Aktualisiert 06.06.2011 05:21

Ante Pavelic

Massenmörder hatte Wohlwollen des Papstes

Der Papstbesuch bringt die Erinnerung an einen Massenmörder zurück, der Hunderttausende massakrieren liess: Ante Pavelic, kroatischer Führer von Hitlers und Mussolinis Gnaden.

von
Emanuel Ringhoffer, apa
Der Papstbesuch in Zagreb, Kroatien, liess die Erinnerung an den «treuen Sohn» der Kirche, Ustascha-Massenmörder Ante Pavelic, wieder aufleben. (Bild: Keystone / wikipedia.org/AP1929)

Der Papstbesuch in Zagreb, Kroatien, liess die Erinnerung an den «treuen Sohn» der Kirche, Ustascha-Massenmörder Ante Pavelic, wieder aufleben. (Bild: Keystone / wikipedia.org/AP1929)

Pavelic kam nach dem Zweiten Weltkrieg vor kein Kriegsverbrechergericht, sondern gelangte, als Priester verkleidet, mit Hilfe des Vatikans nach Rom. Von dort reisten er und seine Spiessgesellen mit 300 Kilo Gold im Gepäck nach Argentinien.

Nach dem Sturz von Juan Peron in Argentinien (1955) gelangte Pavelic nach Spanien und genoss dort den Schutz und die Verehrung des faschistischen Diktator Francisco Franco. 1959 starb Pavelic in Spanien.

Die Gräueltaten, die das von Pavelic errichtete Ustascha-Schreckensregime von 1941 bis 1945 beging, waren die schlimmsten aller Vasallenstaaten Nazideutschlands. Getragen wurden sie von einem religiösen Fanatismus, der nur mit der spanischen Inquisition vergleichbar ist.

Der «Unabhängige Staat Kroatien» war ein pseudosouveränes Gebilde unter Einschluss Bosnien-Herzegowinas, aber ohne die von Italien annektierte dalmatinische Küste. Unter den 6,5 Millionen Einwohnern lebten zwei Millionen Serben.

Offiziell vom Vatikan unterstützt

Kroatien genoss dabei die Unterstützung durch die De-facto- Besatzungsmächte Italien und Deutschland und die katholische Kirche. So forderte der Primas der Kirche, der spätere Kardinal und 1998 seliggesprochene Alojzije Stepinac, die Gläubigen in einem Hirtenbrief vom 28. April 1941 auf, «den neuen Staat zu unterstützen, weil er die Heilige Kirche vertritt».

Die Katholiken wurden angewiesen, dem «Poglavnik» Gehorsam zu leisten und «für sein grosses Werk zu beten», in welchem «die Hand Gottes zu erkennen» sei.

Die Dokumente, die den kroatischen politischen Katholizismus im denkbar schlechtesten Licht erscheinen lassen, stammen nicht von den späteren kommunistischen Machthabern, sondern direkt aus deutschen und italienischen Archiven.

Selbst Nazis waren schockiert

Die Berichte deutscher Diplomaten in Agram (Zagreb) nach Berlin gehen von annähernd 750 000 wehrlos Abgeschlachteten aus. Generäle wie Mario Roatta, Oberbefehlshaber der italienischen II. Armee, oder die Österreicher Alexander Löhr, Oberbefehlshaber der Wehrmacht für den Balkan, und Edmund Glaise-Horstenau, Wehrmacht-Bevollmächtigter bei Pavelic, waren schockiert von den sadistischen Methoden des gegen Serben, Juden und Roma ausgeübten Kreuzzugsterrors mittelalterlicher Prägung.

Laut «Encyclopedia Britannica» wurden «die Massaker an den Serben in ihrer Grausamkeit nur von der Massenvernichtung der polnischen Juden übertroffen».

Franziskaner in Ustascha-Uniform

Franziskanermönche in Ustascha-Uniformen kommandierten Todeslager wie Jasenovac, wo Pater Miroslav Filipovic eigenhändig Enthauptungen am laufenden Band vornahm.

Im Vatikan war man genauestens informiert. Kurienkardinal Eugène Tisserant sagte dem Pavelic-Vertreter Nikola Rusinovic, er wisse, wie «schändlich» sich Franziskaner in Bosnien und der Herzegowina benehmen würden. Das berichtete der britische Historiker Anthony Rhodes in seinem Buch «Der Papst und die Diktatoren».

Der Substitut im vatikanischen Staatssekretariat, Giovanni Montini (der spätere Papst Paul VI.), beschwerte sich im März 1942 in einem Gespräch mit dem Ustascha-Vertreter über Pavelics «Ausrottungs- und Zwangsbekehrungsstrategie».

Pavelic vom Papst empfangen

Doch am 18. Mai 1941 empfing Papst Pius XII. Pavelic. Nur vier Tage vorher waren in Glina Hunderte orthodoxer Serben - ein Drittel der Ortsbevölkerung - bestialisch niedergemetzelt worden.

Annähernd 300 orthodoxe Kirchen wurden in Kroatien zerstört; 128 Priester gefoltert und ermordet. Der Besitz der orthodoxen Kirche wurde zugunsten der katholischen eingezogen. Die Berichte - unter anderem im deutschen «Reichssicherheitshauptamt» - über die Brutalität der Ustaschas gegen Gefangene unter Mitwirkung katholischer Geistlicher sind genau belegt.

Mord am jugoslawischen König

Die 1929 von Pavelic gegründete Terrororganisation Ustascha (Der Aufständische) war vom faschistischen Italien finanziert und geschult worden. 1934 ermorderten Ustascha-Terroristen den jugoslawischen König Alexander I. Karadjordjevic während eines Staatsbesuchs in Marseille.

Dies führte jedoch nicht zum von Pavelic erhofften Aufstand der Kroaten gegen Belgrad. 1941 schliesslich überfiel Hitler-Deutschland Jugoslawien, nachdem das Militär gegen einen geplanten Beitritt zu den Achsenmächten geputscht hatte.

Pavelic konnte sich darauf an der Spitze des Marionettenstaates installieren. Hohe kirchliche Würdenträger wie der Erzbischof von Sarajevo, Ivan Saric, und der Bischof von Banja Luka, Jozo Gavic, wurden mit schweren Kriegsverbrechen in Verbindung gebracht. Beide waren 1945 zusammen mit Pavelic geflüchtet.

Der Kirchenkritiker Karlheinz Deschner zur Politik der Päpste im 20. Jahrhundert:

(Video: YouTube.com/wda013)

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