Massnahmen gegen Pandemie - Maskenpflicht für Ungeimpfte an Schulen löst Knatsch aus
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Massnahmen gegen PandemieMaskenpflicht für Ungeimpfte an Schulen löst Knatsch aus

Im Kanton Wallis dürfen nur Schülerinnen und Schüler mit Covid-Zertifikat maskenfrei in den Unterricht. Gegner der Massnahme befürchten Mobbing.

von
Bettina Zanni
Zoé Stoller
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Walliser Schülerinnen und Schüler der nachobligatorischen Stufe müssen keine Maske mehr tragen, wenn sie angeben, ob sie genesen, geimpft oder getestet sind.

Walliser Schülerinnen und Schüler der nachobligatorischen Stufe müssen keine Maske mehr tragen, wenn sie angeben, ob sie genesen, geimpft oder getestet sind.

20min/Celia Nogler
Für Schülerinnen und Schüler mit Covid-Zertifikat entfällt an Walliser Gymnasien und Berufsschulen ab Montag die Maskenpflicht.

Für Schülerinnen und Schüler mit Covid-Zertifikat entfällt an Walliser Gymnasien und Berufsschulen ab Montag die Maskenpflicht.

Getty Images/iStockphoto
Damit habe sich der Kanton in Zusammenarbeit mit dem Kantonsarzt und der Schule für eine pragmatische Lösung entschieden, sagt der Walliser Bildungsminister Christophe Darbellay (CVP).

Damit habe sich der Kanton in Zusammenarbeit mit dem Kantonsarzt und der Schule für eine pragmatische Lösung entschieden, sagt der Walliser Bildungsminister Christophe Darbellay (CVP).

darbellay.ch

Darum gehts

  • An Walliser Gymis und Berufsschulen gilt für Ungeimpfte ab Montag eine Maskenpflicht. Geimpfte sind davon ausgenommen.

  • «Das Vorgehen des Kantons Wallis müsste schweizweit auf alle Schülerinnen und Schüler ab 18 Jahren ausgeweitet werden», sagt die Sprecherin der Website schulcluster.ch.

  • «Differenziert die Schule zwischen Schülerinnen und Schülern mit und ohne Zertifikat, wird eine Zweiklassengesellschaft etabliert», sagt Nicolas A. Rimoldi, Co-Präsident des Vereins «Mass-voll!».

  • Auch die Politik ist gespalten.


Für Schülerinnen und Schüler mit Covid-Zertifikat entfällt an Walliser Gymnasien und Berufsschulen ab Montag die Maskenpflicht. Wer hingegen den Unterricht besucht, ohne geimpft, genesen oder getestet zu sein, muss die Maske weiterhin tragen.

Damit habe sich der Kanton in Zusammenarbeit mit dem Kantonsarzt und der Schule für eine pragmatische Lösung entschieden, sagt der Walliser Bildungsminister Christophe Darbellay (CVP). In der Phase nach dem Lockdown seien Quarantänen für die Schulen ein Problem gewesen. Auch gestalte sich der Unterricht mit Maske schwieriger. «Wir wollen den Schülerinnen und Schülern die höchstmögliche Sicherheit und gleichzeitig einen möglichst normalen Unterricht bieten.»

Vorgehen müsse ausgeweitet werden

Bei Gruppen, die sich für den Schutz der Kinder in der Pandemie einsetzen, findet die Strategie viel Zuspruch. «Das Vorgehen des Kantons Wallis müsste schweizweit auf alle Schülerinnen und Schüler ab 18 Jahren ausgeweitet werden», sagt die Sprecherin der Website schulcluster.ch. Seit rund einem halben Jahr erfassen die Köpfe dahinter dort Corona-Ausbrüche in Schulen. «In den Schulen geht es mit Ansteckungen schon wieder los – stärker als vor einem Jahr um diese Zeit.» Ergriffen die Schulen jetzt keine Massnahmen, drohe eine heftige Welle von Ausbrüchen.

