01.11.2019 20:36

ImmunsystemMasern töten Antikörper gegen andere Krankheiten

Das Masernvirus macht nicht nur akut krank, es hat auch schwerwiegende Nachwirkungen: Es macht zuvor erworbene Abwehrkräfte zunichte.

von
fee
1 / 12
Die Weltgesundheitsorganisation schlägt Alarm, denn eigentlich könnten die Masern längst ausgerottet sein. Doch mangelnde Impfbereitschaft verhindert das.

Die Weltgesundheitsorganisation schlägt Alarm, denn eigentlich könnten die Masern längst ausgerottet sein. Doch mangelnde Impfbereitschaft verhindert das.

Keystone/Sigi Tischler
Dabei führt laut einer US-Studie eine Verringerung der Quote bei der Kombi-Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR) um 5 Prozent zu einer Verdreifachung der Masernfälle.

Dabei führt laut einer US-Studie eine Verringerung der Quote bei der Kombi-Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR) um 5 Prozent zu einer Verdreifachung der Masernfälle.

A4014/_marius Becker
Auf die Schweiz angewandt, würde das bedeuten, dass die Fallzahl von 66 Fällen (2016) auf knapp 200 steigen würde.

Auf die Schweiz angewandt, würde das bedeuten, dass die Fallzahl von 66 Fällen (2016) auf knapp 200 steigen würde.

AP/Rudi Blaha

Obwohl Masern zu Behinderungen oder sogar zum Tod führen können, halten viele Menschen sie noch immer für eine harmlose Kinderkrankheit. Nun zeigen Forscher, dass die Virusinfektion noch viel mehr Schaden anrichtet als bislang gedacht – auch dann, wenn die eigentliche Masernerkrankung glimpflich verläuft.

Wie das Team um Michael Mina von der Harvard Medical School in Boston im Fachjournal «Science» schreibt, ruft das Masernvirus im Körper der Betroffenen eine Art «immunologische Amnesie» hervor.

Antikörper im Blut

Die Wissenschaftler hatten Blutproben von 77 nicht geimpften Schulkindern analysiert, die 2013 in den Niederlanden eine Maserninfektion überstanden hatten. Die erste Probe war vor der Erkrankung und die zweite bis zu zwei Monate danach entnommen worden. Zusätzlich untersuchten sie Blutproben von gegen Masern geimpften sowie von ungeimpften, nicht erkrankten Kindern – zum Vergleich.

Bei allen Proben untersuchten die Forscher, welche und wie viele Antikörper gegen verschiedene Viren und Bakterien im Blut der Kinder präsent waren. Das menschliche Immunsystem bildet solche jeweils nach dem Kontakt mit einem Erreger oder nach einer Impfung. Sie schützen den Körper gegen Infektionen.

Masern löschen Erinnerung

Ergebnis: Vor der Maserninfektion trugen alle Kinder zahlreiche Antikörper gegen gängige Erreger in sich, so die Forscher. Danach habe es anders ausgesehen. «Die Maserninfektionen waren mit einer mittleren Reduktion des Antikörper-Repertoires um 20 Prozent verknüpft», so die Forscher. Die geimpften und nicht erkrankten Kinder hatten dagegen noch ihren vollen Immunschutz.

In einer weiteren Studie zeigte ein internationales Forscherteam, wie es dazu kommt. Im Fachjournal «Science Immunology» erläutern sie, dass das Masernvirus Antikörper gegen andere Erreger zerstört und so bereits erworbene Abwehrkräfte wieder zunichtemacht. Auch die Gedächtniszellen des Immunsystems würden dezimiert.

«Damit sehen wir zum ersten Mal, dass die Masern das Immunsystem quasi zurücksetzen – auf das Stadium eines Säuglings», so der an der Untersuchung beteiligte Colin Russell von der Universität Amsterdam in einer Mitteilung. Das erkläre, warum Menschen nach einer Masernerkrankung häufiger auch an anderen Infekten erkranken.

Wissen-Push

Abonnieren Sie in der 20-Minuten-App die Benachrichtigungen des Wissen-Kanals. Sie werden über bahnbrechende Erkenntnisse und Entdeckungen aus der Forschung, Erklärungen zu aktuellen Ereignissen und kuriose Nachrichten aus der weiten Welt der Wissenschaft informiert. Auch erhalten Sie Antworten auf Alltagsfragen und Tipps für ein besseres Leben.

Und so gehts: Installieren Sie die neuste Version der 20-Minuten-App. Tippen Sie rechts oben auf das Menüsymbol, dann auf das Zahnrad. Wenn Sie dann nach oben wischen, können Sie die Benachrichtigungen für den Wissen-Kanal aktivieren.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.