Reaktionen: «Maske im Büro wäre ein Kündigungsgrund»
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Reaktionen«Maske im Büro wäre ein Kündigungsgrund»

Brauchts wegen der Klimaanlagen die Maskenpflicht im Büro? Vielen Angestellten graut es davor.

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Die Forderung, eine Maske im Büro zu tragen, stösst auf Kritik.

Die Forderung, eine Maske im Büro zu tragen, stösst auf Kritik.

Foto: Getty Images
Christian Garzoni, Klinikleiter des Spitals Moncucco in Lugano, rät zum Tragen von Masken – auch im Büro.

Christian Garzoni, Klinikleiter des Spitals Moncucco in Lugano, rät zum Tragen von Masken – auch im Büro.

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Wenn ein Corona-Infizierter hustet oder niest, schleudert er Tröpfchen und damit die Viren bis zu acht Meter weit. Es entstehen sogenannte Aerosole.

Wenn ein Corona-Infizierter hustet oder niest, schleudert er Tröpfchen und damit die Viren bis zu acht Meter weit. Es entstehen sogenannte Aerosole.

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Darum gehts

  • Kleinste Teilchen in der Luft stehen im Verdacht, das Coronavirus in geschlossenen Räumen zu übertragen.
  • Laut einem Experten bringen Masken im Büro einen zusätzlichen Schutz.
  • Ein Jurist sagt, ob ein Unternehmen Angestellte zwingen darf, eine Maske im Büro zu tragen.

Laut dem Tessiner Infektiologen Christian Garzoni können Klimaanlagen das Coronavirus in einem Grossraumbüro verteilen. So werde der Schutz durch die Abstandsregel ausgehebelt. Gegenüber 20 Minuten sagte er: «Auch im Büro ist Maskentragen ein Muss.» Er appelliert an die Firmen, diese Empfehlung in ihre Schutzkonzepte aufzunehmen.

Nicht alle Angestellten können sich mit dem Gedanken anfreunden. So ist Leser Micha nicht der Einzige, der findet: «Die Maske im Büro wäre ein Kündigungsgrund für mich.» Andere würden sich schlichtweg weigern, zur Arbeit zu gehen, oder sich einfach ein Arztzeugnis beschaffen: «Wenn das Pflicht wird, lasse ich mir ein Arztzeugnis ausstellen. Ich bekomme schon nach 30 Minuten mit Maske extreme Halsschmerzen. Knapp neun Stunden würde ich niemals durchstehen.»

Homeoffice als Alternative

Leser verweisen auch darauf, dass es mit dem Homeoffice eine Alternative zur Büropräsenz gebe: «Dann doch besser Homeoffice, als den ganzen Tag mit Maske herumzusitzen.» Ein anderer Kommentator findet, bevor Angestellte Masken trügen, müssten Unternehmen zu Homeoffice verpflichtet werden.

Lockerer sieht es, wer bereits mit Maske arbeitet. So schreibt Leserin Laura: «Ich muss seit März 8,5 Stunden am Tag mit Maske arbeiten. Es ist ganz sicher nicht angenehm, aber man gewöhnt sich ein bisschen daran.»

Kann eine Firma Masken vorschreiben?

Herr Kalbermatter*, kann der Arbeitgeber verlangen, dass die Angestellten im Büro eine Maske tragen?
Wenn Bund oder Kantone eine Maskenpflicht in Innenräumen vorschreiben, ist der Fall sowieso klar. Aber auch die Fürsorgepflicht gegenüber dem Arbeitnehmer kann diese Massnahme rechtfertigen. Das Arbeitsrecht schreibt dem Arbeitgeber vor, Weisungen zu erteilen und Massnahmen zu treffen, die für den Gesundheitsschutz nötig sind. Dazu gehört zur Zeit wohl auch die Vorschrift, eine Maske zu tragen, wenn andere Schutzkonzepte wie zum Beispiel genügend Abstand nicht möglich sind oder Hygienemassnahmen nicht ausreichen. Im Sinne der Verhältnismässigkeit muss die Pflicht aber soweit wie möglich beschränkt bleiben, z. B. Maskentragepflicht nur für Situationen, in denen andere Schutzkonzepte nicht greifen und nicht einfach pauschal für den ganzen Arbeitstag.

Kann ein Büroangestellter einfach nicht mehr zur Arbeit kommen, wenn er eine Maske tragen muss?
Nein. Weigert sich der Arbeitnehmer, verliert er seinen Lohnanspruch und riskiert eine Kündigung wegen Arbeitsverweigerung. Eine Ausnahme gibt es, wenn es dem Arbeitnehmer aus medizinischen Gründen nicht möglich ist, eine Maske zu tragen. Dann muss der Arbeitgeber anderweitige Massnahmen umsetzen für den betroffenen Arbeitnehmer.

Wer müsste die Masken bezahlen?
Die Masken für die Nutzung am Arbeitsplatz sind vom Arbeitgeber zu bezahlen. Anders sieht der Fall aus für Masken, die auf dem Arbeitsweg getragen werden. Diese sind vom Arbeitnehmer zu bezahlen.

* André Kalbermatter ist Anwalt mit Fachgebiet Arbeitsrecht

André Kalbermatter.

André Kalbermatter.

zvg

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