ihre Gesellschaften sind in der Ems Chemie Holding AG zusammengefasst, die ihren Sitz in Domat/Ems hat. Magdalena Martullo-Blocher führt die Firma. Das Unternehmen hat 25 Produktionsstandorte in 16 verschiedenen Ländern und ist weltweit mit eigenen Verkaufsgesellschaften oder mittels Händlern vertreten. Per Ende 2019 zählte die Ems-Gruppe 2648 Mitarbeitende und rund 140 Lernende in der Schweiz.

My 20 Minuten

Als Mitglied wirst du Teil der 20-Minuten-Community und profitierst täglich von tollen Benefits und exklusiven Wettbewerben!

Deine Meinung

1128 Kommentare