Aktualisiert 13.11.2007 12:00

Massenhaft Schwarze Löcher entdeckt

Forscher haben Hunderte bislang unentdeckte Schwarze Löcher im Universum ausgemacht. Doch gerade die grosse Anzahl stellt Astronomen vor ein Rätsel.

Französische und amerikanische Astronomen haben in den vergangenen Tagen eine Unmenge neuer Schwarzer Löcher gesichtet. Sie waren bislang im Inneren von staubigen Galaxien verborgen. «Bei unserer Suche nach diesen Objekten haben wir bislang immer nur die Spitze des Eisbergs gesehen, jetzt sehen wir endlich den Eisberg selbst», so Mark Dickinson vom National Optical Astronomy Observatory.

Sie verschlingen alles

Ein Schwarzes Loch ist ein Objekt, an dessen Oberfläche die Schwerkraft so stark ist, dass nichts dieses Objekt verlassen kann - noch nicht einmal Licht. Daher kann man Schwarze Löcher auch nicht direkt beobachten, sondern kann nur durch ihre Auswirkungen auf ihre Umgebung auf ihre Existenz schliessen.

Mit Hilfe der Weltraumteleskope Spitzer und Chandra konnten die Wissenschaftler die Schwerkraftfallen nun enttarnen. Sie gehören zu einer Gruppe von Schwarzen Löchern, nach denen lange gesucht worden war. Es handelt sich dabei um sogenannte Quasare. Das sind Schwarze Löcher im Zentrum von Galaxien, die von einem dichten Ring aus Gas und Staub umgeben sind und mit einer hohen Rate Material verschlingen. Dabei entsteht intensive Röntgenstrahlung, die man als Röntgenleuchten erkennen kann - auch wenn der Quasar selbst nicht sichtbar ist, weil er durch Gas und Staub verborgen ist.

Grosse Anzahl gibt Fragen auf

Mit der Entdeckung liegt nun der erste Beweis dafür vor, dass im Zentrum massereicher Galaxien im jungen Universum supermassereiche Schwarze Löcher heranwachsen. Dennoch können sich die Wissenschaftler nicht so recht über ihre Entdeckung freuen. Denn ihnen fehlt es an einer tragfähigen Erklärung, wie diese Schwarzen Löcher überhaupt entstanden sind.

Bislang wurde vermutet, dass der Zusammenstoss zweier Galaxien nukleare Aktivität im Zentrum und damit die Bildung eines Schwarzen Lochs entzünden könnte. «Da wir aber so eine immense Anzahl Schwarzer Löcher entdeckt haben und der Zusammenprall von Sternsystemen eher selten vorkommt, kann auch dieses Modell die Existenz der Schwarzen Löcher nicht erklären», so Emanuele Daddi vom Commissariat à l'Energie Atomique in Paris.

Doch noch über einer weiteren Frage grübeln die Wissenschaftler. «Theoretiker haben angenommen, dass man Kollisionen benötigt, um die Quasaraktivität anzuregen, aber wir sehen hier aktive Quasare in ungestörten Galaxien», so Teammitglied David Alexander von der britischen Durham University.

Fortschritt für die Astrophysik

Der Fund sollte den Astronomen helfen, mehr über die Entwicklung von massereichen Galaxien zu lernen: So vermuten sie beispielsweise inzwischen, dass in diesen massereichen Galaxien gleichzeitig Sterne entstehen und die zentralen Schwarze Löcher wachsen, bis irgendwann die Schwarzen Löcher so gross sind, dass sie weitere Sternentstehung behindern.

(oku)

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