Panama: Massaker mit 220 Toten war gar keines
Publiziert

PanamaMassaker mit 220 Toten war gar keines

Für seine Forschung zu Mittel- und Südamerika bekam Samuel Kirkland Lothrop viel Anerkennung. Doch auch er lag mal daneben.

von
fee
1 / 8
Ein 1951 in Panama entdecktes Massengrab enthielt zwar die sterblichen Überreste von 220 Menschen, jedoch wurden diese nicht massakriert, ...

Ein 1951 in Panama entdecktes Massengrab enthielt zwar die sterblichen Überreste von 220 Menschen, jedoch wurden diese nicht massakriert, ...

Courtesy of Ripon College/Kenneth Vinton Estate
... wie US-Archäologe und -Anthropologe Samuel Kirkland Lothrop (1892–1965) ...

... wie US-Archäologe und -Anthropologe Samuel Kirkland Lothrop (1892–1965) ...

PD

Abgeschlachtet, geköpft, verstümmelt und/oder lebendig begraben – mit solch drastischen Worten beschrieb Samuel Kirkland Lothrop 1954 im Fachjournal «American Antiquity» die seiner Meinung nach letzten Minuten von 220 Menschen, deren Überreste er drei Jahre zuvor an der Playa Venado in Panama entdeckt hatte (siehe Bildstrecke).

Der amerikanische Archäologe und Anthropologe war fest davon überzeugt, drei Jahre zuvor die Spuren eines Massakers entdeckt zu haben, das sich dort zwischen dem 5. und 9. Jahrhundert nach Christus ereignet haben soll.

Alte Knochen, neue Methoden

Doch offenbar lag er mit seiner Einschätzung falsch. Zu diesem Schluss kommen Forscher des Smithsonian Tropical Research Institute im Fachjournal «Latin American Antiquity».

Das Team um Bioarchäologin Nicole E. Smith-Guzmán hatte die 1951 von Lothrop ausgegrabenen Knochen noch einmal mit heutigen Methoden untersuchen lassen.

Schäden neu interpretiert

Dabei zeigte sich, dass die Gebeine zwar tatsächlich Spuren von Verletzungen aufwiesen, jedoch nur solche, die schon längst wieder verheilt waren, und nicht solche, die zum Tod geführt hätten.

Auch für die von Lothrop beschriebenen Knochenbrüche haben Smith-Guzmán und ihre Kollegen neue Erklärungen: «Sie sind nicht auf einen gewaltsamen Tod, sondern auf Mehrfachbestattungen zurückzuführen, für die Gräber wieder geöffnet und die Toten umgebettet wurden, um sie mit ihren Angehörigen zusammenzubringen», erklärt die Forscherin in einer Mitteilung.

Die verrenkten Körperhaltungen erklären die Wissenschaftler mit natürlichen Zerfallprozessen, die geöffneten Münder der Leichen dürften mit der natürlichen Erschlaffung der Muskulatur zu tun haben.

Chronisten sahen Ureinwohner als Barbaren

Obwohl die neuen Erkenntnisse die alten widerlegen, sieht Smith-Guzmán die Leistungen Lothrops dadurch nicht geschmälert. Seine Fehlinterpretationen seien wohl auf die Ära der sogenannten romantischen Archäologie sowie auf noch nicht ausgereifte Analysemethoden zurückzuführen.

Hinzu kommt gemäss den Forschern, dass man sich damals noch stark auf historische Überlieferungen gestützt habe, die jedoch stets einseitig waren. Zudem seien spanische Chronisten früher sehr bemüht darum gewesen, die Ureinwohner als der Gewalt zugeneigte Barbaren darzustellen.

Wissen-Push

Abonnieren Sie in der 20-Minuten-App die Benachrichtigungen des Wissen-Kanals. Sie werden über bahnbrechende Erkenntnisse und Entdeckungen aus der Forschung, Erklärungen zu aktuellen Ereignissen und kuriose Nachrichten aus der weiten Welt der Wissenschaft informiert. Auch erhalten Sie Antworten auf Alltagsfragen und Tipps für ein besseres Leben.

Und so gehts: Installieren Sie die neuste Version der 20-Minuten-App. Tippen Sie rechts oben auf das Menüsymbol, dann auf das Zahnrad. Wenn Sie dann nach oben wischen, können Sie die Benachrichtigungen für den Wissen-Kanal aktivieren.

Deine Meinung