Sorge um künftige Stromversorgung - Martullo-Blocher plädiert für den Bau neuer Atomkraftwerke
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Sorge um künftige StromversorgungMartullo-Blocher plädiert für den Bau neuer Atomkraftwerke

SVP-Nationalrätin Magdalena Martullo-Blocher befürchtet in der nahen Zukunft einen Engpass bei der Energieversorgung. Diesem will sie mit Atomkraft begegnen.

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Magdalena Martullo-Blocher sorgt sich um die Energieversorgung der Schweiz.

Magdalena Martullo-Blocher sorgt sich um die Energieversorgung der Schweiz.

Reuters
Laut ihr könnte der Importstrom aus Europa künftig knapp werden.

Laut ihr könnte der Importstrom aus Europa künftig knapp werden.

Reuters
So sollen AKWs wie das in Gösgen-Däniken länger laufen dürfen. 

So sollen AKWs wie das in Gösgen-Däniken länger laufen dürfen.

20min/Marco Zangger

Darum gehts

  • Laut Ems-Chefin Magdalena Martullo-Blocher bewegt sich die Schweiz auf eine Strom-Versorgungslücke zu.

  • Als Massnahme dagegen befürwortet sie eine Konzessionsverlängerung für Schweizer AKWs und sogar den Bau neuer Anlagen.

«Mit dem Ausstieg aus der Kernkraft wird uns ein Drittel des Stroms fehlen», sagt Ems-Chemie-Chefin Martullo-Blocher in einem aktuellen Interview, das der «Blick» am Donnerstag publizierte. Diesen mit sauberer erneuerbarer Energie zu ersetzen geht für sie nicht auf: Selbst wenn man «alle denkbaren Wasserkraftprojekte» bauen würde, wäre diese Strommenge nur «ein Tropfen auf den heissen Stein.» Auch das Vorhaben, 15-mal so viele Solarenergie-Anlagen zu bauen, bietet für sie keine Lösung gegen künftige Strom-Engpässe: Solarzellen würden fast nur im Sommer Energie produzieren – «wir brauchen den Strom aber im Winter!»

Dass die Schweiz künftig einfach mehr Strom aus Europa importiert, ist für die 51-Jährige keine Lösung: Die EU habe wegen des Ausstiegs aus der Kohle- und Gasenergie «viel grössere Stromprobleme als wir». Dass die Schweiz künftig im Winter mit Elektrizität beliefert werde sei «völlig illusorisch». Für Blocher-Martullo ist also klar: «Wir können es uns nicht erlauben, die Kernkraft abzustellen und ein Drittel unserer Stromproduktion zu verlieren.»

AKWs länger laufenlassen?

Die Tochter von SVP-Urgestein Christoph Blocher spielt den Ball an Uvek-Vorsteherin Simonetta Sommaruga weiter: Die Energieministerin müsse nun «Verantwortung übernehmen», sprich: die Stromlücke aufzeigen und lösen. Sommaruga solle mit den AKW-Betreibern «die sichere und effiziente Verlängerung» der Laufzeit der bestehenden vier AKWs ausarbeiten. Experten würden diesen eine zusätzliche Laufzeit von zehn Jahren zugestehen.

Zudem bringt sie gegenüber dem «Blick» die Idee eines neuen Atomkraftwerks aufs Tapet. Wenn die Schweiz ausreichend CO2-freundlichen Strom produzieren wolle – «CO2 einsparen ist immer gut» – kämen «längerfristig Technologien wie Geothermie und Wasserstoff, aber auch Kernkraft wieder in Betracht». Auf den Einwand, das Stimmvolk habe schliesslich einen schrittweisen Ausstieg aus der Kernenergie beschlossen, sagt sie gegenüber dem «Blick», man hab dem Volk «falsche Hoffnungen» gemacht. Dass die Schweiz mit einem neuen AKW bzw. der Verlängerung der Betriebsdauer der bestehenden Kernkraftwerke wieder Brennmaterial kaufen und Atommüll anhäufen müsse, sei dabei nicht unbedingt zwingend: «Vielleicht ist das gar nicht nötig, und man kann mit dem Material arbeiten, das schon im Einsatz ist», sagt sie.

Grüne halten Vorschlag für «absurd»

Die Grünen reagierten umgehend auf das Interview im «Blick» und wiesen den Vorschlag als «absurd» zurück: «Ein neues AKW? Absurd. Die Schweiz muss jetzt vorangehen und die Anstrengungen für den Ausbau der erneuerbaren Energien verstärken. Dafür hat sich auch die Stimmbevölkerung mit ihrem Ja zur Energiestrategie 2050 ausgesprochen», schreibt die Partei. Es gebe längst gute, günstigere und erneuerbare Alternativen zur Atomkraft.

Es dauere zudem Jahrzehnte, bis ein neues AKW Strom produzieren könne, schreiben die Grünen in einem vom Thurgauer Nationalrat Kurt Egger gezeichneten Communiqué. Zudem verweist sie auf das grosse Sicherheitsrisiko – und darauf, dass sich die Schweizer Stimmbevölkerung mit dem Ja zur Energiestrategie klar gegen den Bau neuer AKWs ausgesprochen habe.

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(trx)

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