Rui Biagini von der Initiative «Protect the Kids» versteht den Ansatz der Strategie. «Was einen Anreiz zum Impfen schafft, ist grundsätzlich eine gute Idee.» Noch sicherer und sozial verträglicher wäre seiner Meinung nach aber, die Schulen mit CO2-Sensoren und Luftfiltern auszustatten. «Auch sollten die Maskenpflicht beibehalten werden und regelmässige Tests durchgeführt werden.»

Massnahmenkritische Gruppen hingegen toben. «Differenziert die Schule zwischen Schülerinnen und Schülern mit und ohne Zertifikat, wird eine Zweiklassengesellschaft etabliert», sagt Nicolas A. Rimoldi, Co-Präsident des Vereins «Mass-voll!». Schülerinnen und Schüler mit Maske seien klar in der Minderheit. «Sie werden gemobbt werden, weil es dann zum Beispiel heisst: ‹Du Asozialer, mit dir essen wir nicht mehr.›»

«Zweiklassengesellschaft wird etabliert»

Laut Rimoldi wird hier bewusst massiver Druck auf Jugendliche für ein Zertifikat gemacht: «Die Maskenpflicht war bereits ein Unrecht und jetzt wird dieses mit einem weiteren Unrecht legitimiert.» Seiner Meinung nach handelt das Wallis zudem illegal.

Covid-Zertifikat in Schulen

Für den Einsatz des Zertifikats unterscheidet der Bundesrat drei Bereiche. Der erste, grüne Bereich umfasst unter anderem Schulen, wo das Zertifikat explizit ausgeschlossen ist, weil es sich um staatliche Aufgaben oder elementare Freiheits- und Grundrechte handelt. Mit der Regel stütze sich der Kanton Wallis auf das Epidemiengesetz und das Schulgesetz, sagt Bildungsminister Christophe Darbellay (CVP). «Einer solchen Regel steht kein Gesetz im Weg.» Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) konnte das Walliser Vorgehen am Donnerstag aus rechtlicher Sicht nicht kommentieren.

Politiker sind geteilter Meinung

Auch Bildungspolitiker reagieren gespalten. «Die Ansteckungen in den Schulen sind eine Realität. Die Wahl zwischen Zertifikat und Maskentragen hilft, diese Epidemie möglichst schnell hinter uns zu bringen», sagt SP-Nationalrat Mustafa Atici. Zudem helfe das Vorgehen, dass die Schulen weiterhin offen sein könnten.

Wenig Verständnis für die Massnahme äussert SVP-Nationalrat Martin Haab. «Auf diese Weise diskriminiert man gewisse Gruppen. Dasselbe wäre der Fall, wenn Restaurantbesitzer nur noch Gäste mit Zertifikat zuliessen.» Alexandra Ray, Psychologin für Kinder und Jugendliche, zeigt sich ambivalent (siehe unten).

Was macht diese Massnahme mit den Jugendlichen?

Bis anhin spielte das Covid-Zertifikat in den Schulen keine Rolle. Der Kanton Wallis ändert dies nun. «Es wird bestimmt zu starkem Gruppendruck kommen. In diesem Alter achtet man sehr darauf, was die Leute aus der Clique machen», sagt Alexandra Ray, Psychologin für Kinder und Jugendliche. Allerdings hätten junge Menschen ein starkes Bedürfnis, autonom zu sein und ihren eigenen Weg zu gehen. Mit dieser Massnahme würden sie fremdbestimmt.
Ray geht davon aus, dass sich mehr Jugendliche wegen dieser Verordnungen impfen lassen werden. «Wenn die beste Freundin geimpft ist, ist man eher dazu bereit, auch diesen Schritt zu gehen.» Sie vergleicht das Ermutigen zum Impfen mit dem Bestärken der jungen Menschen, das Trinken und Rauchen zu unterlassen: «Man überlässt zwar den Jugendlichen, was sie machen möchten, gleichzeitig drängt man sie in eine bestimmte Richtung.» Der Unterschied sei dabei jedoch, dass es beim Impfen ums Allgemeinwohl gehe und darum, seine Mitmenschen zu schützen.

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