15.03.2019 10:18

Ungeimpfte Kinder

Masern mit Impfzwang und Bussen bekämpfen?

Immer mehr Kinder erkranken an Masern. Italien verhängt nun Bussen gegen Eltern, die ihre Kinder nicht impfen. Ein Lösung für die Schweiz?

von
mm/jk/dk
1 / 8
Am Mittwoch wurde bekannt, dass 50 Berner Schüler für drei Wochen nicht mehr zur Schule gehen dürfen. Im Februar musste die Rudolf-Steiner-Schule in Biel vorübergehende geschlossen werden, weil sich rund zwölf Kinder mit den Masern angesteckt hatten.

Am Mittwoch wurde bekannt, dass 50 Berner Schüler für drei Wochen nicht mehr zur Schule gehen dürfen. Im Februar musste die Rudolf-Steiner-Schule in Biel vorübergehende geschlossen werden, weil sich rund zwölf Kinder mit den Masern angesteckt hatten.

Frank Molter
Beim Kind, das die Masern in die Rudolf-Steiner-Schule in Biel geschleppt hat, handelt es sich laut Veronika Raue, Geschäftsführerin der Rudolf-Steiner-Schule in Biel, um ein neunjähriges Mädchen aus dem Kanton Neuenburg.

Beim Kind, das die Masern in die Rudolf-Steiner-Schule in Biel geschleppt hat, handelt es sich laut Veronika Raue, Geschäftsführerin der Rudolf-Steiner-Schule in Biel, um ein neunjähriges Mädchen aus dem Kanton Neuenburg.

steinerschule-biel.ch
In Italien grassiert seit zwei Jahren eine Masernepidemie. Nun hat die Politik radikal durchgegriffen. Eltern haben laut BBC noch bis nächsten Montag Zeit, ihre Kinder impfen zu lassen, ansonsten drohen ihnen Bussen von bis zu 500 Euro.

In Italien grassiert seit zwei Jahren eine Masernepidemie. Nun hat die Politik radikal durchgegriffen. Eltern haben laut BBC noch bis nächsten Montag Zeit, ihre Kinder impfen zu lassen, ansonsten drohen ihnen Bussen von bis zu 500 Euro.

Fredrik von Erichsen

Am Mittwoch wurde bekannt, dass 50 Berner Schüler für drei Wochen nicht mehr zur Schule gehen dürfen. Das Berner Kantonsarztamt rechnet mit weiteren Masernfällen. Im Februar musste die Rudolf-Steiner-Schule in Biel vorübergehend geschlossen werden, weil sich rund zwölf Kinder mit Masern angesteckt hatten.

Busse für Eltern ungeimpfter Schulkinder in Italien

In Italien grassiert seit zwei Jahren eine Masernepidemie. Nun hat die Politik radikal durchgegriffen. Eltern haben laut BBC noch bis Montag Zeit, ihre Kinder impfen zu lassen, ansonsten drohen ihnen Bussen von bis zu 500 Euro. Kinder unter sechs Jahren dürfen sogar von Kindergärten und Krippen nach Hause geschickt werden. Das Parlament hatte im Frühjahr 2017 ein Impfobligatorium für insgesamt zwölf Krankheiten beschlossen, darunter auch für Masern. Mit dieser Massnahme möchte Italien seine Durchimpfungsrate von unter 80 Prozent auf 95 Prozent steigern. Nur so können laut Weltgesundheitsorganisation Masern ausgerottet werden.

Italien ist nicht das einzige europäische Land, das ein Impfobligatorium kennt.

«Ein Obligatorium ohne Busse funktioniert nicht»

Auch Immunologe Beda Stadler befürwortet Bussen für Eltern, die ihre Kinder nicht impfen. Die Busseneinnahmen sollten in die Impf-Forschung fliessen. «Ein Impfobligatorium dient dem Schutz von Personen, die sich nicht wehren können», sagt Stadler. Man impfe sich ja aus Solidarität anderen gegenüber. Beim Impfen habe man sowieso viel zu lange versucht, den Weg der Rationalität zu gehen: «Wir dürfen uns nicht von ein paar Verrückten unser Recht auf Schutz vor ansteckenden Krankheiten nehmen lassen», so Stadler.

«Umsetzung in Italien ist problematisch»

Lorenz Hess, BDP-Nationalrat, spricht sich zwar klar für ein Impfobligatorium aus, kritisiert aber die Umsetzung in Italien: «Es kann nicht sein, dass Kinder nach Hause geschickt werden. Schliesslich hat jeder das Recht auf Bildung.» Auch Bussen erscheinen Hess untragbar: «Diese treffen die falschen Leute, denn vor allem die ärmeren Schichten sind davon betroffen.» Für die Umsetzung eines Impfobligatoriums in der Schweiz wünscht sich Hess deshalb nachhaltigere Massnahmen.

«In erster Linie geht es ums Geld»

Daniel Trappitsch vom Netzwerk Impfentscheid spricht sich entschieden gegen ein Impfobligatorium und Bussen aus: «Ein Impfzwang verstösst gegen verfassungsmässige Menschenrechte.» Es sei tragisch, wenn man die Leute nicht mehr mit Argumenten, sondern nur noch mit Zwang zum Impfen bewegen könne. Angesprochen auf das italienische Impfobligatorium, sagt Trappitsch: «Dieses Gesetz erlaubt es, sich mit einer Busse quasi freizukaufen, und zeigt deshalb, dass es dabei in erster Linie ums Geld geht.» Die Massnahmen in Italien seien völlig fehlgeleitet und verstiessen gegen das Recht auf Bildung.

Der Schweizer Lehrerverband wollte sich nicht zum italienischen Impfzwangmodell äussern.

In welchen Ländern gibt es ein Impfobligatorium?

Laut der Weltgesundheitsorganisation haben sich die Masernerkrankungen in Europa zwischen 2017 und 2018 verdreifacht. In Italien etwa wurden im Januar 165 Fälle gemeldet, im November waren es noch deren 58. Elf europäische Staaten kennen inzwischen ein Impfobligatorium für diverse ansteckende Krankheiten. So stehen in Bulgarien, Kroatien, in der Tschechischen Republik, Frankreich, Ungarn, Litauen, Polen und der Slowakei Masern, Mumps und Röteln unter Impfzwang.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.