Keine Grippe dank BAG-Massnahmen?: «Masken im ÖV machen auch nach Corona Sinn»
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Keine Grippe dank BAG-Massnahmen?«Masken im ÖV machen auch nach Corona Sinn»

Das BAG verzeichnet dieses Jahr so wenig Grippefälle wie schon lange nicht mehr. Verzichte man auch künftig auf Küsschen oder trage mehr Maske, könne das auch in Zukunft der Fall sein, so ein Experte.

von
Leo Hurni
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Die Grippe ist dieses Jahr so wenig verbreitet wie schon lange nicht mehr. 

Die Grippe ist dieses Jahr so wenig verbreitet wie schon lange nicht mehr.

Urs Jaudas/Tamedia AG
Grund dafür seien unter anderem die Schutz- und Hygienemassnahmen, sagt das Bundesamt für Gesundheit. 

Grund dafür seien unter anderem die Schutz- und Hygienemassnahmen, sagt das Bundesamt für Gesundheit.

Michael Trost
Aus der aktuellen Situation könne man viel lernen, so Infektiologe Thomas Cerny. 

Aus der aktuellen Situation könne man viel lernen, so Infektiologe Thomas Cerny.

Privat

Darum gehts:

  • Dieses Jahr gibt es so wenige Grippefälle wie seit langem nicht mehr.

  • Fachleute sind sich einig: Das liegt unter anderem an den geltenden Hygiene- und Schutzmassnahmen.

  • Gewisse Massnahmen würden deshalb auch nach Corona Sinn machen, meint ein Experte.

Weltweit gibt es laut dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) dieses Jahr viel weniger Grippefälle als noch 2019. Grund dafür seien wahrscheinlich auch die geltenden Schutz- und Hygienemassnahmen, die dem Grippevirus das Leben schwer machen. Das schreibt das BAG im neusten Bericht zu den grippeähnlichen Erkrankungen.

Erfahrungsgemäss erreicht die Grippe (siehe Box) die Bevölkerung vor allem in den kalten Wintermonaten Januar und Februar – im Grippejahr 2017 verzeichnete die Schweiz rund 2500 Influenza-Tote. Wie die Welle dieses Jahr ausfallen werde, sei allerdings schwierig einzuschätzen, sagt Mark Witschi, Leiter Sektion Impfempfehlungen und Bekämpfungsmassnahmen des BAG. «Im Sommer haben wir auf der Südhemisphäre gesehen, dass die Grippewelle wegen der Massnahmen gegen Corona schwach verlaufen ist. Wir hoffen, dass das auch in der Schweiz der Fall sein wird, denn jeder zusätzliche schwere Grippefall ist zurzeit aufgrund der ausgelasteten Spitäler einer zu viel.»

Grippetote könnten vermieden werden

Fachleute wollen bereits Lehren aus der Corona-Erfahrung ziehen. So sagt der Tessiner Infektiologe Andreas Cerny vom Moncucco-Spital: «Aus der aktuellen Situation können wir viel lernen. Die Grippe, die auch zu vielen Hospitalisationen führen kann, könnte mit den richtigen Massnahmen auch in Zukunft vermieden werden.»

Es sei zu prüfen, Massnahmen wie die Maskenpflicht im öffentlichen Verkehr oder den Verzicht auf das Händeschütteln auch nach Corona beizubehalten. «Zum Beispiel Masken im öffentlichen Verkehr machen auch nach Corona Sinn. Das zeigt sich auch im asiatischen Raum, wo gerade in den kalten Wintermonaten die Leute vorsichtiger und Schutzmasken generell verbreitet sind.»

Freiwillig hielten sich aber nicht viele Leute an die Massnahmen, meint Epidemiologe Heiner Bucher. «Trotzt der Lerneffekte haben viele Leute genug von den Massnahmen und werden sich bei einer zukünftigen Grippewelle wohl kaum an Schutzmassnahmen wie Distanzhalten, Kontakteinschränkung oder Handhygiene halten wollen.» Er könne sich aber gut vorstellen, dass viele Leute in Zukunft bei grippeähnlichen Symptomen Kontakt zu älteren Menschen und Menschen mit Vorerkrankungen einzuschränken versuchen oder mehr von Homeoffice Gebrauch machen, um Ansteckungen zu vermeiden. Das Bewusstsein für Hygiene- und Schutzmassnahmen sei sicher gestiegen.

Werden wir auch nach Corona Masken im Zug tragen?

Auch wenn die aktuellen Massnahmen künftig Grippeepidemien verhindern oder abbremsen könnte, will das BAG nicht ewig an den Schutz- und Hygienemassnahmen festhalten. Eine Rückkehr zur Normalität ohne grössere Einschränkungen sei wichtig. «Wenn zukünftig die Corona-Massnahmen wieder aufgehoben werden können, werden auch wieder normale Grippewellen auftreten», so Mark Witschi.

Auch Thomas Steiner, Fachpsychologe für Psychotherapie, will zur Normalität zurück, sobald die Bevölkerung gegen Corona geimpft ist. «Der Mensch braucht Berührungen. Gerade bei der Begrüssung wird man nach dem Ende der Pandemie nicht auf Umarmungen oder Küsschen verzichten.» Das könne man auch nicht mit Asien vergleichen, denn hier lebe man in einer total anderen Kultur.

Die Influenzaviren

In der Schweiz kommt es in den Wintermonaten nach dem Jahreswechsel zu Grippewellen mit unterschiedlicher Ausbreitung und Schwere. Bei Influenzaviren können Mutationen besonders leicht entstehen: Sie verändern sich ständig und bilden häufig neue Varianten. Deshalb wird auch der Influenza-Impfstoff nahezu jedes Jahr neu angepasst.

Hast du oder jemand, den du kennst, Mühe mit der Corona-Zeit?

Hier findest du Hilfe:

BAG-Infoline Coronavirus, Tel. 058 463 00 00

Dureschnufe.ch, Plattform für psychische Gesundheit rund um Corona

Branchenhilfe.ch, Ratgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Tel. 147

Deine Meinung

772 Kommentare
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D.Enk-Zettel

30.12.2020, 23:22

würde aus dem Käse, welcher hier von all den neuen "Experten" zum Besten gegeben wird Fondue hergestellt, so könnte die halbe Welt ernährt werden. En guete Rutsch allne

P. Pan

30.12.2020, 17:49

NACH dieser Pandemie könnt ihr euch die Masken überziehen, wohin ihr wollt, ich selbst und 1000de Mitbürger werden sicher keine mehr tragen . . .

beat bachmann

30.12.2020, 17:46

die masken werden sicherlich beibehalten. die grippe kommt bald. da die grippe international ist werden wir wohl noch lange pandemie haben. kommt doch nache der wintergrippe auch die agressivere sommergrippe.