Aktualisiert 26.07.2011 09:21

Täuschungsmanöver

Massenmörder scherzte vor Tat mit Taxifahrer

Noch einen Tag vor dem brutalen Attentat erlebten Augenzeugen den Täter völlig gelöst und fröhlich. Und selbst vor der Überfahrt erregte Breivik trotz seines Gewehrs keinen Verdacht.

von
A. Hirschberg

Eine der letzten Personen, die mit Massenmörder Anders Behring Breivik vor seiner Tat gesprochen hat, ist der Taxifahrer Arild Tangen aus Lena N. Er war von Breivik am Tag vor dem Doppelattentat zum Vorortsbahnhof gerufen worden, um ihn zu seinem abgelegenen Hof in Asta zu fahren. Den Hof hatte Breivik vor wenigen Monaten gepachtet.

Dem Taxifahrer ist an jenem Tag gar nichts an dem 32-jährigen blonden Mann aufgefallen. Im Gegenteil: Er sei ihm ganz normal vorgekommen. Er sei guter Laune und gesprächig gewesen. Dies war schon Tangens erster Eindruck am Bahnhof in Lena. «Als ich vorfuhr, stand er dort und plauderte mit ein paar kleinen Mädchen, die mit ihm aus dem Zug gestiegen waren», erzählt der Taxifahrer. Er sei elegant angezogen gewesen, als ob er von einem Tag im Büro nach Hause komme. In der Hand hatte er eine Laptoptasche.

«Nichts schien verdächtig»

Auf dem Weg haben Breivik und der Taxifahrer fröhlich über die Vergangenheit des Hofes geredet, auf dem 2006 eine Hanfplantage ausgehoben worden war. «Ich habe ihm gesagt, es seien wohl ein paar 1000 Pflanzen gewesen und dann haben wir darüber gelacht», so Tangen. Im Nachhinein fragt er sich, ob er nicht ahnen konnte, was der Mann im Sinn hatte. Aber er habe nichts Auffälliges bemerkt. «Er wirkte nicht verrückt, er war nicht nervös, nichts schien verdächtig.»

Dabei hatte der «ganz normale» junge Mann wohl an jenem Donnerstag bereits Vorbereitungen für das Attentat am Freitag getroffen. Möglicherweise brachte er an jenem Tag sein Privatauto nach Oslo, um damit am Freitag von der Hauptstadt direkt zur Insel Utøya fahren zu können. Der Taxifahrer sah an jenem Donnerstag jedenfalls nur den grossen VW-Van auf dem Grundstück des Attentäters.

Weiterfahrt mit dem Privatauto

In diesem Van, den Anders Behring Breivik genau eine Woche vor dem Attentat gemietet hatte, platzierte der Massenmörder die Bombe, die am Freitag um 15.26 Uhr im Regierungsviertel von Oslo hochging. Der Van war gross genug, um die etwa 500 Kilo schwere Bombe unauffällig zu transportieren.

Als die Bombe im Regierungsviertel explodierte, war Breivik vermutlich schon unterwegs zu seinem Privatauto, das er wohl an einem sicheren Ort parkiert hatte. Er hatte genug Zeit, um gegen 17 Uhr am Steg zu sein und das Schiff nach Utøya zu nehmen.

«Ich blickte ihm in die Augen»

Augenzeuge Are Tomasgard kann sich noch genau an den Polizisten mit den kurz geschnittenen blonden Haaren erinnern, der an den Steg kam. «Ich war auf dem Schiff, das gegen 17 Uhr am Festland anlegte und blickte dem Mann in der Uniform genau in die Augen.»

Die Anwesenheit des Polizisten schien ihm nicht verdächtig. «Ich dachte mir, der überprüft die Sicherheit auf der Insel, weil Premierminister Stoltenberg am nächsten Tag dort auftreten soll.» Alles habe echt gewirkt. Die Uniform, die ID, die reflektierenden Streifen an den Beinen und die Waffen. Dass er einen zivilen Wagen fuhr, schien ihm nicht weiter auffällig.

Das Gewehr musste er einpacken

Offenbar wurde Breivik noch vor der Überfahrt von den Angestellten des Fährbetriebs aufgefordert, seine Waffen nicht offen sichtbar herumzutragen. «Als ich mit dem Auto aus dem Parkplatz fuhr, beobachtete ich, wie er von seinem Auto weglief und seine Waffe in eine grüne Hülle steckte», erzählt Tomasgaard. Als der 32-Jährige zum Boot ging, hatte er auch eine grosse schwarze Box dabei. Möglicherweise waren darin Munition und eine weitere Waffe.

Tomasgard erzählt, dass er und sein Sohn die einzigen waren, die die Insel verliessen. «Alle anderen fuhren zusammen mit dem Mörder nach Utøya. Das Schiff legte kurz darauf ab.»

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