Neue, irre, falsche Theorie - Masken-Gegner überlegen nun, doch Maske zu tragen – aus Angst vor Geimpften
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Neue, irre, falsche TheorieMasken-Gegner überlegen nun, doch Maske zu tragen – aus Angst vor Geimpften

Laut einer neuen Theorie, die in Masken- und Impfgegnerkreisen herumgereicht wird, sollen gegen Covid-19 geimpfte Personen Proteine absondern, die Ungeimpfte krank machen. Nun wird diskutiert, wie man sich dagegen schützen kann.

von
Fee Anabelle Riebeling
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Kein Argument konnte Masken-Gegner bisher davon überzeugen, ihre Meinung zum Mund-Nasen-Schutz zu ändern. 

Kein Argument konnte Masken-Gegner bisher davon überzeugen, ihre Meinung zum Mund-Nasen-Schutz zu ändern.

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Doch nun könnte ausgerechnet eine Verschwörungstheorie das ändern. 

Doch nun könnte ausgerechnet eine Verschwörungstheorie das ändern.

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Laut dieser werfen gegen Covid-19 geimpfte Personen ein Protein ab, das bei Frauen, die es abbekommen zu unregelmässigen Menstruationen, Unfruchtbarkeit und Fehlgeburten führen soll. 

Laut dieser werfen gegen Covid-19 geimpfte Personen ein Protein ab, das bei Frauen, die es abbekommen zu unregelmässigen Menstruationen, Unfruchtbarkeit und Fehlgeburten führen soll.

Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/ZB

Darum gehts

  • In der Covid-19-Pandemie grassiert nicht nur das Virus, sondern auch Verschwörungstheorien.

  • Eine neue besagt, Geimpfte würden gefährliche Proteine abwerfen.

  • Anhänger der Behauptung überlegen nun, wie sie die vermeintliche Gefahr bannen können.

  • Dabei gibt es keinen Grund zur Besorgnis, wie ein Mediziner erklärt.

Maske tragen, Abstand halten – diese einfachen Schutzmassnahmen zu befolgen, war für viele Massnahmen-Gegner bisher undenkbar, aus den verschiedenen Überlegungen. Doch offenbar denken einige von ihnen mittlerweile darüber nach, ihren Widerstand aufzugeben. Grund dafür ist eine neue Theorie, die in ihren Kreisen zirkuliert.

Laut dieser stellt nicht das Coronavirus Sars-CoV-2, sondern die Begegnung mit Geimpften eine grosse Gefahr für sie dar. Denn diese würden bestimmte Proteine auf die Ungeimpften «abwerfen», was bei diesen je nach Quelle zu unregelmässigen Menstruationen, Unfruchtbarkeit und Fehlgeburten führen sollen. Auch die Betreiber einer Privatschule in Miami hatten so begründet, warum bei ihnen keine geimpften Lehrpersonen unterrichten dürften: «Es scheint, dass diejenigen, die Injektionen erhalten, etwas aus ihren Körpern auf andere übertragen, mit denen sie Kontakt haben.»

Ideen, die vermeintliche Gefahr zu bannen

Dass diese Behauptungen bereits mehrfach widerlegt worden sind, scheint die Anhänger der Verschwörungstheorie nicht zu stören, schreibt Vice.com. Sie machten sich vielmehr Gedanken darüber, wie man sich vor der vermeintlichen Gefahr schützen kann. Sherri Tenpenny etwa, Osteopathin und äusserst engagierte Anti-Impf-Aktivistin aus den USA, überlegte öffentlich, ob man sich in Zukunft «von jemandem fernhalten muss, der diese Impfungen bekommen hat … für immer.»

Larry Pavelsky, ein umstrittener Kinderarzt und bekannter Anti-Vaxxer aus New York, der auch von der Masern-Impfung nichts hält, schlägt vor, Geimpfte mit einem Abzeichen zu versehen, damit die Ungeimpften wissen, zu wem sie auf Abstand gehen müssen.

Wieder andere versuchen sich mit dem Gedanken anzufreunden, zum Schutz vor den Absonderungen der Covid-19-Geimpften sogar das Undenkbare zu tun: Auf der unter anderem bei QAnon-Anhängern sehr beliebten Internetplattform «4chan» fragte ein Anhänger der Protein-Theorie in die Runde, ob man «eine Maske in der Nähe der Geimpften tragen sollte, weil sie das mRNA-Zeug ausscheiden?» Ein anderer verspricht auf Twitter, «diese Impfstoffausscheidungen wie ein Falke zu beobachten.»

Mediziner erklärt Hintergrund der Verschwörungstheorie

Die wilden Theorien der Masken- und Impfgegner sind laut dem US-Mediziner Zubin Damania, der auch online über Medizinisches aufklärt, «ein neuer Tiefpunkt, der von dem wahnhaften Flügel des Anti-vaxx-Kults ausgeht.» Die Fehlinformationen gingen auf eine frühere Behauptung aus denselben Kreisen zurück, wonach das Protein Syncytin, das an der Plazentabildung beteiligt ist, einige strukturelle Ähnlichkeiten mit dem Spike-Protein aufweise, und die Impfung darum das weibliche Fortpflanzungssystem beeinträchtige. Dem ist aber nicht so.

Richtig ist indes: Der Impfstoff regt die Zellen dazu an, das Spike-Protein zu produzieren, so Damania. Dieses würde aber in der Regel innerhalb von 24 bis 48 Stunden abgebaut, so dass es kaum eine Möglichkeit zum «Abwerfen des Proteins» gebe – «selbst dann nicht, wenn es tatsächlich auftreten würde» , erklärt der Mediziner. Das sei aber nicht der Fall. Zudem müsse man sich die Frage stellen, warum die Maskengegner, Impfskeptiker und Coronaleugner nicht auch das Coronavirus Sars-CoV-2 fürchten.

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